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13. Januar 2012

"Das Thema Klimawandel liegt mir am Herzen"

BZ-INTERVIEW mit Annette Schuck, einer der 15 Mitwirkenden beim neuen Theaterstück "Klimakonferenz".

  1. Annette Schuck am Konferenztisch. Foto: Kunz

"Klima verschreckt die Leute als Thema", sagt Annette Schuck, "weil es immer so auf Verbote zu zielen scheint." Dennoch hatte sich die 43-jährige Lehrerin mitsamt ihren drei Kindern, Lukas, 20, Judith, 16, und Finn, 14, darum beworben, bei dem Theaterstück "Klimakonferenz" mitzumachen, das am morgigen Samstag Premiere im Werkraum des Theaters feiert. 15 Freiburgerinnen und Freiburger zwischen 12 und 70 Jahren sind als Mitwirkende dabei. Julia Littmann sprach mit Annette Schuck über Klippen des Klimathemas.

BZ: Was war denn für Sie und für Ihre jugendlichen Kinder die größere Klippe – das erdrückende Thema oder der Auftritt auf der Theaterbühne?
Annette Schuck: Speziell für uns vier war weder das eine noch das andere besonders schwierig. Wir hatten schon vor zwei Jahren bei der Produktion "Familienkonferenz" mitgemacht und fanden es jeder für sich sehr ergiebig so generationenübergreifend vor allem auch mit Älteren zu arbeiten. Damals kam schon in der ganzen Gruppe der Wunsch auf, diese thematische Theaterarbeit fortzusetzen. Dass sich das neue Projekt um Klima und Klimawandel dreht, passt für uns auch. Wir haben mit unserer Familie im Sommer bei der Aktion "Klima-Diät" der Stadt Freiburg mitgemacht – und uns einen Monat lang nur mit Lebensmitteln aus der unmittelbaren Umgebung ernährt.

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BZ: Haben Sie als promovierte Biologin von Berufs wegen das Klima im Blick?
Schuck: Ja, das Thema liegt mir am Herzen – und ich habe zum Beispiel fünf Jahre lang im finnischen Joensuu an einem Projekt mitgearbeitet, bei dem die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald untersucht wurden.
BZ: Brachte das die anderen Mitwirkenden am Theaterprojekt ins Hintertreffen?
Schuck: Nein! Wir haben in der ersten Projektphase von Oktober an wie eine rührige Arbeitsgruppe alle viel Material gesichtet und diskutiert, Filme angeschaut und einen großen Pool an Themen erarbeitet. Da gab es nur den Arbeitstitel "Klimakonferenz" – und an unserer Seite die Theater-Profis für Regie, Dramaturgie, Ausstattung, Technik.
BZ: Wie wurde das Material zum Stück?
Schuck: Wir bekamen Aufgaben, zu denen wir improvisieren sollten. Lukas sollte einen Brief an die Ungerechtigkeit schreiben. Die Improvisationen wurden gefilmt und notiert und zum Teil in das Stück eingebaut. Lukas Brief wurde zu einem Rap in "Klimakonferenz". Oder es entstanden Mini-Performances aus dem Spiel mit Gegenständen. Einer sitzt auf einem Stuhl und wackelt, bis er umkippt. Er zeigt, dass es die menschliche Aktivität ist, die das Klima aus dem Gleichgewicht bringt.

"Das ständige

Nein Nein Nein

ist ein Killer."

BZ: Eine Konferenz hat ja ein durchaus statisches Setting – gibt es solche Sequenzen auch in dem Stück?
Schuck: Wir haben vom BUND die Idee für ein Rollenspiel aufgegriffen, bei dem jeder von uns für ein Land steht. Ich bin Äthiopien. Und habe mich sofort beschwert, weil Äthiopien extrem unter dem Klimawandel leidet, ihn aber nicht verursacht. Ich wollte deshalb mehr Einfluss haben. Sehr lehrreich: Die anderen wollten mir den nicht geben. Ich habe allerdings eine Lösung gefunden, die im Stück auch zu sehen ist.
BZ: Wie lehrreich kann und soll "Klimakonferenz" denn für ein Publikum sein?
Schuck: Das Stück spricht viele Ängste in Bezug auf den Klimawandel an. Es hat dabei aber auch sehr witzige und überraschende Momente. Antworten auf die großen Fragen haben wir natürlich nicht, aber wir stellen das dar, was letzten Endes am ermutigendsten ist: Dass es wichtig ist, im Gespräch zu bleiben. Ich habe Angst vor dem Moment, in dem nicht mehr beredet wird, wie es weitergehen könnte.
BZ: Erreichen Sie mit Ihren Überlegungen, gar mit dem Stück auch Jugendliche? Ihre Schülerinnen und Schüler?
Schuck: Es ist schwer, Schüler zu erreichen. Viele leben sehr konsumorientiert. Und die Last drohender Einschränkungen und Verbote drückt. Dieses ständige NeinNeinNein ist einfach ein Killer. Bei der Arbeit an unserem Theaterstück ist uns aufgefallen, dass auch das wichtig ist: die unkorrekten Wünsche auszuleben. Witzigerweise fiel das den Älteren leichter als den Jüngeren. Auf jeden Fall bieten wir reichlich Impulse mit dem Stück. "Predigen" wollen wir nicht. Aber wir wollen eine Überlegung weitergeben: Es lohnt sich, dass wir alle über unsere Zukunft nachdenken, uns darüber verständigen, Visionen entwickeln und umsetzen. Wir können es uns nicht leisten, die Zukunft einfach so "passieren" zu lassen.

"Klimakonferenz" hat am Samstag, 14. Januar, 19 Uhr im Werkraum des Theaters Freiburg Premiere. Die nächsten Vorstellungen sind am Freitag, 20. und Sonntag, 22. Januar, am Samstag, 27. und Sonntag, 28. Januar und am Donnerstag, 9. Februar – jeweils um 19 Uhr und jeweils zum Eintrittspreis von 8 Euro.

Karten gibt es im Internet unter http://www.theater.freiburg.de im Vorverkaufsbüro am Theater oder beim BZ-Kartenservice.

Autor: lit