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Feuerwehr war in der Silvesternacht öfter unter Böllerbeschuss als sonst

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Mi, 10. Januar 2018 um 11:03 Uhr

Freiburg

Die Freiburger Feuerwehr ist in der Silvesternacht bei sieben Einsätzen mit Böllern beschossen worden. Einen auf Facebook verbreiteten Vorfall am Stadttheater gab es jedoch nicht.

Bisher sei es jeden Jahreswechsel vorgekommen, dass mal ein Feuerwerkskörper auf Fahrzeuge oder Feuerwehrleute flog. "Sieben Einsätze, das ist neu", sagte Philipp Golecki vom städtischen Amt für Brand- und Katastrophenschutz am Dienstag zur Zunahme. "Ob das ein Trend ist oder eine Ausnahme, kann ich erst nächstes Silvester sagen."

Feiernde kletterten auf ein Feuerwehrfahrzeug

Bei einem Einsatz um kurz nach Mitternacht am Stadttheater flogen Böller auf den Löschzug mit Drehleiter. Zwei feiernde Leute seien auf ein Feuerwehrfahrzeug an der Bertoldstraße geklettert, sagte Golecki. Gefährlich wegen der Oberleitung der Straßenbahn mit rund 800 Volt: "Die hätten ein Feuerwerk der ganz anderen Art erleben können", sagt der Physiker und Feuerwehrmann.

Er widerspricht einem auf der Facebook-Seite "Freiburg Crime" verbreiteten Gerücht, wonach der Löschzug mit Feuerwerkskörpern zum Halten gezwungen und Böller ins Innere der Wagen geworfen worden seien. Dieser Zwischenfall habe nicht stattgefunden, stellte der Vizechef des städtischen Amts nach Rücksprache mit seinen Kollegen klar: "Das ist mir alles nicht bekannt." Blinder Alarm war auch der Einsatz beim Theater: Der Dachstuhl hat nicht gebrannt.

"Aber weisen Sie mal nach, wer den Böller geworfen hat und ob absichtlich." Philipp Golecki, Feuerwehr Freiburg
Ein weiterer Einsatz war bereits eine Minute vor Mitternacht beim Hauptbahnhof losgegangen. Im Gleisbett unter der blauen Brücke gab es einen kleinen Brand, der später von allein ausging. Feuerwehr und Bundespolizei wollten hin: "Sie mussten sich aber zurückziehen, weil zu viele Böller runter gekommen sind."

Doch das könnte Zufall gewesen sein, meinte Golecki. Ob hinter den Fällen kriminelle Absicht, jugendlicher Leichtsinn oder Alkoholduseligkeit steckte, könne er nicht sagen. Die Polizei ist bei den größeren Einsätzen von Feuerwehr und Rettungsdienst immer dabei. "Aber weisen Sie mal nach, wer den Böller geworfen hat und ob absichtlich."

Keine Ermittlungen wegen Angriffen auf Einsatzkräfte

Die Freiburger Polizei ermittelt nicht wegen Angriffen auf Einsatzkräfte. Dazu bräuchte es eine Anzeige, "und wir haben keine", erklärte Polizeisprecher Walter Roth. Seine Kollegen hätten auch keine gestellt. "Es gab keinen Böllerangriff auf Polizeibeamte im ganzen Bereich des Polizeipräsidiums Freiburg, auch nicht gegen Dienstwagen." Roth betonte, dass Silvester eine besondere Situation mit besonderen Gefahren und fließender Grenze sei. Aber die sei nie so überschritten worden, dass ein Beamter oder eine Beamtin den Eindruck hatte, gezielt angegriffen worden zu sein.