Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

23. November 2009

Ein Bild der Zerstörung

WIEDERSEHEN! Von der Universitätskirche blieb beim Bombenangriff 1944 nur die leere Hülle

  1. Einen Blick durch das Portal in die ausgebrannte Universitätskirche an der Bertoldstraße zeigt die historische Aufnahme von Alfons Eschle aus dem Jahr 1945 (links). Das aktuelle Foto aus der gleichen Perspektive ist weit weniger spektakulär. Foto: Museum für Stadtgeschichte/Thomas Kunz

  2. Foto: Thomas Kunz

INNENSTADT. Am Freitag, 27. November, jährt sich zum 65. Mal der Tag, an dem das alte Freiburg zugrunde ging. Der von Deutschland ausgegangene Bombenkrieg war mit aller Brutalität über die Stadt gekommen: Zwischen 19.45 und 20.13 Uhr luden an die 300 Flugzeuge der Royal Air Force ihre Last von 20 000 Bomben über der Stadt ab. Die Operation "Tigerfish" kostete fast 3000 Menschen das Leben, nahezu 10 000 Verletzte wurden gezählt. Viele stadtbildprägende Gebäude wie die Unikirche wurden schwer beschädigt oder total zerstört.

Die Altstadt war durch dieses schwerste Bombardement des Zweiten Weltkrieges in Freiburg besonders schwer getroffen worden. Zahlreiche historische Gebäude wurden durch Sprengbomben zerstört, einige brannten erst Tage nach dem Angriff wegen fehlender Löschmöglichkeiten aus. Auch von der Alten Universität und der Universitätskirche, ehemals Kirche und Kolleg der Jesuiten in der Salzstraße, war nur noch die leere Hülle geblieben.

Die der unbefleckten Empfängnis Mariens geweihte Kirche nach Plänen des Jesuiten-Laienbruders und Ordensarchitekten Heinrich Mayer war 1683 begonnen worden und seit 1689 in Benutzung. Die Ausstattung wurde 1704/05 fertiggestellt, erst 1716 wurde das Gotteshaus endgültig geweiht. Nach dem Verbot der Jesuiten 1773 wurde die Kirche der Universität übergeben. Zwischen 1873 und 1894 hielt die Altkatholische Gemeinde ihre Gottesdienste in der Universitätskirche, bevor sie die von der Stadt zur Verfügung gestellte Kirche des Schwarzen Klosters bezog.

Werbung


Den ganz in Weiß gehaltenen, mit einer Tonne überwölbten Wandpfeilersaal nach Vorarlberger Muster überzog kräftig-plastischer Wand- und Deckenstuck. In den durch Wandpfeiler und Emporen abgeteilten Seitenkapellen standen zahlreiche Altäre mit in Braun- und Goldtönen gehaltenen Aufbauten. Der Chorraum wurde durch den riesigen Hochaltar – eine Stiftung der Vorderösterrreichisch-Breisgauischen Landstände – bis zum Gewölbe ausgefüllt. Farbige Akzente setzten die Altargemälde, darunter das fast fünf Meter hohe Blatt des Hochaltars. Eine geschnitzte Kanzel, die Orgel auf der Empore hinter der Fassade und das dunkelbraun gebeizte Eichengestühl ergänzten die Ausstattung. Der Blick, den der Fotograf 1945 durch den Portalrahmen in die Kirche genommen hat, zeigt, dass dies alles ein Raub der Flammen geworden war. Die Gewölbe waren eingestürzt, wo der Hochaltar gestanden hatte, war nur noch das rohe Mauerwerk der Apsis mit Putzresten und Brandspuren zu sehen.

Beim Wiederaufbau der Kirche zwischen 1950 und 1954 hat man die Architektur teilweise in Gussbeton wiederhergestellt. Bewusst wurde auf die Rekonstruktion des Stucks an der Decke verzichtet, lediglich die erhaltenen Partien an den Wänden wurden wiederhergestellt. Die große Apsis blieb lange leer. Erst mit dem im Oktober 1988 aufgestellten mächtigen Kruzifix des Bildhauers Franz Gutmann hat der Kirchenraum wieder einen Bezugspunkt erhalten, der den Blick wie zuvor der barocke Hochaltar zum liturgischen Zentrum der Kirche lenkt. Das eindrucksvolle Bild der Kirchenruine ist Bestandteil eines Fotoalbums mit 15 Schwarzweißbildern aus dem zerstörten Freiburg, das Alfons Eschle (1897 bis 1986) aus eigenen, 1945 angefertigten Aufnahmen zusammengestellt hat. Sie zeigen außer den auch von anderen Fotografen gewählten Motiven zahlreiche ungewöhnliche Ansichten von Freiburger Straßen, Plätzen und Gebäuden. Der Blick des Amateurfotografen unterschied sich dabei durchaus von dem des professionellen Lichtbildners.

Eschle stammte aus einer seit zwei Generationen in Freiburg ansässigen, aus Furtwangen zugezogenen Familie. Sein Sohn Urs, der in der Schweiz lebt, hat das Fotoalbum seines Vaters 2004 dem Museum für Stadtgeschichte als Geschenk übergeben.

Autor: Peter Kalchthaler