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17. Januar 2012 20:25 Uhr

Stadt statt Staat?

Freiburger Flaggenfarce steuert dem Finale entgegen

Seit Tagen gibt’s Streit um die Iranfahne an der Kaiserbrücke. Jetzt macht die CDU-Fraktion einen Vorschlag zur Güte: Städte- statt Staatsflaggen lautet nun die Devise.

  1. Stadtwappen von Isfahan. Foto: bz

Damit befindet sie sich überraschend auf einer Linie mit der Linksjugend. Die Stadtspitze will die Flaggenfrage noch in dieser Woche klären.

Die CDU hat genug von der Debatte. Die Fraktion schlägt vor, an der Brücke die Fahnen der Städte zu hissen, mit denen Freiburg Partnerschaften oder Freundschaften pflegt – "analog zu den Wappen vor dem Rathaus", schrieb sie am Dienstag an den Oberbürgermeister. Dabei hatte die CDU die Debatte losgetreten, Stadtrat Daniel Sander mit dem o.k. von Fraktionschef Wendelin Graf von Kageneck Anfang des Jahres vom Rathaus gefordert, die Fahne des Irans wegen dessen Politik abzuhängen.

Prompt entfernten Unbekannte sie samt Mast. Ausgerechnet der Freundeskreis Tel Aviv, der eine Partnerschaft mit der Stadt in Israel anstrebt, bat, die Fahne zu ersetzen – sie sei ein Symbol des Volkes. Am Wochenende forderte der Nachwuchs der Linkspartei, ein Zeichen für die einzige Partnerschaft in Deutschland mit einer iranischen Stadt zu setzen und montierte eine Fahne mit dem Wappen von Isfahan.

Flaggenfrage Thema in der Bürgermeisterrunde

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Sander und Kageneck bleiben zwar dabei, dass die Stadt "keine Hoheitszeichen totalitärer Regime" präsentieren solle, wollen aber nichts gegen die Städtepartnerschaft gesagt haben. Sie plädieren nun für ein Zeichen der Verbundenheit mit den Bürgern. "Mit Vergnügen nehmen die Unabhängigen Listen zur Kenntnis, dass die CDU-Fraktion eine prima Idee der Linksjugend aufgreift", feixte postwendend UL-Rätin Irene Vogel. Ihre Fraktion unterstützt den Vorschlag. "Das ist eine Alternative", sagte Johannes Reiner, Vorsitzender der Tel-Aviv-Freunde. Außenpolitik sei keine kommunale Aufgabe.

Die Flaggenfrage war gestern Thema in der Bürgermeisterrunde. Das Referat für Internationale Kontakte prüft nun, wo es überhaupt offizielle Stadtfahnen gibt. "Wiwilí hat sicher keine", sagte Leiter Günther Burger, und als einzige kein Wappen. Die nächste Frage ist: Sind die Motive erkennbar? Das sei bisher der Fall. Zum Papstbesuch hatte die Stadtverwaltung die Kaiserbrücke neu beflaggt – mit den Länderfahnen der neun Partnerstädte, der Flagge Nicaraguas für das befreundete Wiwilí, der Schweiz für die Zähringerstädte und Freiburgs Stadtfahne. Welche Flaggen die Stadt künftig zeigt, soll Ende der Woche feststehen.

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Autor: Simone Höhl