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11. April 2012

Attrappen statt Eier im Nest

Wie groß die Taubenpopulation in Freiburg derzeit ist, ist unklar / Vögel richten sich mit Pommesgabeln und Eisschirmchen ein.

  1. Im Taubenschlag beim Glockenspiel im Rathaus schieben Tierschützer den Vögeln Gipseier unter und klauen die echten. Foto: Bamberger/dpa

  2. Foto: Verwendung weltweit, usage worldwide

Hat Freiburg eigentlich ein Taubenproblem? Und wenn ja: Was tut das Rathaus dagegen? Und wenn nein: Warum eigentlich nicht? Diese Fragen hat die CDU-Gemeinderatsfraktion aufgeworfen. An sie wurde herangetragen, dass Leute, die Tauben füttern, in der Stadt ein Problem seien. Stadtrat Daniel Sander hat bei der Verwaltung angefragt, was die Taubenpopulation und das Fütterungsverbot machen.

Zum Hintergrund hieß es: Falls das Problem groß wäre, müsste man was tun, was wiederum ein Fall für einen Kommunalen Ordnungsdienst wäre. Nun könnte der Eindruck entstehen, das wäre mit Kanonen auf Spatzen geschossen, zumal es im engen Fraktionsumfeld auch die Ansicht gibt, die Stadt habe vergleichsweise wenige Tauben. Doch die CDU sähe lediglich Synergien: Stadtsheriffs könnten nebenbei aufs Fütterungsverbot achten – wenn es sie gäbe. Diese sind eine Lieblingsforderung Sanders.

Ein Auge auf die Tauben und das Verbot zu haben, obliegt tatsächlich dem Gemeindevollzugsdienst. "Wenn den Mitarbeitern bei ihrer Streife etwas auffällt, sprechen sie die Leute an", sagt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf. Niemand gehe extra auf Taubenfütterertour, "dafür haben wir nicht die Kapazität". Füttern ist bei Strafe verboten, das Bußgeld beträgt 100 Euro. In Heidelberg musste neulich eine 70-Jährige drei Tage hinter Gitter, weil sie nie gezahlt hat. In Freiburg wurde noch niemand verknackt. Edith Lamersdorf: "Der Gemeindevollzugsdienst hatte noch kein einziges Bußgeldverfahren." Über die Polizei seien 2010 und 2011 zwei Anzeigen eingegangen, die Betroffenen seien nicht schuldfähig gewesen. Wenn ältere Frauen tütenweise Weizen ausstreuen, findet Tina Majdecki vom Tierschutzverein das kontraproduktiv. Sie und eine Kollegin kümmern sich um die Schläge für Tauben, die die Stadt 2003 eingerichtet hat, um die Vermehrung zu verringern – auf ihren Antrag hin, betont die CDU. Je mehr die Vögel draußen finden, um so weniger klappt das Anfüttern zur Geburtenkontrolle in den Schlägen im Martinstor, Rathaus und Historischen Kaufhaus. Wobei auf dem Münsterplatz genug herumliege, so Majdecki: "Die Tauben kleiden die Nester mit Pommesgabeln, Servietten oder Eisschirmchen aus."

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Einmal die Woche putzen die Tierschützerinnen und tauschen die Vogeleier gegen Attrappen aus, die Eier werfen sie weg. "Man muss schnell handeln", sagt Tina Majdecki, denn die Vögel brüten mehr oder minder immer, die Hauptzeit ist Februar, März und April. Vergangenes Jahr hätten sie mehr als 2000 Eier ausgetauscht, sagt sie. Gleichzeitig habe die Population in den Schlägen zugenommen. Die Stadt kann also mit ihrem Angebot bei den Tauben landen.

Wie sich das auf den Gesamtbestand auswirkt, wissen weder Majdecki noch der städtische Amtsveterinär: Niemand zählt die Stadttauben. 2003 wurden sie auf 5000 bis 8000 geschätzt. "Wir können nicht objektiv sagen, ob es mehr oder weniger sind", sagt auch Münsterbaumeisterin Yvonne Faller. Aber sie weiß: Die Tauben hocken oft an windgeschützten Stellen, gerne auch am Arbeitsgerüst, was – neben dem ästhetischen Kotproblem am Münster – vor allem ein Problem für die Mitarbeiter sei.

Autor: Simone Höhl