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30. März 2011 12:25 Uhr

Energiewende

Auch Freiburgs CDU fordert: Badenova soll keinen Atomstrom mehr verkaufen

Die Freiburger CDU-Fraktion fordert eine schnelle Energiewende. Sie will, dass der regionale Energieversorger Badenova schnellstmöglich keinen Strom mehr verkauft, der in Kernkraftwerken erzeugt wird. Die Idee ist in Freiburg nicht neu.

  1. In Freiburg soll es schneller gehen mit der Energiewende. Das fordert jetzt sogar die CDU-Ratsfraktion. Foto: dapd

Die gleiche Forderung hatte vor einigen Tagen bereits die Fraktion von Junges Freiburg/ Die Grünen gestellt und noch früher – nämlich schon im Oktober 2010 – die von den Grünen abgesplitterte Grüne Alternative Freiburg. Nun schließt sich die CDU-Fraktion mit Blick auf die Katastrophe in Fukushima an. Die Stadt Freiburg als Hauptgesellschafterin der Badenova AG solle sich im Aufsichtsrat für den kompletten Atomstromverzicht einsetzen. Die Neuorientierung der Geschäftspolitik solle "schnellstmöglich beginnen". CDU-Stadtrat Daniel Sander: "Wenn Freiburg schon Vorbild und Green City sein will, dann richtig", so der energiepolitische Sprecher seiner Fraktion. Er fordert den schnellen Kurswechsel – auch zum Preis von wirtschaftlichen Verlusten für Badenova.

Der Energieversorger Badenova bezieht derzeit nur noch einen Atomstromanteil von 4 Prozent. Alle Privatkunden werden bereits standardmäßig mit Ökostrom beliefert, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Atomstrom beziehen nur noch Sonderkunden aus Wirtschaft und Industrie. Bei Badenova heißt es, durch einen überstürzten Ausstieg würde man diese Kunden verlieren. Deswegen peilt der Energieversorger die komplette Energiewende bis spätestens 2015 an. "Wir wollten den Ausstieg mit einem nachhaltigen Erzeugungskonzept unterbauen", sagt Badenova-Vorstandsmitglied Maik Wassmer. Sollte der Aufsichtsrat den schnelleren Ausstieg beschließen, dann sei dies möglich – aber definitiv mit wirtschaftlichen Verlusten, so Wassmer.

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Früherer Ausstieg gefordert

"Badenova hat schon viel getan und wir sind auf dem richtigen Weg", sagt Grünen-Stadtrat Eckart Friebis. Aber auch die Grünen verlangen, dass der Ausstieg früher kommt. Friebis fordert deswegen einen "stringenten Zeitplan". Er sieht im Atomstrom-Stopp für Badenova auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit: Eine atomstromfreie Energieversorgung sei nämlich für viele Kunden ein entscheidender Aspekt für die Auswahl des Energieversorgers, gibt Friebis zu bedenken. Er verweist auf Meldungen, wonach die reinen Ökostromanbieter wie die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) oder Greenpeace nach Fukushima massiven Zulauf hätten.

Der Gemeinderat beschäftigt sich am kommenden Dienstag mit dem Atomstrom-Thema. Einen Ausstieg beschließen kann das Gremium selbst aber nicht. Das kann nur der Badenova-Aufsichtsrat und dort haben die Freiburger Vertreter keine eigene Mehrheit. Sie haben inklusive OB lediglich 4 von 18 Stimmen. Grünen-Stadtrat Friebis erhofft sich dennoch noch vor der Gemeinderatssitzung öffentliche Signale von Badenova-Chef Thorsten Radensleben und Freiburgs OB Dieter Salomon, dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Badenova.

Über die ganze Debatte wundert sich Coinneach McCabe, Stadtrat der Grünen Alternative Freiburg (GAF). Er verweist darauf, dass das von den Grünen abgespaltene Ratsduo bereits im Oktober vergangenen Jahres den Antrag gestellt hätte, dass Badenova auf den Bezug von Atomstrom verzichtet. Damals hätten die Grünen dagegen gestimmt, genauso wie CDU, SPD und FDP, so McCabe, der sich über die Kehrtwende ein bisschen wundert. Und er fragt sich, ob der Gemeinderat am kommenden Dienstag überhaupt über den Grünen-Antrag entscheiden kann. Denn eigentlich darf laut Gemeindeordnung innerhalb eines halben Jahren nicht zweimal über den gleichen Beschlussvorschlag abgestimmt werden.

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Autor: Joachim Röderer