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31. Mai 2010 19:01 Uhr

Bundespräsident

Freiburger Reaktionen zu Köhler: Von Bedauern bis Empörung

OB Dieter Salomon mochte den Bundespräsidenten, den er als uneitlen Menschen erlebt hat – erst vor wenigen Tagen noch bei der Expo in Shanghai. Reaktionen aus Freiburg zum Rücktritt des Staatsoberhauptes.

  1. Horst Köhler vor knapp zwei Wochen mit OB Salomon beim Besuch des Freiburger Expo-Standes in Shanghai. Foto: Simone Lutz

  2. Gernot Erler Foto: Ingo Schneider

  3. Kerstin Andreae Foto: Michael Bamberger

  4. Daniel Sander Foto: Privat

Bundespräsident Horst Köhler ist gestern zurück getreten. Wie reagieren Freiburger Politiker auf diesen Schritt? Wir haben uns umgehört.

Kerstin Andreae, Bundestagsabgeordnete der Grünen: "Anfangs war ich geschockt, doch je mehr ich über den Rücktritt nachdenke, desto mehr wächst meine Empörung: Horst Köhler wollte immer ein politischer Bundespräsident sein. Wenn man dann eine inakzeptable Äußerung zum Thema Afghanistan macht und dafür die berechtigte Kritik von der Politik erntet, kann man das nicht als Begründung für den Rücktritt nehmen. Wer politisch argumentiert, muss Kritik aushalten. Was wir hier erleben, ist eine Führungskrise ersten Ranges, eine Erosion bei Schwarz-Gelb".

Gernot Erler, SPD-Bundestagsabgeordneter und stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion: "Auch ich bin total überrascht. Es ist ganz offensichtlich so, dass er von der scharfen Kritik an seinen Äußerungen zu Afghanistan sehr betroffen war. Es konnte durch seine Aussagen der falsche Eindruck entstehen, dass er eine andere Legitimation für Bundeswehreinsätze fördert, als das das Grundgesetz dies vorsieht. Er hat sich nun zu einem Schritt entschlossen, den es bislang in der Bundesrepublik noch nicht gegeben hat. Aber es gibt da auch eine politische Dimension: Es gab da auch eine Enttäuschung darüber, wie seine eigenen Leute behandelt haben. Das war ein sichtbarer Entfremdungsprozess.

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Dieter Salomon (Grüne), Oberbürgermeister von Freiburg, der Köhler erst vor knapp zwei Wochen auf der Expo in Shanghai getroffen hat: "Mir tut es leid, dass er zurückgetreten ist. Ich habe ihn im persönlichen Umgang sehr gemocht. Wir haben uns insgesamt drei oder vier Mal getroffen, er hat sich sehr gefreut, als wir uns in Shanghai wieder gesehen haben. Ich habe ihn als sympathischen und völlig uneitlen Menschen erlebt. Er war ein Bürgerpräsident und volksnah, auch wenn er manchmal etwas unsicher wirkte. Er hatte das Problem, dass er eigentlich kein Politiker war, aber dennoch in einem Amt, in dem man keine Macht hat, politisch gestalten wollte. Dabei hat er sich manchmal etwas verlaufen."

Daniel Sander, CDU-Bundestagskandidat und Freiburger Stadtrat: "Ich war wie alle völlig überrascht und habe nicht damit gerechnet. Der Grund, den er für seinen Rücktritt anführt, ist für mich eigentlich kein Grund, diesen Schritt zu machen. Deswegen finde ich es auch nicht gut. Es hat ja auch keinerlei öffentlichen Druck gegeben. Ich glaube auch nicht, dass der Rücktritt etwas mit der mangelnden Unterstützung aus dem eigenen Lager zu tun hat. Der Bundespräsident macht keine Tagespolitik, er ist deswegen auch nicht auf Mehrheiten angewiesen. Allerdings macht die schwarzgelbe Koalition und speziell die CDU im Moment keine gute Figur bei der Personalpolitik.

Autor: rö