80 Jahre mit vielen Entwicklungen

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Sa, 21. Juli 2018

Freiburg West

Mitglieder der katholischen Gemeinde "Heilige Familie" haben die Anfänge ihrer Kirche erforscht, die im Herbst 1938 geweiht wurde.

FREIBURG-MOOSWALD. Niemand von ihnen war dabei, als vor 80 Jahren, am 18. September 1938, ihre Kirche "Heilige Familie" an der Hofackerstraße geweiht wurde. Doch die Geschichte der katholischen Gemeinde interessiert den Diakon Josef Glaser (70), den als Kantor und anderweitig engagierten Franz Ehret (70) sowie Verena und Innozenz Amann (70 und 74), die vielfältig in der Gemeinde aktiv sind. Zum Jubiläum haben die Amanns eine Ausstellung mit vielen Fotos und Infos zusammengestellt, die ab Sonntag bis zum 30. September in der Kirche zu sehen ist.

Manches in der langen Geschichte ihrer Kirche haben Verena Amann und Josef Glaser selbst miterlebt, die zehn Jahre nach der Kirchen-Einweihung geboren wurden: Beide sind in der Mooswaldsiedlung aufgewachsen, die Anfang der 1930er Jahre für kinderreiche Arbeiter- oder Arbeitslosenfamilien angelegt wurde. Ziel war, dass sich die Familien auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern und mit einfachen, selbstgebauten Häusern auf Erbpacht-Grundstücken selbst ernähren konnten, sagt Josef Glaser.

Deshalb pflanzten alle Gemüse an und hielten Hasen und Hühner, teils auch Kühe und Schweine. Es gab weder Bäder noch eine Kanalisation, doch viel Nachbarschaftshilfe. Und weil die Bibelfigur Josef als Arbeiterpatron gilt, entstand der Name "Josefssiedlung", sagt Innozenz Amann, der nicht weit weg in der Nähe der Klinik groß wurde, damit aber zur Gemeinde St. Josef (Stühlinger) gehörte.

Deren Kirche an der Breisacher Straße entstand später als die Kirche Heilige Familie, sie war aber schon zuvor – und damals als einzige Kirche für das gesamte Gebiet – geplant gewesen. Der vorgesehene Standort war an der Spittelackerstraße, sagt Verena Amann, doch der Bau musste nach dem Spatenstich im Frühling 1936 abgebrochen werden, weil durch den Kirchturm angesichts des nahen Flugplatzes die Luftsicherheit als gefährdet galt. Der Name "St. Josef" blieb reserviert, im Herbst 1936 aber ging’s mit einem Spatenstich für eine zusätzliche Kirche weiter, diesmal erfolgreich und an der Hofackerstraße. Weil das für viele Angehörige der späteren Josefskirche zu weit weg war, gingen deren Planungen weiter. Die Gemeinde "Heilige Familie" hatte damals auch ohne Kirchengebäude bereits einige Jahre existiert: Innozenz Amann beschreibt, was es bereits gab, so einen Kindergarten, den die St.-Lioba-Schwestern betreuten, und eine Krankenschwester, die bis 1976 im Einsatz war: Josef Glaser erinnert sich, wie sie durchs Quartier radelte und ihn und andere Kinder bei Verletzungen medizinisch versorgte.

Der erste Pfarrer Konrad Fuchs schrieb viel für die Chronik

Auch eine Vorgängerin der Kirche war da: Im September 1933 war eine Arbeiterbaracke als Notkapelle geweiht worden. Dass die heutigen Gemeindemitglieder so viel über die verwickelten Anfänge wissen, verdanken sie zwei eifrigen Chronisten: Dem ersten Pfarrer Konrad Fuchs, der bis 1970 im Amt war, und Walter Burkart, der die Chronik danach fortschrieb, bis er 1980 starb. Vor allem Konrad Fuchs habe ausführlich den Gemeindealltag geschildert, sagt Josef Glaser: Er sei ein Gegner des Nationalsozialismus gewesen – in dessen Ära die Kirche entstand –, bis zum Kriegsende habe er sich in den Aufzeichnungen mit kritischen Bemerkungen aber zurückgehalten. Danach jedoch habe er sich über den schnellen Wiederaufstieg vieler Alt-Nazis in seinem Umfeld und seiner Gemeinde empört.

Ausführlich habe er außerdem die Not der Menschen geschildert, die durch die Vergeltungsbombardierung Freiburgs im November 1944 ihre Wohnungen verloren. Josef Glaser und Verena Amann haben Konrad Fuchs jahrzehntelang miterlebt. Verena Amann erinnert sich eindrücklich an die Fronleichnamsprozessionen während ihrer Jugend: "Das war für mich das Größte – wir sind um 2 Uhr nachts aufgestanden und haben die Blumenteppiche vorbereitet." Im Lauf der Jahrzehnte hat sich viel verändert, unter anderem wurden die Gemeindebücherei und der Kindergarten immer größer. Der Kindergarten wurde in den 1980ern nochmals neu gebaut – das davor genutzte Gebäude wurde zum Pfarrgemeindehaus. Prägend war die Erweiterung zur Seelsorgeeinheit mit fünf Gemeinden. Dauerhaft dabei geblieben ist nur Josef Glaser, denn Verena Amann wechselte vorübergehend durch ihre Heirat nach St. Josef. 2013 entschieden sich die Amanns für die Heilige Familie, angelockt hatten sie die "Exerzitien im Alltag" des derzeitigen Pfarrers Joachim Koffler. Er setze sich sehr ein, und auch wenn die Gottesdienstbesuche stark abgenommen hätten im Vergleich zu früher, kämen nun wieder einige junge Familien, sagt Josef Glaser. Relativ neu dabei ist auch Franz Ehret, der im Jahr 2000 herzog und unter anderem im Kirchenchor mitsingt und die Kirche abends abschließt.

Jubiläums- und Pfarrfest der Gemeinde Heilige Familie: Samstag, 21. Juli, ab 18 Uhr und Sonntag, 22. Juli, nach dem Festgottesdienst (der um 11 Uhr in der Kirche beginnt) im Pfarrgemeindehaus und draußen, Hofackerstraße 35 a.