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13. Januar 2016 20:52 Uhr

Wie war’s bei ...

Angela Merkel in Freiburg: Ordnungspolitik muss sein

Sie hatte genau eine Stunde Zeit: Kanzlerin Angela Merkel hielt eine Festrede im Konzerthaus zu Ehren Walter Euckens. Was sie erzählt hat, wer demonstrierte und welche Zaungäste da waren.

  1. Angela Merkel bei ihrer Rede in Freiburg Foto: dpa

Der Zeitplan war eng getaktet: Kurz vor 18 Uhr landete der Helikopter direkt aus Berlin kommend auf dem Freiburger Flugplatz. Dann wurde der Wagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Konzerthaus eskortiert. Dort war sie sozusagen der Stargast beim Festakt zum 125. Geburtstag des Ökonomen Walter Eucken. Vor rund 1600 Zuhörern legte sie ein Bekenntnis zu den Grundsätzen der Ordnungspolitik ab.



Wer alles da war
Das Freiburger "Who is who" in annähernder Vollbesetzung – vom Erzbischof über die Bürgermeisterriege bis zu Vertretern der Wirtschaft. Und auch Marianne und Christoph Eucken, die Nachfahren von Walter Eucken. Trotz ausverkauftem Haus blieben doch einige Plätze frei. Warum? Weil etliche Interessierte, die eine Eintrittskarte hatten, nicht gekommen sind, und weil manche gleich mehrere der kostenlosen Tickets geordert hatten.

Sicherheitsvorkehrungen
Am Eingang wurden alle Taschen durchsucht, am Journalistenzugang an der Seite schnüffelte ein Sprengstoffhund des Bundeskriminalamtes an Kameraequipment. Um 17 Uhr mussten alle da sein – also eine Stunde vor der Kanzlerin. Da blieb viel Zeit zum Austausch. "Man hätte gleich an den Neujahrsempfang der Stadt anhängen können", witzelte einer. Das städtische Event hatte die Besucherin aus Berlin bekanntlich vom angestammten Termin auf den kommenden Sonntag verdrängt.

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Die Demonstranten
Milchbauern aus dem Schwarzwald nutzten die Gunst der Stunde. Mit sieben Traktoren, rund 20 Mann und einigen Plakaten, auf denen sie die niedrigen Milchpreise anprangerten, brachten sie sich vor dem Konzerthaus in Position. "So nah kommen wir an Frau Merkel nie wieder ran", sagte Matthias Maier, Initiator und Landwirt aus Kirchzarten. Nebendran demonstrierten etwas lauter kurdische Initiativen gegen Gewalt und für Solidarität.

Die Erwartungen
"Ich wollte unbedingt die Kanzlerin einmal persönlich sehen, die Chance gibt’s ja nicht so oft", sagt der politisch interessierte Schüler Max Langelott, 16, der mit seiner Mutter eigens aus Schliengen nach Freiburg gekommen ist. "Ich find’ sie nicht mehr gut, sie schadet der CDU", sagte dagegen ein christdemokratischer Altstadtrat.

Die Zaungäste
Angela Merkel kommt – und die Freiburger interessiert’s kaum. So war zumindest der Eindruck am Mittwochabend. "Ich bin enttäuscht, dass nicht mehr Leute hier sind", sagte ein Mann. Schließlich sehe man die Bundeskanzlerin nicht alle Tage live. "Wo sind meine Freiburger?"

Die Ankunft
Dann war’s so weit: Polizei-Motorräder und -wagen fuhren vors Konzerthaus, gefolgt von drei Autos mit dem hohen Staatsbesuch. Die Kanzlerin stieg aus und verschwand auch schon wieder über den roten Teppich ins Foyer. "Sie hat uns keines Blickes gewürdigt", sagte Landwirt Maier.

Der Empfang
Lars Feld, der Direktor des Eucken-Instituts, Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer und OB Dieter Salomon nahmen die Kanzlerin in Empfang. "Ich freue mich immer, Sie zu sehen", sagte der OB bei der Begrüßung im Saal. Er erzählte über eine eindrückliche Begegnung im vergangenen Jahr in Tel Aviv mit dem dortigen OB: "Er als Israeli und Jude hat mich als getauften Christen dafür gelobt, dass Deutschland so viele muslimische Flüchtlinge aufnimmt." Salomon sprach für die vielen Freiburger, die sich für Flüchtlinge engagieren, und sagt zur Kanzlerin und ihrer Politik: "Danke für diese humanitäre Geste." Beifall im Saal.



Die Rede der Kanzlerin
Die sehr aufgeräumt wirkende Kanzlerin sprach natürlich über Ordnungspolitik, schlug aber auch den Bogen zur Tagesaktualität, die sie in freier Rede einfügte. Eucken-Direktor und Wirtschaftsweiser Lars Feld war am Ende jedenfalls angetan: "Sie hat einen großen Bogen geschlagen und ein klares Bekenntnis zur Ordnungspolitik als Grundlage der Wirtschaftspolitik abgelegt."

Das Fazit
Am Ende gab es viele Glückwünsche für Lars Feld: "Tolle Veranstaltung", lautete das Fazit vieler Besucher im Herausgehen. Fünf junge VWL- und BWL-Studentinnen fanden die Rede ebenfalls gut – sie kannten vieles, was sie gehört hatten, aus dem Studium: "Es war ein bisschen wie in der Vorlesung", sagten sie.

Der Ausblick
Die Stippvisite am Mittwochabend war der vierte Freiburg-Besuch von Merkel als Kanzlerin. Besuch Nummer fünf ist bereits terminiert: Schon im März kommt sie als CDU-Vorsitzende zum Wahlkampfauftritt in die Stadt.

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Autor: Joachim Röderer und Sina Gesell