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28. September 2009

Die SPD hat eigentlich gar keine Hochburgen mehr

Detailanalyse der Wahl / CDU erlebt in Vauban ihr Waterloo

  1. Foto: Repro: BZ

Die Detailanalyse der Wahlergebnisse nach Stadtbezirken zeigt bei den Parteien eine ganze Reihe interessanter Entwicklungen. Am auffälligsten sind die Veränderungen bei den Sozialdemokraten. Denn die haben vor allem in ihren einstigen Hochburgen im Westen Freiburgs so stark verloren, dass man sie kaum noch so bezeichnen kann. Das beste Ergebnis in ganz Freiburg sind diesmal die 27,3 Prozent der Stimmen in Landwasser. Dabei lag die SPD vor fünf Jahren noch in 21 der damals 40 Stadtbezirke (jetzt sind es 41) über der 30-Prozent-Marke. In Haslach-Schildacker, wo die Genossen 2005 mit 46,3 Prozent ihren höchsten Stimmenanteil hatten, sind es jetzt noch magere 26,0 Prozent. Hingegen blieb die Partei in bürgerlichen Gegenden wie Günterstal eher stabil: Hier betrug der Rückgang unterdurchschnittliche 4,4 Prozentpunkte auf nun 18,1 Prozent. Und der schlechteste SPD-Wert sind immer noch respektable 17,9 Prozent in Waltershofen. Nur in sieben Bezirken bleibt die SPD unter 20 Prozent (CDU: 13 Bezirke, Grüne: 14 Bezirke). Aber nur in acht von 41 Bezirken ist sie noch stärkste Partei (2005: 21 Bezirke). Umso beachtlicher ist, dass SPD-Direktkandidat Gernot Erler in 37 Stadtbezirken Erststimmenkönig war. Gerade mal vier Bezirke entschied Daniel Sander (CDU) für sich (Günterstal, Lehen, Waltershofen, Munzingen), Kerstin Andreae (Grüne) landete gar keinen Stich.

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Bei den Christdemokraten ist nun amtlich, was lange vermutet wurde: Im Ökostadtteil Vauban kommen sie auf keinen grünen Zweig. Anders als 2005 zählt das Quartier mittlerweile als eigener Stadtbezirk und nicht mehr als Anhängsel von St. Georgen-Süd, wo die CDU damals 17,8 Prozent erhielt. Für Vauban pur sind es gerade noch 7,0 Prozent. Ein schwacher Trost für die Partei: Nachberechnungen des Wahlamtes für 2005 haben ergeben, dass die CDU vor fünf Jahren im Quartier noch einen guten Prozentpunkt schlechter abgeschnitten hatte. Die meisten Fans hat die CDU – diesmal wie damals – in Waltershofen. Allerdings musste sie dort ziemlich Federn lassen: Statt 41,2 Prozent gab es noch 34,8 Prozent.

Die Grünen finden im Mini-Bezirk Brühl-Industriegebiet, wo es nur 355 Wahlberechtigte gibt, den geringsten Zuspruch (6,7 Prozent), sind dafür aber die einzige Partei, die überhaupt mal eine absolute Mehrheit einfahren kann: 50,8 Prozent in – Überraschung! – Vauban.

Der Siegeszug der Freien Demokraten führt durch die ganze Stadt: Musste die FDP sich bei der vorherigen Wahl noch 32-mal mit einstelligen Prozentwerten begnügen, so ist das jetzt nur noch dreimal der Fall (Vauban, Alt-Stühlinger, Haslach-Gartenstadt). Am beliebtesten sind die Liberalen am Tuniberg, wo sie drei ihrer vier besten Ergebnisse einfuhren, das allerbeste in Tiengen (19,5 Prozent). Dafür findet Die Linke am Tuniberg die geringste Resonanz (je 2,7 Prozent Waltershofen und Munzingen; der beste Wert sind 22,6 Prozent in Brühl-Industriegebiet). Die anderen Parteien bleiben – einschließlich der Ultra-Rechten – fast überall im Null-Komma-Bereich. Einen Achtungserfolg schafft lediglich die Piratenpartei, die stadtweit auf 3,1 Prozent kommt und in vier Stadtbezirken sogar die Fünf-Prozent-Hürde überspringt.

Autor: Thomas Jäger