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14. August 2012

Fallobst als Umzugshilfe

Hochwasserschutz geht mit Fledermausschutz einher.

SCHLIENGEN. Fledermäuse sind eine geschützte Spezies. Das gilt auch in Schliengen. Und wenn dort gegen Ende des Jahres im Hohlebachtal das große Hochwasserschutzprojekt Altinger Matten in Angriff genommen wird, gehen damit Naturschutzarbeiten einher, die sich in einem landschaftspflegerischen Begleitplan niederschlagen. Dazu gehört der Schutz von nicht weniger als rund einem Dutzend Fledermausarten, der schon jetzt in die Tat umgesetzt wird. Das Besondere: Mithilfe von Fallobst sollen die Fledermäuse langfristig zum Umzug bewegt werden.

Christoph Schmidt vom Büro Proeco Umweltplanung in Wehr, das von der Gemeinde beim Hochwasserschutzprojekt Altinger Matten mit der Umweltplanung und der ökologischen Baubegleitung beauftragt ist, erklärt, dass im Hohlebachtal immerhin etwa ein Dutzend Fledermausraten leben – von der Zwergfledermaus bis hin zum Großen Abendsegler. Und alle stehen unter Naturschutz. Die Populationen müssen also erhalten bleiben.

Für das Hochwasserrückhaltebecken müssen allerdings südlich der Landesstraße 134, dort, wo ein Hochwasserschutzdamm entstehen soll, einige Bäume am Waldrand gefällt werden. Dabei fallen vier sogenannte Fledermaus-Sommerquartier-Bäume weg. Die Fledermäuse verlieren diesen Unterschlupf, in dessen Stämmen und Ästen sie sitzen.

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So macht das Landratsamt Lörrach nun zwei Auflagen: zum einen die Stärkung der Population und zum anderen die Schaffung von Fledermaushabitaten, also Teillebensräume für diese Tiere, wie Schmidt erklärt. Um den ersten Teil der Auflagen, also die Stärkung der Population, zu erfüllen, muss mit den entsprechenden Arbeiten bereits vor den Bauarbeiten für den Hochwasserschutz begonnen werden. Schmidt nennt das vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen.

Und die sehen so aus: Zwei Streuobstwiesen mit 18 beziehungsweise zehn jungen, hochstämmigen Obstbäumen – Apfel und Birne – wurden angelegt. Sie stehen bereits seit vorigem Herbst unter anderem westlich des zukünftigen Damms. Dann wird im Herbst dreimal hintereinander von gemeindeeigenen Grundstücken stammendes Fallobst ausgelegt. Damit wiederum werden Insekten angelockt, die sich dann fleißig vermehren. Und das ist, man ahnt es schon, die Nahrung für die Fledermäuse. Genau dies stärkt die Populationen. Unterdessen kommen die Fledermäuse, wenn deren angestammte Behausung gefällt ist, in anderen Bäumen im Wald unter.

Doch langfristiges Ziel ist – das ist der zweite Teil zur Erfüllung der Auflagen des Landratsamtes – die Schaffung von Fledermaushabitaten. Die entstehen, wenn die 28 gepflanzten Obstbäume weiter wachsen. Diese Bäume werden schließlich Sommerquartiere für die im Winter etwa in Höhlen der Region Unterschlupf findenden Fledermäuse, die vom Fallobst angelockt werden. Um eine nhaltende Wirkung zu erzielen, sind für die nächsten fünf Jahre weitere Fallobstaktionen vorgesehen. Christoph Schmidt nennt dieses Vorgehen in Schliengen "vorbildlichen Naturschutz".

Autor: Michael Behrendt