Demonstration in Freiburg

Feldbesetzung als Protest gegen den Stadtteil Dietenbach

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

So, 05. März 2017 um 16:40 Uhr

Freiburg

"Rettet Dietenbach" – mit diesem Slogan protestierten Landwirte und Umweltaktivisten bei einer symbolischen Feldbesetzung gegen den geplanten neuen Freiburger Stadtteil Dietenbach. Sie fordern andere Lösungen.

Sie kamen mit Traktoren und Transparenten: "Rettet Dietenbach!" oder "Stoppt die Bauwut " – das waren die Kernaussagen bei einer symbolischen Feldbesetzung am Samstagnachmittag. Landwirte, die Bürgerinitiative Pro Landwirtschaft und Wald in Freiburg, der Bauernverband BLHV und verschiedene Umweltorganisationen demonstrierten so gegen den geplanten neuen Stadtteil Dietenbach (Kommentar). In Reden wurde vor rund 120 Zuhörern ein Umdenken in der Stadtplanung gefordert. Die Landwirte sehen sich massiv in ihrer Existenz bedroht.

Monika Falkner von der BI Pro Landwirtschaft freute sich, dass so viele Demonstranten aufs Feld mitten in dem Gebiet gekommen waren, wo vom Jahr 2022 an der neue Freiburger Stadtteil entstehen soll. "Nur gemeinsam können wir etwas bewegen", so Monika Falkner. Die BI sammelt auch Unterschriften und hofft auf 4000 Unterzeichner. Wichtig sei es, so die BI-Vertreterin, das Thema in die Bevölkerung hineinzutragen.

Landwirt sieht sich in der Existenz bedroht

Bernhard Sauter ist Landwirt aus der Freiburger Nachbargemeinde Au und bewirtschaftet viel Ackerland in Dietenbach. Er sieht sich durch die Pläne von Stadtverwaltung und Gemeinderat in seiner Existenz bedroht. 70 Hektar landwirtschaftliche Fläche würden jeden Tag in Deutschland wegfallen – "das sind 100 Fußballplätze jeden Tag." So ein Flächenfraß sei auch in Freiburg nicht weiter verkraftbar. Dietenbach stehe für eine nicht mehr tragbare Stadtplanung, so Sauter unter Beifall. "Es wäre andernorts unvorstellbar, dass ein natürliches Überschwemmungsgebiet zerstört wird", fügte er hinzu. Und: Alle sprächen von der Bedeutung regionaler Landwirtschaft, aber dann werde alles zubetoniert.

BUND-Vertreter: "Grenzen des Wachstums erreicht"

Georg Löser vom Freiburger Klimabündnis bezeichnete die Dietenbach-Pläne als ein Beispiel dafür, "was beim Bauen und der Stadtentwicklung schiefgehen kann". Es gebe kaum Ersatzfläche für Landwirte und auch keine Ausgleichsflächen. Der Bevölkerungszuwachs, so Lösers Meinung, könne über bestehende Baurechte gedeckt werden. Er sprach von einem "künstlichen Bedarf". Der Protest brauche einen langen Atem, so Georg Löser: "Denkt an Wyhl, es könnte lange dauern, bis Dietenbach gestoppt ist."

Die Grenzen des Wachstums seien für Freiburg erreicht, konstatierte Alexander Milles vom Umweltverband BUND Freiburg. Er forderte ein regionales Handlungsprogramm zum Thema Wohnen, bei Dichte und Höhe der Bebauung in der Stadt müsse nachgelegt werden. Milles wünscht sich eine sozial-ökologische Stadtentwicklung in der "scheinbar grünen Stadt Freiburg. Gabriel Hugoniot vom Naturschutzbund Nabu kritisierte, dass in den Bevölkerungsprognosen eine Erhöhung der Pro-Kopf-Wohnfläche eingerechnet sei – das sei der falsche Weg. Auch Hugoniot verlangte eine Intensivierung der Innenentwicklung.

"Für Freiburg" war dagegen

Nach der Kundgebung bildeten alle Teilnehmer auf dem Feld die zwei Worte "Rettet Dietenbach!", was dann von einer Drohne aus fotografiert wurde.

Auf den rund 167 Hektar sollen einmal 12.500 Menschen wohnen. 614 Millionen Euro soll der Stadtteil kosten. Auch die diese Woche vorgelegte Finanzierung wurde von den Rednern am Samstag als unrealistisch bezeichnet. Im Gemeinderat haben alle Fraktionen für Dietenbach votiert – mit Ausnahme von Freiburg Lebenswert/Für Freiburg. Deren Stadträte Wolf-Dieter Winkler und Klaus-Dieter Rückauer waren denn auch bei der Ackerbesetzung mit dabei.

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