Der Junge aus der Provinz

Michael Dörfler

Von Michael Dörfler

Sa, 01. September 2018

SC Freiburg

Auf den letzten Drücker: SC Freiburg verpflichtet Roland Sallai.

FREIBURG. Als am frühen Freitagmorgen Flug LH 649 in Frankfurt zur Landung ansetzte, war beim Sportclub Freiburg zunächst einmal tiefes Durchatmen angesagt. Motto: Was lange währt, wird endlich gut. Aus dem Airbus, der in der kasachischen Metropole Astana gestartet war, entstieg Roland Sallai. Der 21-Jährige gilt als eines der größten Talente, das der etwas darniederliegende ungarische Fußball in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat. Sein Ziel: der SC Freiburg, der sich laut Sportdirektor Klemens Hartenbach seit gut sechs Wochen intensiv um den vielseitig einsetzbaren Offensivspieler bemüht hatte. Nach dem Medizincheck unterschrieb Sallai am Freitagnachmittag dann einen Kontrakt bei den Breisgauern, über dessen Inhalt – wie üblich – nichts bekannt wurde. Die Rückennummer 22 wird er künftig tragen.

Noch am Donnerstagabend hatte Sallai mit seinem Klub Apoel Nikosia ein Playoff-Spiel zur Europa League zu absolvieren. Beim FC Astana unterlagen die Zyprioten erst im Elfmeterschießen und schieden somit aus. Womit der Weg wohl endgültig frei war für Sallai, der sich im Flughafen von Astana von seinen Teamkameraden verabschiedete und sich zum Check-in an den Lufthansa-Schalter begab. Ein glückliches Ende eines zähen Ringens.

Sallai ist in der ungarischen Puskás Akadémia groß geworden, einem Ausbildungs- und Nachwuchszentrum mit eigenem Erstligaklub in Felcsút in der tiefen Provinz. Ministerpräsident Viktor Orbán gilt als wohl größter Fan des Vereins. Nach ersten Schritten in der ersten ungarischen Liga wechselte Sallai zu US Palermo in die italienische Serie A. Er debütierte mit 18 Jahren in der ungarischen Nationalmannschaft, deren Dress er bislang acht Mal trug. Zuletzt spielte er für Apoel Nikosia. Für die Zyprioten bestritt er 41 Pflichtspiele. Er erzielte dabei zehn Tore und bereitete sechs Treffer vor.

Spekulationen zufolge dürfte Sallai die Freiburger zwischen 3,5 und 4,5 Millionen Euro gekostet haben. Wobei die Summe wohl kontinuierlich von Apoel in die Höhe getrieben wurde. Von Freiburger Seite war zu erfahren, dass Abmachungen offenbar mehrfach über den Haufen gekippt wurden und immer wieder neue Gespräche notwendig waren, um doch noch zu einer Einigung zu kommen.

Jetzt ist Sallai da, den Hartenbach als variablen Offensivspieler sieht, "der viel Veranlagung mitbringt und der durch seine gute Einstellung schnell Fuß fassen und sich noch weiterentwickeln wird". Sallai selbst betonte: "Ich wollte unbedingt zum SC Freiburg. Der Klub hat bei jungen Spielern einen sehr guten Ruf und die Bundesliga ist eine große Herausforderung für mich." Na dann mal los.