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28. Januar 2011

Uniklinik / Badenova

Heizkraftwerk: Verhandlungen drohen zu scheitern

Die Uniklinik und der Energieversorger Badenova verhandeln seit Wochen wegen einer Fernwärme-Kooperation für den Freiburger Westen. Die Zeit drängt, doch die Verhandlungen stehen vor dem Scheitern.

  1. Wer schaut bei den Verhandlungen über das Uni-Heizkraftwerk in die Röhre? Foto: Ingo Schneider

  2. Das Heizkraftwerk der Uniklinik ist Gegenstand der zähen Verhandlungen. Foto: Ingo Schneider

Beide Parteien liegen offenbar auch in grundsätzlichen Fragen noch weit auseinander, Bewegung ist nicht in Sicht. Die CDU-Fraktion hat nun einen Runden Tisch zum Thema Heizkraftwerk gefordert – in großer Runde.

Im November hatte sich eine Einigung in dem zehn Jahre währenden Streit abgezeichnet – doch die Verhandlungen in den vergangenen Wochen waren wenig fruchtbar. So sehen es beide Seiten. Auf Seiten von Badenova und Stadt – so ist zu hören – glaubt man derzeit, dass die Uniklinik nicht wirklich Interesse an einer Fernwärme-Partnerschaft hat. Reihenweise seien zuletzt Gesprächstermine abgesagt oder verlegt worden. Thorsten Radensleben, Vorstandsvorsitzender von Badenova, ist enttäuscht darüber, wie sich die Verhandlungen entwickelt haben: "Eigentlich könnten beide Seiten bei einer Kooperation gewinnen", sagt er. Auch auf Seiten der Uniklinik wiederum fühlt man sich nicht ernst genommen: Per Diktat sollten Forderungen durchgesetzt werden. Die Stimmung der möglichen Partner für einen Wärmeverbund ist schwer unterkühlt.

Doch die Bauprojekte im Freiburger Westen schreiten voran und eine Entscheidung muss her. Badenova hat nun gestern in einem Brief eine Verlängerung der Frist und weitere Gespräche angeboten. Doch bald muss endgültig feststehen, wer die Wärme für die neuen Gebiete samt Großprojekt Brielmann-Areal liefert. Scheitert der Plan mit dem Heizkraftwerk, würde Badenova am Westbad ein eigenes Blockheizkraftwerk hinstellen.

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Es gibt zwei Knackpunkte, über die sich die Verhandlungspartner zanken: Badenova will eine Kooperation mit dem Uniklinik-Heizkraftwerk. Der Energieversorger würde nach seiner Vorstellung die Wärme direkt am Klinikgelände abnehmen und dann den Vertrieb an die Kunden übernehmen. Die externen Wärmeabnehmer, welche die Uniklinik jetzt schon beliefert, wären von der Regelung nicht betroffen.

Die Uniklinik sperrt sich bislang jedoch gegen eine derartige Kooperation. Die Heizkraftwerker befürchten eine Einflussnahme des Energieversorgers aufs Heizkraftwerk. Alles andere als eine Kooperation samt exklusiven Wärmevertrieb hält man bei Badenova jedoch für nicht akzeptabel: Sonst wäre man ja lediglich im Rang eines Großkunden und die Uniklinik könnte dann selbst noch Kunden im Westen suchen und diese mit einem besseren Preis locken. Bei der Uniklinik will man sich bei dem Punkt nicht bewegen: Man wolle nicht alle Freiheiten verlieren, heißt es.

Problemzone Nummer zwei ist die Sache mit der Kohle. Das ganze Geschäft kann für Badenova nur zustande kommen, wenn die Uniklinik saubere Wärme liefert. Das bedeutet: Das Heizkraftwerk muss aus der Steinkohle aussteigen. Der Weg dorthin ist vorgezeichnet, die Umstellung auf Holzpellets läuft. Der Kohleanteil wurde ohnehin auf nur noch 20 Prozent zurückgefahren. In fünf Jahren will die Uniklinik ohne fossile Brennstoffe klar kommen. Den Abschied von der Kohle hat sich die Uniklinik auch selbst als unverrückbares Ziel gesetzt. In den Wärmelieferungs-Vertrag will die Klinik diese Verpflichtung nicht aufnehmen – und auch noch nicht die Möglichkeit einer Konventionalstrafe, falls weiter Kohle verbrannt wird. Die Sache mit der Kohle will die Klinik allenfalls in ein Vertragsbeiwerk schreiben lassen und fordert Vertrauen von Badenova und Stadt ein: "Wir sind doch keine Klitsche."

Durch den Wegfall der Kohle könnten 22 000 Tonnen Ausstoß an CO2 gespart werden – das wäre ein deutlicher Sprung nach vorne für Freiburg, die amtierende Klimaschutz-Hauptstadt. Und der Fernwärme-Deal könnte der Uniklinik helfen, die nötigen Investitionen zum Umrüsten auf Pellets oder Biokohle zu finanzieren.

Im Moment sieht es nicht danach aus, als käme der Deal zustande. CDU-Stadtrat Daniel Sander hat aber noch Hoffnung: "Wenn beide Seiten ihren Willen zeigen, ist es noch zu schaffen." Sander pendelt seit Wochen als Unterhändler zwischen den Fronten hin und her. Gestern hat er einen "Runden Tisch" vorgeschlagen – Badenova, Uniklinik, dazu Ministerialdirektor Klaus Tappeser aus dem Wissenschaftsministerium, Investor Peter Unmüßig und Oberbürgermeister Dieter Salomon. Der will im Moment aber noch nicht zu einem großen Runden Tisch einladen. Er setzt darauf, dass Badenova und Klinikum in den anstehenden Verhandlungen eine Lösung finden. Auch der OB ist dafür, dass die Frist für die Entscheidung verlängert wird.

UNIKLINIK-HEIZKRAFTWERK

- gebaut 1927 als Kohleheizwerk
- 2001 wird eine Gasturbine dazu gebaut

- 2005 Umstellung des Brennstoffs von Heizöl auf Erdgas neben Kohle

- Seit 1992 hat das Kraftwerk CO2– Emissionen um 43 Prozent gesenkt.

- Heizkraftwerk macht die Uniklinik energieautark.

- "Heizkraftwerk des Jahres 2003" (ausgezeichnet vom Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung)

- 90 000 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr (rund 5 Prozent des Freiburger Gesamtausstoßes)  

Autor: rö

Autor: Joachim Röderer