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10. März 2016

Kundenansturm

Die Freiburger Tafel braucht mehr Platz

Mehr Kunden, mehr Mitarbeiter: Bei der Organisation, die Lebensmittel günstig an bedürftige Menschen verkauft, wird es eng.

  1. So funktioniert’s, erklärt Jessica Maack (links) Oberbürgermeister Dieter Salomon (mit Schal). Im Hintergrund sind Tafel-Vorsitzende Annette Theobald und ihr Stellvertreter Hatto Müller zu sehen. Foto: Thomas Kunz

Vor sechs Jahren zog die Freiburger Tafel in ihr neues Domizil an der oberen Schwarzwaldstraße; am alten Standort war es zu beengt geworden. Die Geschichte wiederholt sich: "Wir platzen aus allen Nähten", sagt Vorsitzende Annette Theobald: Es gibt noch mehr Kunden, mehr Mitarbeiter, mehr Arbeit. Oberbürgermeister Dieter Salomon hat bei einem Besuch zugesagt, eine Lösung für das Problem zu finden.

Vor dem Tafelladen stehen an diesem Mittwochmorgen bereits etliche Kunden Schlange. Die Rollstuhlfahrer dürfen als Erste rein, der Oberbürgermeister als stehendes Hindernis wird gekonnt umkurvt. Dieter Salomon ist auf Einladung der Vereinsvorsitzenden Annette Theobald gekommen und unterhält sich jetzt mit der stellvertretenden Ladenleiterin Jessica Maack über das Mindesthaltbarkeitsdatum. "Frische Produkte dürfen nicht drüber sein", sagt Maack. Absurd, findet Salomon: "Am Joghurt kann man doch riechen, ob er noch gut ist." Stimmt, findet Maack: "Das mache ich daheim auch."

Jessica Maack, alleinerziehende Mutter einer Vierjährigen, fing als ehrenamtliche Helferin an, inzwischen hat sie eine halbe Stelle und ist jeden Tag froh über die erste feste Arbeit ihres Lebens. Sie ist eines von vielen Beispielen, wie die Freiburger Tafel wirkt. Hier werden Jobs geschaffen, hier können Menschen mit wenig Geld günstig einkaufen, hier werden Lebensmittel, die die Geschäfte nicht mehr verkaufen wollen, verwertet. Die Freiburger Tafel ist inzwischen ein soziales Netzwerk mit einem Tafelladen, in dem rund 1000 Haushalte mit geringem Einkommen versorgt werden. Etwa 370 Käufer kommen täglich, jeden Monat werden 55 Tonnen Lebensmittel umgeschlagen. Bei der Tafel arbeiten 200 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer mit, ein Drittel davon im generalstabsmäßig geplanten Fahrdienst, der die Lebensmittel bei Supermärkten und anderen Geschäften holt – die erste Tour startet um 5.45 Uhr. Und: Alles wird über Spenden finanziert.

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Vergangenes Jahr, erzählt Theobald, kamen knapp 800 Neukunden dazu, fast die Hälfte waren Flüchtlinge. Mit Menschen aus mehr als 50 Nationen haben es die Ladenmitarbeiter zu tun, dass die Tütensuppe 25 Cent kostet und der Energy-Drink 40 Cent, wird manchmal mit Händen und Füßen übersetzt. "Sie sind ein richtiges mittelständisches Unternehmen geworden", sagt Oberbürgermeister Salomon. Die Kehrseite des Erfolgs: Es ist eng geworden bei der Tafel. Der Laden mit seinen 265 Quadratmetern Verkaufsfläche sei so in Ordnung, sagen Theobald und ihr Stellvertreter Hatto Müller übereinstimmend, mehr Kunden schaffe man nicht; zudem habe sich die Einkaufssituation wegen durchgehender Öffnungszeiten entspannt. Doch Lager und Büro sind zu klein geworden. 50 bis 80 Quadratmeter mehr wären gut, damit sich die Kartons mit Spaghettipackungen und Duschgeltiegeln nicht mehr im ohnehin schon beengten Gemeinschaftsraum der Ehrenamtlichen stapeln und damit sich die Büromitarbeiter nicht gegenseitig im Weg stehen. "Wir haben verstanden und kümmern uns drum", versprach der Oberbürgermeister. Demnächst soll es ein Gespräch mit der städtischen Wohnungsgesellschaft Stadtbau geben, die das Gebäude des Tafelladens besitzt und der auch viele benachbarte Häuser gehören.

Autor: Simone Lutz