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04. Oktober 2011

Der Müll wird zur Plage

Vor allem in der Innenstadt wird seit ein, zwei Jahren immer mehr Müll einfach weggeworfen.

  1. Die Reste der Feiernden bleiben einfach zurück – wie hier am Dreisamufer. Foto: ingo schneider

Zum Frühstück einen Kaffee "to go", zum Mitnehmen, und eine Brezel in der Bäckertüte, mittags Huhn süß-sauer in der Kartonbox, am Nachmittag nochmal einen Cappuccino auf die Hand und abends vorm Kino schnell noch einen Burger mit Pommes und Cola – der moderne Freiburger isst unterwegs. Der moderne Freiburger vergisst vor lauter oraler Bedürfnisbefriedigung aber auch, dass er mal so etwas wie ein Umweltbewusstsein hatte. Kaffeebecher und Essensverpackungen zieren die Grünflächen und das Dreisamufer: Die Ökostadt hat ein Müllproblem.

"Seit ein, zwei Jahren nimmt das extrem zu", sagt Michael Broglin, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg. Besonders augenfällig sei die Müllplage im gesamten Innenstadtbereich und an den großen Ausfallstraßen, wo sich die Drive-In-Restaurants befinden. Im Stadtzentrum habe man bereits reagiert und mehr Müllgefäße aufgestellt, die teilweise mehrmals täglich geleert würden. "Doch was nutzen Behälter, wenn den meisten der Weg dorthin zu weit ist? Stattdessen wird die Verpackung gedankenlos auf den Boden geworfen", moniert Broglin, der einen erheblich gestiegenen Arbeitsaufwand bei seinen Mitarbeitern festgestellt hat: Sie müssen nicht mehr nur die Müllbehälter leeren, sondern zusätzlich einzelne Verpackungen aufsammeln. Das kostet Zeit und blockiert den eigentlichen Arbeitsablauf.

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"Auch bei der Stadt wird die zunehmende Verschmutzung mit Fastfood-Verpackungen auf allen Ebenen als großes Problem gesehen", sagt der städtische Pressesprecher Toni Klein. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Beim Amt für öffentliche Ordnung rätselt man, gegen wen sich mögliche Gebühren und Strafen richten könnten. Gegen die Gastronomen als Verursacher des zusätzlichen Mülls? Oder gegen die Verbraucher, denen das gute Benehmen fehlt? Letztere müsste man auf frischer Tat beim Begehen der Ordnungswidrigkeit ertappen, dazu fehlen Stadt und Polizei das Personal. Und das Image als Verbotscity zu pflegen, indem man den Gastronomen eine Art Verpackungsgebühr auferlegt, erscheint momentan niemandem erstrebenswert. Selbst die Idee, Kaffeebecher und Pizzakartons nur noch gegen Pfand auszugeben, trägt nicht weit: Pfand- und Mehrwegsysteme sind in Deutschland Sachen des Bundes, den Kommunen sind keine Alleingänge erlaubt. Bleibt der Appell an das Umweltbewusstsein der Freiburger.

Bei der Bäckerei Heitzmann verwendet man für Kaffeebecher und Bäckertüten nur umweltfreundliches Material mit wasserlöslichen Farben. "Wir zahlen auch in das Duale System, unsere Kunden können die Verpackungen in den gelben Sack oder den Papiermüll geben, wir selbst stellen ja auch Müllbehälter auf", sagt Amadeus Heitzmann, Geschäftsführer der Bäckerei mit Sitz in Bad Krozingen und 17 Filialen in Freiburg. Doch selbst das umweltfreundlichste Papier stört, wenn es am falschen Platz liegt. "Die Frage ist nicht, ob das Material recycelbar ist oder nicht", sagt Broglin. "Viel schlimmer ist, dass diese großen Verpackungen sofort ins Auge stechen, wenn sie zum Beispiel auf einer Rasenfläche liegen."

Immer mehr Menschen werfen ihren Müll einfach ins Gelände

Um das Bild Freiburgs als saubere Stadt sorgt sich auch Hansjörg Dattler vom Schlossberg-Restaurant. Der Vorsitzende der Dehoga-Kreisstelle Freiburg-Stadt registriert selbst oben auf "seinem" Berg achtlos liegen gelassene Verpackungen. "Das ist wirklich außerhalb jeglicher Vorstellung, was wir hier rund ums Restaurant alles aufsammeln", so der Gastronom. Doch auch Dattler sieht weniger die Gastronomie selber in der Verantwortung, die mit der mittäglichen Versorgung "auf die Hand" lediglich einen neuen, starken Trend bediene. Vielmehr müsse man die Wegschmeißer aufrütteln. "Irgendwie muss man doch an die Leute rankommen. Aber wie?"

Autor: Claudia Füßler