Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

02. Juli 2015

Gelände in Vauban

Beim Festival "Juks on stage" zeigte sich, was auf der Jugendwiese alles möglich ist

Das Jugendgelände in Vauban wurde erstmals für ein Festival genutzt / Wie es mit dem Areal auf Dauer weitergeht, ist unklar.

  1. Chillig war’s bei „Juks on stage“ wie hier beim Konzert von „Lazzarus Effect“. Foto: Thomas Kunz

  2. Auch einen Graffiti-Workshop gab’s. Foto: Thomas Kunz

VAUBAN. Einiges hat sich getan, seit das Jugendgelände im Stadtteil Vauban an der Wiesentalstraße 2009 eröffnet wurde. Auf der Fläche sind ein Bolzplatz und ein Beachvolleyballfeld entstanden, es gibt eine Tischtennisplatte, eine Grillecke und einen Unterstand für schlechtes Wetter. Trotzdem bleibt das Gelände ein Provisorium. Denn nach wie vor ist es für ein Umspannwerk des Energieversorgers Badenova reserviert. Ob und wann dieses gebaut wird, bleibt ungewiss. Weitestgehend gelegt haben sich inzwischen die anfänglichen Probleme mit den Anwohnern.

So viel los wie am vergangenen Wochenende ist auf dem Jugendgelände sonst nicht. Schon aus der Ferne dröhnen die Bässe, auf einer eigens aufgebauten Bühne spielt eine Band, es gibt etwas zu Essen und zu Trinken und verschiedene Workshops. Erstmalig seit der Eröffnung hat der Verein Juks, der für die Jugendarbeit in den Stadtteilen St. Georgen und Vauban verantwortlich ist, zu einer größeren Veranstaltung eingeladen: zum Jugendmusik-Festival "Juks on stage". 400 Gäste waren insgesamt vor Ort, schätzt der Trägerverein – und nicht nur Jugendliche. Unter den Gästen seien auch Anwohner gewesen, berichtet Juks. Die Veranstalter hatten die Nachbarn wohlweislich im Vorfeld über das Event informiert – schließlich gab es früher immer mal Ärger. Noch vor der Eröffnung 2009 drohte sogar das gesamte Projekt zu scheitern. Denn die Stadtverwaltung hatte damals versäumt, die Anwohner in die Planungen einzubeziehen, obwohl sie ihnen dies vertraglich zugesichert hatte.

Werbung


Schlussendlich stimmten die Nachbarn zu, allerdings nur unter Auflagen. Um die Wiese herum wurde für 21 000 Euro ein knapp zwei Meter hoher Erdwall als Sicht- und Lärmschutz angelegt. Der jährliche Unterhalt der 4000 Quadratmeter großen Jugendfläche verschlingt 8000 Euro, Juks bekommt zudem pro Jahr 10 000 Euro für die Betreuung der Jugendlichen. Das Gelände gehört der Stadtwerke Freiburg GmbH, die verschiedene städtische Tochtergesellschaften unter einem Dach vereint. Eine Miete zahlt die Stadtverwaltung deshalb nicht.

Seit der Anfangszeit habe sich die Situation mit den Anwohnern entspannt, berichtet Juks-Mitarbeiterin Lydia Kissel. Zwar gebe es immer mal wieder lautere Abende, manchmal habe deshalb auch schon die Polizei kommen müssen: "Aber es gab keine schwerwiegenden Vorfälle." Die Jugendlichen sind auf der Fläche nicht immer unter Aufsicht, sie sollen den Raum so nutzen können, wie sie wollen. "Das Tor ist immer offen", erklärt Lydia Kissel. Der Bedarf sei da: "Im Sommer ist jeden Abend etwas los." Stammgäste auf der Fläche ist eine Gruppe Jungs, die auch beim Jugendmusik-Festival dabei ist und relaxt in Liegestühlen im Schatten sitzt. Obwohl sich Jugendliche heutzutage normalerweise immer kurzfristig über Handy verabreden, sei dies beim Jugendgelände gar nicht nötig, berichtet einer von ihnen: "Es ist immer jemand da."

Während die Jungs im Schatten chillen sind andere aktiver. Jannis (16) probiert sich beim Graffiti-Workshop zum ersten Mal mit der Spraydose. "JNS" hat er auf die weiße Wand gesprüht, als Abkürzung für seinen Namen. Auf der Bühne packen die Musiker derweil ihre Instrumente zusammen und machen Platz für einen "Poetry Slam". Jugendliche tragen ihre selbst geschriebenen Gedichte vor, das Publikum stimmt ab, wer gewinnt. Dabei kommen auch die Juks-Mitarbeiter ordentlich ins Schwitzen. Sie produzieren den Strom für das Mikro mit Muskelkraft selbst – ganz öko, wie dies zum Vorzeigestadtteil passt, und zwar mit einem Fahrrad, das der Verein "Solare Zukunft" zur Verfügung gestellt hat, der außerdem an einem Stand Basteln von solarbetriebenen Bootchen oder Flugzeugen anbietet.

Wie lange die Jugendlichen das Gelände an der Wiesentalstraße für solche Partys oder auch im Alltag noch nutzen können, ist jedoch ungewiss. Auf der Fläche wollte Badenova eigentlich ein Umspannwerk bauen. Da dies kurzfristig nicht anstand, verzichtete der Energieversorger vorerst auf das Grundstück. Beim letzten Gespräch zu diesem Thema im Jahr 2013 habe Badenova erklärt, dass das Gelände noch "zwei bis fünf Jahre" zur Verfügung stehe, erklärt das Rathaus auf Nachfrage der BZ. Eine konkrete Planung gebe es auch jetzt weiterhin nicht, heißt es bei Badenova. Insofern könnten die Jugendlichen das Gelände vorerst weiter nutzen.

Autor: Jelka Louisa Beule