Freiburg

Der „Kindergarten der Kulturen“ am Güterbahngelände ist die erste offizielle faire Kita in Freiburg

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Fr, 27. Juli 2018

Freiburg Nord

Der "Kindergarten der Kulturen" am Güterbahngelände ist die erste offizielle faire Kita in Freiburg.

FREIBURG-BRÜHL. Trixi, das mit Watte ausgestopfte T-Shirt-Kissen, hat viel erlebt. Mit ihr sind die Vorschulkinder im "Kindergarten der Kulturen" am Güterbahnhofgelände um die Welt gereist. So haben sie erfahren, wo Trixi hergestellt wurde. Das Projekt war eines von mehreren, das dazu beitrug, dass der Kindergarten nun als "faire Kita" gilt. Gundula Büker, die Koordinatorin des Programms "Faire Kitas Baden-Württemberg" beim Entwicklungspädagogischen Informationszentrum Reutlingen, überbrachte die Auszeichnung.

Was eine Trixi ist? Das weiß im Kindergarten der Kulturen jedes Kind: Lasse (6) zeigt seiner Mutter Josefine Polz die selbstgenähte, weiche Trixi und ihr freundliches, aufgemaltes Gesicht. Und er zeigt auch die Fotos und Texte auf den Stellwänden, die in den vergangenen Wochen entstanden sind und neulich beim Sommerfest ausgestellt wurden.

Da ist zum Beispiel das Foto von dem Bären in China, der seine Pfote in einen Fluss taucht – danach ist sie lilafarben. Schuld daran ist die Fabrik, in der Arbeiterinnen an langen Tischen sitzen und die T-Shirts färben. Zu sehen gibt’s auch, wie eine Frau an einem Spinnrad in der Türkei Baumwolle spinnt. Daraus entstehen Fäden, die wiederum werden in Taiwan zu T-Shirts gewebt. "Und was ist das?" fragt Josefine Polz und zeigt auf ein Foto von einem indischen Jungen mit einer Teetasse. "Das ist Chai", sagt Lasse, "das trinkt man da, woher die Baumwolle kommt." Neulich, als es im Fernsehen in der "Sendung mit der Maus" um Baumwolle ging, hat Lasse alles schon gewusst, was gezeigt wurde, erzählt Josefine Polz. Er hat ihr alles erklärt – und war viel schneller als die Sendung.

Los ging das Projekt schon an Weihnachten: Da haben die Vorschulkinder verglichen, wie unterschiedlich Weihnachten auf der Welt gefeiert wird. Im Frühling kamen dann die Bananen dazu. Auch da ging’s, ähnlich wie beim anschließenden T-Shirt-Thema im Sommer, darum, allen spielerisch zu vermitteln, was für weite Wege manche Dinge hinter sich haben, wie sie hergestellt werden – und wie diese Herstellung fairer und gerechter für alle Beteiligten möglich wäre. Diese Themen beschäftigen Melanie Haub schon viele Jahre. Sie ist Betriebswirtin und hat mit ihrem Trägerverein "Haubsache" den Kindergarten 2014 gegründet. Zurzeit gibt’s dort sieben Erzieherinnen und 45 Kinder zwischen drei und sechs Jahren, die aus 20 Ländern stammen. Melanie Haub ist Vorstandsmitglied im Weltladen Gerberau, wo sie seit langem ehrenamtlich aktiv ist. Sie will möglichst viele "faire" Themen in ihrer Kita verankern – verbunden mit dem zweiten Schwerpunkt, der dazu gut passt: der Vielfalt an Kulturen, die ganz nebenbei viel interkulturelles Lernen ermöglicht. Im Kindergarten der Kulturen gibt’s so viel wie möglich aus fairem Handel: Unter anderem Musikinstrumente, Bälle, Klangschalen und Geschirrtücher. Bei den Nahrungsmitteln sind Bananen, Zucker, Pfeffer und Kaffee dabei, alles andere ist regional und saisonal.

Für Gundula Büker ist der Kindergarten der Kulturen ein Vorzeigeprojekt für eine faire Kita: "Hier passiert schon so viel." Bundesweit seien bisher 200 faire Kitas ausgezeichnet worden, in Baden-Württemberg acht, hier laufe das Ganze erst an. In Freiburg ist der Kindergarten der Kulturen die erste faire Kita. Ziel sei, dass die ausgezeichneten Kitas ihr Profil weiter ausbauen, dabei sollen unterstützende Angebote helfen, unter anderem Referenten, die Vorschläge für die Arbeit mit Kindern und Eltern machen, der Austausch in einem Netzwerk, Fortbildungen und das Bereitstellen von Material.