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16. August 2012

Endgültiges Aus für die Spielstätte Theater am Martinstor

Nun ist es endgültig: Im Theater am Martinstor wird künftig kein Theater mehr gespielt. In einem offenen Brief gaben die Vertreter des neuen Trägervereins gestern "nach monatelangen Verhandlungen" mit dem neuen Mieter das Aus der Spielstätte für die freie Szene bekannt.

Ursprünglich wollte der Trägerverein nach dem Rückzug des langjährigen Leiters Nick Haberstich die Räume als Untermieter weiternutzen. Wie und wo es nun für die freien Gruppen weitergeht, ist offen.

Mehrere Gründe hätten zu dem Entschluss geführt, erklärt Raimund Schall vom Theater Zerberus, das die Räume gemeinsam mit dem Theater Lust, dem Theater Black, dem Theater K, dem Theater Roll-Splitt/Theater 1098 und dem Theater von Bernd Lafrenz nutzen wollte: Zum einen lehnte die Stadtverwaltung einen beantragten Zuschuss von 20 000 Euro – ursprünglich war der Trägerverein mal von 30 000 ausgegangen – für die Jahre 2013 und 2014 ab. "Aufgrund der Ihnen bekannten Haushaltsrisiken sieht die Verwaltung zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Spielräume zur Ausweisung eines neuen Zuschusses"; deshalb könnten die beantragten Mittel für 2013 und 2014 bei der Erstellung des Haushaltsentwurfs leider nicht berücksichtigt werden, heißt es in einem wenige Tage alten Schreiben von Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Die Verwaltung bot den freien Gruppen stattdessen als Übergangslösung einen einmaligen Zuschuss von insgesamt 14000 Euro für die kommenden beiden Halbjahre an – damit hätten die freien Gruppen den auslaufenden Mietvertrag bis Ende Juli 2013 verlängern können. Noch Ende Juli hatten sich die Fraktionen von CDU, SPD, FDP und Unabhängige Listen bei OB Salomon für den 20 000-Euro-Zuschuss stark gemacht.

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Durch den auf 14 000 Euro reduzierten Zuschuss hätte der Trägerverein schon in der ersten Spielzeit ein Loch von 16 000 Euro zu stopfen gehabt, was rund 35 Prozent des Gesamtetats von 50 000 Euro ausgemacht hätte. Zu riskant fand das der Verein, er fürchtete eine sofortige strukturelle Überschuldung. "Wir wären wirtschaftlich in die Bredouille gekommen. Das wäre nicht mehr seriös zu verantworten gewesen", auch wenn man mit persönlichem Engagement sicherlich einiges hätte auffangen können, glaubt Schall. Der Vorsitzende des Trägervereins Theater am Martinstor bedauert, dass nun ein "wertvoller Spielort verloren geht".

Doch die Unterfinanzierung allein war nicht ausschlaggebend dafür, dass der Verein nun die Notbremse zog. Vielmehr habe die Tanzschule Dance Emotion, die von Freitag bis Sonntag das Theater an den Verein untervermieten wollte, scheibchenweise seine Zusagen zurückgenommen. So hätte man die Podeste für die Bühne erst freitagmittags aufbauen können und auch Garderobenräume erst ab 17 Uhr zur Verfügung gehabt – zu spät für Gruppen, um noch eine Generalprobe abhalten und sich technisch vorbereiten zu können. Und für ein Büro, sagt Schall, wäre nur in einem Getränkelager Platz gewesen – alles in allem eine Situation, die dem Erscheinungsbild nach außen nicht gut getan hätte, findet der Vereinsvorsitzende. Von Dance Emotion war gestern für die BZ niemand zu sprechen.

"Wir hatten keine Planungssicherheit mehr, sondern nur noch Unsicherheiten", sagt Schall. Die Suche nach vorläufigen Ersatzräumen für den 100 Plätze fassenden Theatersaal ist in vollem Gange, aber einige Gruppen stehen nun erst einmal auf der Straße.

Autor: Frank Zimmermann