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05. Oktober 2011 14:48 Uhr

BZ fragt nach

Weg mit den Handyantennen!

Wenn das mal kein klares Votum ist: Fast 70 Prozent der Rieselfelder sähen die Mobilfunkantennen im Stadtteil lieber heute als morgen abgeschaltet – die meisten sogar dann, wenn der Handyempfang massiv leiden würde.

  1. Mobilfunkantenne (Symbolbild) Foto: Sylvia Timm

RIESELFELD. Das Ergebnis stammt aus der telefonischen Befragung von 446 Quartiersbewohnern, die die BZ zum Start ihrer Serie "Stadtteilcheck" in Auftrag gegeben hat. Alles in allem sind die Befragten mit dem Rieselfeld aber sehr zufrieden und vergeben die Gesamtnote "2 plus".

Von den fünf Fragen, die den Teilnehmern gestellt wurden, ergab die nach den Mobilfunkantennen das deutlichste Meinungsbild. 38,6 Prozent der Befragten finden sogar, die Sendeanlagen am Maria-von-Rudloff-Platz sollten aus Gründen des Gesundheitsschutzes "auf jeden Fall" abgebaut werden – selbst dann, wenn der Handyempfang massiv leiden sollte. Weitere 29,6 Prozent wollen die Antennen ebenfalls am liebsten weghaben, aber nur, wenn sie dann trotzdem noch mobil telefonieren können.

Schaut man sich die Auswertung im Detail an, fällt auf, dass sich vor allem die Frauen als mobilfunkkritisch erweisen: Von ihnen stimmt sogar fast die Hälfte für den bedingungslosen Rückbau, von den Männern nur ein Viertel (siehe Grafik). Da die Frauen bei der Befragung stärker vertreten waren als in der Quartiersbevölkerung, schlagen diese Ergebnisse auf das Gesamtergebnis besonders durch. Doch auch, wenn man die Männerstimmen gemäß ihrem Anteil an allen Einwohnern gewichtet, bleibt die Kernaussage erhalten: Auch nach der geschlechtergerechten Umrechnung der Daten würden sich knapp zwei Drittel (64,4 Prozent) der Rieselfelder ohne Mobilfunkstrahlung in der direkten Nachbarschaft sicherer fühlen. Selbst bei den 18- bis 29-Jährigen, der handyfreundlichsten Altersgruppe, gibt es mit 53,3 Prozent eine knappe Mehrheit fürs Abschalten. Der "Arbeitskreis Rieselfunk" des "BürgerInnenvereins Rieselfeld" kann das als Bestätigung seiner jahrelangen Forderungen nach Demontage (statt Verlagerung) der Anlagen sehen. All das ändert allerdings nichts daran, dass die Stadtverwaltung weiterhin betont, sie habe juristisch in Sachen Mobilfunk so gut wie keine Einflussmöglichkeiten. Für Genehmigungsverfahren und Betrieb gilt Bundesrecht.

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Viel Zustimmung für Schwellen auf der Fahrbahn

Knapp zwei Drittel der Befragten (62,8 Prozent) halten Schwellen auf der Willy-Brandt-Allee für das richtige Mittel, um die Verkehrssicherheit im Quartier zu erhöhen. Auf der Verkehrsachse, die an der Grundschule und dem zentralen Maria-von-Rudloff-Platz vorbeiführt, werde die "Tempo 30"-Regelung immer wieder missachtet, klagen Anwohner schon seit langem. Auch bei dieser Frage liegen die Frauen bei den Ja-Stimmen weit vorne: Mehr als 70 Prozent von ihnen fordern die Straßenbuckel, aber nur 40 Prozent der Männer. Wertet man die Männerstimmen nach Bevölkerungsanteil, steht es in etwa 50:50. Interessant ist auch der Blick in die Auswertung nach Altersgruppen. So unterstützen aus der "Eltern-Generation" der 30- bis 45-Jährigen fast genau drei Viertel die Forderung nach Entschleunigung, am wenigsten Zustimmung gibt es bei den Über-60-Jährigen (42,5 Prozent). Die gemeinhin als Schnellfahrer verdächtigten 18- bis 29-Jährigen sprechen sich hingegen mehrheitlich (56,5 Prozent) für Schwellen aus.

Eien altersspezifische Besonderheit gibt es ebenfalls bei der Frage nach dem größten Problem im Stadtteil, das aus einer Liste mit fünf Antwortvorgaben gewählt werden konnte. Während in den drei Altersgruppen 18 bis 29 Jahre, 30 bis 45 Jahre und 46 bis 60 Jahre immer "hohe Mieten" am häufigsten genannt wurde, sind es bei den Senioren fehlende Einkaufsmöglichkeiten. Laut der Datensammlung "Freiburger Mietspiegel" wohnt es sich im Rieselfeld tatsächlich recht teuer. Das liegt weniger an der Lage des Stadtteils (allgemeiner Zuschlag von 4 Prozent) als vielmehr daran, dass es hier nur ziemlich neue Wohnungen gibt (Neubau-Zuschlag von mindestens 14 Prozent). Wenig überraschend: fehlende Kinderbetreuung und Lücken im Schulangebot wurden von den Über-60-Jährigen kein einziges Mal bemängelt (von den anderen aber auch nur selten).

Ein einheitliches Meinungsbild über Geschlechts- und Altersgrenzen hinweg gibt es nur bei einem Thema: der architektonischen Gestaltung der ökumenischen Maria-Magdalena-Kirche. Auch wenn Stadtplaner und Architekten aus aller Welt bei ihren Besichtigungstouren durchs Rieselfeld regelmäßig in Verzückung geraten: Die Stadtteilbewohner sind mit dem Sichtbeton immer noch nicht so recht warm geworden. Auf die Frage nach dem Erscheinungsbild der Kirche antwortet quer durch alle Auswertungskategorien eine Mehrheit mit "Ich finde sie eher hässlich", rund ein Drittel findet sie "eher schön", jeder Zehnte hat dazu keine Meinung.

Als Gesamtnote fürs Quartier gibt’s fast nur Einser und Zweier

Trotz aller Kritik und der Änderungswünsche im Detail geben die Quartiersbewohner dem Rieselfeld Traumnoten in der Gesamtbewertung: Als sie mit einer Schulnote ausdrücken sollten, wie wohl sie sich im Stadtteil fühlen, hagelte es Einser und Zweier (zusammen mehr als 80 Prozent aller Antworten). Nur fünf der 466 Befragten zeigten dem Rieselfeld mit einer glatten 6 die rote Karte. Insgesamt gibt das die Durchschnittsnote 1,9.

Die BZ-Befragung ist übrigens im statistischen Sinne nicht repräsentativ, da die Zufallsauswahl der Befragten nicht exakt der Alters- und Geschlechtsverteilung im Gesamtstadtteil entspricht. Durch die Detailauswertungen nach Altersgruppen und Geschlecht und aufgrund der recht hohen Teilnehmerzahl hat die Umfrage dennoch Aussagekraft: Immerhin wurden rund 13 Prozent aller 3600 Rieselfelder Haushalte einbezogen.

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Autor: Thomas Jäger