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21. Juli 2011

60 Prozent der Altstadt-Bewohner leiden unter Lärm

Ergebnis der Umfrage des Lokalvereins Innenstadt liegt vor: Zwei Drittel der Betroffenen finden, die Stadtverwaltung tut zu wenig.

60 Prozent der Bewohner der Freiburger Altstadt leiden unter zu viel Lärm. Das hat eine Umfrage des Lokalvereins Innenstadt ergeben, an der sich 20 Prozent der Altstadt-Haushalte beteiligt haben. Zwei Drittel der Befragten finden, dass die Stadtverwaltung zu wenig gegen das Lärm-Problem unternimmt. Der Lokalverein sieht sich damit bestätigt: Er fordert weiter vehement die Einführung einen kommunalen Ordnungsdienstes (KOD), wie es ihn in anderen Großstädten in Baden-Württemberg bereits gibt. Die Stadtverwaltung und die Polizei lehnen dies jedoch strikt ab.

Der Bürgerverein hat das Ergebnis der Fragebogenaktion auch an den OB, alle Bürgermeister und die Gemeinderäte geschickt. Bis zum Herbst sollen sich die Stadtspitze und Bürgervertreter äußern. Die Altstadt-Aktivisten kündigen an, nicht locker lassen zu wollen und notfalls verschiedene Aktionen zu planen: "Das Ergebnis zeigt, dass sich in der Stadt dringend etwas ändern muss", so Michael Fleiner, der Vorsitzende des Lokalvereins.

An 4000 Haushalte mit insgesamt 7000 Bewohnern in dem von den großen Ringstraßen umschlossenen Altstadtgebiet war der Fragebogen gegangen. Rund 800 Bögen kamen zurück – das entspricht einer Quote von 20 Prozent. "Wir waren sehr überrascht über den hohen Rücklauf", so Hans-Jörg Oehm vom Vorstand des Lokalvereins. Er hält die Aussage der Umfrage deswegen durchaus für repräsentativ.

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Als störendste Lärmquelle wurden Personen und Gruppen ausgemacht, die sich im Freien auf Straßen oder Plätzen aufhalten. 52 Prozent der Bewohner fühlen sich dadurch mittel bis sehr stark gestört. Genervt durch Lärm aus Kneipen oder von deren Freisitzflächen sind knapp 30 Prozent. Stadtreinigung mit Laubbläser oder Müllentsorgung stören rund 40 Prozent. Der Verkehr bringt knapp 37 Prozent aus der Ruhe. Als besonders belastend empfinden 56 Prozent den Krach zwischen 0 und 6 Uhr. Wenn man auf die einzelnen Straßen blicke, lasse sich erkennen, dass die Belastung in der zentralen Innenstadt noch höher ausfalle, so Henrike Beck, die am Augustinerplatz wohnt.

Der Lokalverein und die geplagten Altstadt-Anwohner verlangen nun, dass die Stadtverwaltung sich mehr als bisher darum bemüht, die geltende Polizeiverordnung durchzusetzen. "Wir wollen keine tote Innenstadt", sagt etwa Christian Himmelsbach. Die Bewohner zeigten schon viel Toleranz. Aber sie haben nun klare Forderungen: So verlangen sie ein Gaststättenkonzept mit verlängerten Sperrzeiten (und damit verkürzten Öffnungszeiten) für Kneipen in Wohnstraßen. Es sei aber nur eine Handvoll Lokale, die für Probleme sorgen würden.

Für die Altstadt-Bewohner ist klar: Die Polizei kann den Lärm-Beschwerden nachts nicht nachkommen. Deswegen pochen die Anwohner weiter mit Vehemenz darauf, dass wie in Tübingen, Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe oder Stuttgart ein kommunaler Ordnungsdienst installiert wird. In anderen Städten haben die KOD-Leute ähnliche Befugnisse wie Polizisten. In anderen Städten sei der Ordnungsdienst ein Erfolg: "Wir stellen uns auch keine schwarzen Sheriffs vor, die nachts auf dem Augustinerplatz einreiten", so Oberlinden-Anwohnerin Anca Rosler-Koslar. Aber der städtische Ordnungsdienst sei zu einem bezahlbaren Preis zu bekommen, schnell umsetzbar und erhöhe die Zufriedenheit der Anwohner. Wenn die Stadt auf die Vorschlage nicht reagiert, soll der Druck weiter erhöht werden, hieß es gestern.

Autor: Joachim Röderer