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17. Dezember 2008 15:41 Uhr

Beschimpft, bedroht und beklaut

Die Helfer brauchen oft Polizeischutz

Nach dem Angriff auf einen Rettungswagen berichten Rettungsdienste, dass es zunehmend Probleme bei Einsätzen gibt. Vor allem wenn bei den Patienten und ihren Begleitern Alkohol oder Drogen im Spiel sind.

Der Fall sorgt für Kopfschütteln: Mehrere Männer haben am Dienstagnachmittag in der Innenstadt die Besatzung eines Rettungswagen des Malteser Hilfsdienstes attackiert, so dass diese sich bis zum Eintreffen der Polizei im Wagen verbarrikadieren musste – samt Notfall-Patientin, die behandelt wurde. Ein krasser Zwischenfall – aber die Probleme sind nicht neu: Rettungsdienste klagen, dass sie bei Einsätzen zunehmend auf aggressive Zeitgenossen stoßen. Oft werden die Helfer während des Einsatzes auch beklaut.

Die Rettungswagen-Angreifer hatten am Dienstag in der Marktgasse am Basler Hof eine bewusstlose Frau aus der Obdachlosenszene behandelt. Das Rettungsteam musste von einer lebensbedrohlichen Situation für die Frau ausgehen. Dennoch wollte ihr Freund verhindern, dass die Patientin in den Rettungswagen getragen wird. Später versuchte er mit anderen Mitstreitern in den Wagen zu kommen. Als ihm dies verweigert wurde, begannen die Attacken. Zwei Streifenwagenbesatzungen plus Hundestaffel kamen den Maltesern zur Hilfe.

"Es gibt keine Tabus und auch kein Halten mehr", hat auch Wolfgang Schäfer-Mai, der Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes, beobachtet. Dass das Rettungsteam bei Einsätzen die Polizei hinzuziehen müsse, sei mittlerweile schon fast Alltag. Wenn es Probleme gibt, sind meist Drogen und vor allem Alkohol im Spiel, sagt DRK-Rettungsdienstleiter Ralf Götz. Bei der Alarmierung gebe es mittlerweile bereits zwei verschlüsselte Zahlencodes: Der eine Code bedeutet, dass es die Unterstützung der Polizei braucht – die andere Zahlenkombination verweist auf "Besatzung massiv in Gefahr". Vor allem in der Stadt gebe es solche Zwischenfälle in dem der Patient oder seine Begleiter aggressiv mit Pöbeleien oder Attacken auf die Helfer reagieren. "Wir versuchen deeskalierend zu wirken und die Probleme in den Griff zu kriegen", sagt der Leitende Notarzt Frank Koberne.

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Die Rettungsdienste klagen auch über skrupellose Diebe. Zwar gilt längst der Grundsatz, dass der Rettungswagen im Einsatz immer abgeschlossen werden muss – dafür bleibt in der Hektik aber nicht immer Zeit. Es sind schon mehrfach die Funkgeräte, Handys oder medizinische Geräte aus den Fahrzeugen gestohlen worden. Jüngst wurde an der Uniklinik ein teurer Notfallkoffer aus dem Wagen geklaut worden – während die Rettungssanitäter den Patienten ausgeladen haben. Und sogar während eines Einsatzes in einer Wohnung verschwand ein Diensthandy aus einem Rettungsrucksack.

Autor: Joachim Röderer