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24. Oktober 2011

Der lange Weg zur neuen Universität

WIEDERSEHEN! Vor 100 Jahren wurde das Kollegiengebäude I eingeweiht, das die heutige "Alte Universität" ablöste.

  1. Das ehemalige Jesuitenkolleg (die heutige „Alte Universität“) an der Bertoldstraße auf einer Aufnahme von Georg Röbcke, die nach 1901 entstand. Foto: Augustinermuseum Freiburg

  2. Heute präsentiert sich die gleiche Ansicht so. Foto: Ingo Schneider

INNENSTADT. Mit dem Begriff "Alte Universität" verbindet sich heute das ehemalige Jesuitenkolleg an der Bertoldstraße, das die nach 1901 entstandene, historische Aufnahme von Georg Röbcke rechts zeigt. Damals war das Kolleg noch Hauptkollegiengebäude der Hochschule. Zur "Alten" Universität wurde es mit dem Umzug in den Neubau an der Südwestecke der Stadt vor genau 100 Jahren.

Schon 1891 hatte der Badische Oberbaudirektor Joseph Durm vorgeschlagen, ein neues, größeres Universitätsgebäude anstelle des Kollegs zu errichten, von dem nur die Kirche erhalten werden sollte. In der Tat war der Raumbedarf der Universität groß, denn nach der Reichsgründung 1871 stiegen die Studentenzahlen stark an: von gerade mal 272 im Sommersemester 1876 auf 1138 im Jahr 1891. Sieben Jahre später waren es schon 1545 Studenten, und zum Sommersemester 1906 schrieben sich sogar 2350 Studierende ein – seit 1900 waren in Freiburg auch Frauen zum Studium zugelassen.

Der Vorschlag Joseph Durms löste eine Standortdebatte aus, in die auch die Stadt einbezogen war. Oberbürgermeister Otto Winterer liebäugelte gar mit einem neuen Universitätsgebäude am Westhang des Schlossbergs oberhalb des Stadtgartens. Im Gespräch waren zudem der Colombipark, wobei die Villa als Rektoratsgebäude im Mittelpunkt erhalten bleiben sollte, sowie die weiter südlich gelegene, ehemalige Bastion mit der Villa Platenius, auf der später das Stadttheater erbaut wurde. Es wurde genau ein Jahr vor dem neuen Kollegienhaus fertig. Dessen Standort wurde 1896 festgeschrieben, als mit dem Bau der neuen Universitätsbibliothek (heute KG IV) auf dem Gelände südlich der barocken Rempartkaserne, damals noch Sitz der städtischen Gewerbeschule, begonnen wurde.

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Erste Gelder für die Planung wurden 1899 von der Großherzoglichen Regierung bewilligt. Die Stadt verkaufte dem Staat das Gelände gegen das ehemalige Jesuitenkolleg und ein Aufgeld von 142 000 Mark. 1901/02 wurde ein reichsweiter Wettbewerb ausgeschrieben, der 123 Entwürfe brachte. Das Preisgericht, an dem auch Oberbürgermeister Winterer teilnahm, verlieh keinen ersten Preis, beauftragte aber den zweiten Preisträger, den Karlsruher Architekturprofessor Friedrich Ratzel, mit dem Bau nach einer Überarbeitung seines Entwurfs "Ovum", die er im Dezember 1903 ablieferte. Ratzels Gebäude war im Stil der deutschen Renaissance gehalten. Winterer, der den auf einen der beiden dritten Plätze gewiesenen, neugotischen Entwurf "Floreat" von Max und Carl Anton Meckel vorgezogen hätte, konnte sich damit gut anfreunden, zumal alle Wünsche der Stadt, darunter ein Turm, eingeflossen waren. Die Kosten waren mit 2 Millionen Mark veranschlagt, deren eine Hälfte vom Land, die andere Hälfte zu zwei Dritteln von der Universität selbst und zu einem Drittel von der Stadt getragen werden sollte. Dafür war vom Freiburger Bürgerausschuss schon 1900 ein Zuschuss von 300 000 Mark bewilligt worden.

Nach der Fertigstellung des neuen Gewerbeschulbaus an der Kirchstraße konnte die Rempartkaserne 1905 freigemacht und abgebrochen werden. Großherzog Friedrich I., als badischer Monarch auch Rektor aller Universitäten im Land, legte am 3. Juli 1906 feierlich den Grundstein für den Neubau.

Als ein Jahr später die Keller fertiggestellt waren und der Sockel schon weit über Bodenhöhe aufragte, beging der schwer erkrankte Architekt Friedrich Ratzel am 5. Juli 1907 Suizid. Wenige Tage später übertrug die staatliche Hochbauverwaltung die weitere Bauausführung an Ratzels Karlsruher Professorenkollegen Hermann Billing.

Zunächst lediglich mit der Weiterführung der bereits abgeschlossenen Ratzelschen Pläne über dem vorhandenen Sockel beauftragt, legte er Ende 1907 eine eigene Überarbeitung in der modernen Sprache des Jugendstils vor – nicht gerade zur Freude der Stadt, die nach wie vor historische Formen bevorzugte und heftige Kritik an der Stilwahl übte. Doch Billing setzte sich durch, und so wurde am 27. und 28. Oktober der Neubau als eines der Hauptwerke des Jugendstils in Baden eingeweiht.

Mehr zum Thema am nächsten Montag.

Autor: Peter Kalchthaler