Haushalt

Das Geld reicht nicht für die Sanierung aller Freiburger Schulen

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Sa, 29. April 2017

Freiburg

In einigen Freiburger Schulhäusern gibt es erheblichen Sanierungsbedarf, für manche sogar Pläne und Baugenehmigungen, aber nicht für alle Geld.

Freiburg, Deine Schulen. Die Stadt investiert viel, und das aus gutem Grund. Brandschutz, defekte Fenster, Raumnot, Dämmung, Schüler müssen teils auf alte Toiletten, Richard-Fehrenbach-Lehrer Eimer zum Tafelwischen bringen – als Stadträte neulich Baustellen aufzählten, meinte Oberbürgermeister Salomon: "Das klingt eher nach Burkina Faso." Das kennt sie nicht, aber das Nachbarland Togo, wo ihre Partnerschule steht, sagt die Gertrud-Luckner-Schule. Und Baustellen hat sie auch.

» Nicht ganz dicht
Die Berufsschule steckt mit der Edith-Stein- und der Friedrich-Weinbrenner-Schule an der Bissierstraße unter einem Dach. Das ist nicht ganz dicht.

"Der Unterricht wird für heute eingestellt, da es mal wieder ins Fotostudio regnet", meldet diese Woche Gertrud-Luckner-Berufsschüler Yannick Marz. Seine Klasse hat bald Abschlussprüfung. "Da ist Unterrichtsausfall nicht wirklich erfreulich." Bei den Mediengestaltern gab es gerade eine Reparatur, sagt Konrektorin Renate Würthwein. Jahrelang ist kurz nach einem Regen braune Brühe durchs Chipsdach getropft. Die Schüler mussten die Spezialcomputer nach dem Unterricht abdecken. Chipsdächer heißen im Berufsschulzentrum die 120 Werkstattdächer, weil sie die Form eines Hyperparaboloids haben ähnlich wie Chipsletten. Statt nach außen läuft das Wasser immer wieder nach innen ab, auch in ihre Schulküche, wie Edith-Rektorin Susanne Flaig zeigt. Ein Schrank musste wegen Wasserschadens teilweise ersetzt werden. "Der war noch kein Jahr alt." Das ärgert sie: Die Stadt gibt Geld aus für eine Top-Ausstattung, und die nimmt Schaden. "Das ist absurd", findet auch Würthwein. In einer Ecke steht ein Eimer, vor der Tür quillt das Parkett auf.

In der Mitte des Schulzentrums liegt noch Teppichboden von 1979 und der Aufenthaltsbereich der 4500 Schüler – gesperrt, Brandschutz. "Das schmerzt uns arg", sagt Ulf Burckhardt, Leiter der Bauschule. Die Schulen beklagen Platzmangel. Und da der zweite Fluchtweg nicht fertig gestellt wird, weil eine Einhausung fehlt, ist ein Weg zum Flachdach frei. Bisher fand die Schule nur Weinflaschen, vor ein paar Tagen dann eine eingeschlagene Scheibe: Einbruch. Auch um blinde Fenster und schadhafte Stellen im Beton müsste man sich kümmern, sagt Burckhardt: "Besser wird’s nicht."

Riesenschule, Riesenaufgabe: Drei Chipsdächer repariert das städtische Gebäudemanagement einem Brief zufolge dieses Frühjahr. Zudem ist es noch an der großen Flachdachsanierung des Haupthauses dran, die sich seit gut einem Jahr hinzieht und 1,1 Millionen Euro kostet. Das Amt sieht weitere Arbeiten dieses Jahr vor, vor allem Brandschutz, unter anderem auch die Fertigstellung des Fluchtwegs, Fliesen, Lampen, zudem gibt’s gerade eine neue Sporthalle. Aber der Sanierungsbedarf ist so groß, dass bis in drei Jahren eine Planung dafür vorliegen soll.

Nicht auf der Liste
Erheblichen Sanierungsbedarf sieht die Stadtverwaltung auch bei anderen Schulen, Dickschiffe sind die Gewerbeschulen am Friedrichring, Berthold- und Deutsch-Französisches Gymnasium (BG und DFG, beide in der Oberau). Für alle gibt’s im neuen Etat kein Geld. Dazu kommen viele kleinere Schulvorhaben. Die Stadt schiebt einiges auf die lange Bank. "Von Doppelhaushalt zu Doppelhaushalt, ein Trauerspiel", sagt Johannes Remmer, einer der DFG-Direktoren. Der Brandschutz muss gemacht werden, aber am dringendsten wären für seine Gymnasiasten die naturwissenschaftlichen Räume. "Da wird geflickschustert, es ist wahnsinnig alt und viel zu eng." Auch am DFG arbeitet die Stadt immer wieder. Doch der Zustand geht nach heutigen Standards eigentlich nicht mehr, weiß das Schulamt, auch beim BG. Fürs DFG gibt es eine Baugenehmigung. Aber der Verwaltung zufolge brauchen andere das Geld dringender. "Und wir wissen, wo’s hingeht – in die Staudinger", meint Remmer.

Noch viel zu tun
Die Staudinger ist die marodeste Schule der Stadt. Die Stadt schob die Sanierung der Gesamtschule in Haslach so lange auf, bis nichts mehr ging: Der Neubau wird derzeit vorbereitet, geplante Kosten mindestens 85 Millionen Euro – die teuerste Schule der Stadt. Dabei hat sie schon viel investiert: Um ihren Sanierungsstau abzubauen, steckte sie seit 2005 rund 200 Millionen in ihre Schulgebäude. Mit allen Extras 300 Millionen, und noch mal so viel wird nötig sein, meinte Oberbürgermeister Dieter Salomon neulich, als der Gemeinderat erste Mittel für Loretto-, Max-Weber- und Anne-Frank-Schule freigab. Am Dienstag soll der Gemeinderat den Haushalt der Stadt für dieses und nächstes Jahr beschließen – Gesamtvolumen: 1,95 Milliarden Euro. Die Stadtverwaltung sieht im Entwurf rund 24 Millionen Euro für Schulsanierungen vor (siehe Infobox) und 13,3 Millionen für den Unterhalt der Schulgebäude.

Der Gemeinderat tagt am 2. Mai im Ratssaal des Rathauses ab 14 Uhr öffentlich.