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14. Januar 2012 16:51 Uhr

Fahnen-Affäre

Freundeskreis Tel Aviv macht sich für Iran-Flagge stark

Der Freundeskreis Tel Aviv bittet den Freiburger Oberbürgermeister, die verschwundene iranische Flagge an der Kaiserbrücke schnell zu ersetzen. CDU-Stadtrat Daniel Sander ist pikiert.

  1. Fahnen-Staeb hat die ganze Welt auf Lager: Das Fachgeschäft in Mooswald hat selbst Iranflaggen vorrätig und könnte die erforderliche Größe in wenigen Tagen liefern – falls die Stadt Bedarf hat. Foto: Thomas Kunz

Der Freundeskreis Tel Aviv, ein Verein für die Freundschaft mit der israelischen Stadt, distanziert sich nämlich von Daniel Sanders Forderung. Der CDU-Stadtrat ist Vereinsmitglied und wollte, dass die Stadt die Fahne abhängt. Die CDU-Fraktion steht nach wie vor hinter der Anfrage.

Johannes Reiner sitzt den Freunden Tel Avivs vor. "Klar, sind wir gegen das Regime Ahmadinedschads, er fordert die Vernichtung des israelischen Staates." Dennoch hält er Sanders Anfrage zur Iranfahne ans Rathaus für das falsche Signal. Das hat nichts damit zu tun, dass Unbekannte die Flagge postwendend samt Mast entfernten, Reiner geht’s um Grundsätzliches: "Die Flagge ist ein Symbol des Volkes und nicht der heutigen Regierung." Sie sei älter, auch sei die Protestbewegung gegen das Regime 2009 unter ihr geführt worden. Dass ein Stadtrat fordert, sie einzuholen, stehe entgegen den Bemühungen, Beziehungen zur Bevölkerung in Isfahan aufrechtzuerhalten. "Das ist kontraproduktiv." Freiburg ist die einzige Stadt Deutschlands mit einer iranischen Partnerstadt. Die Beziehung ruht auf politischer Ebene, lebt aber über Bürgerreisen und kulturellen Austausch.

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Stadt und Partnerstadtvereine bereiten gerade das Projekt "Ludus Danielis" vor, ein mittelalterliches Spiel über die Gefangenschaft der Juden im Zweistromland, erklärt Reiner. Der Clou: Im Chor singen neben Schülern aus Freiburg und Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde Bürger aus Padua, Granada, Isfahan und Tel Aviv. "Das ist eine Sensation."

Ende des Fahnenstreits noch nicht in Sicht

Auftritte finden im Juli im Konzerthaus und in Padua statt. Das Projekt soll helfen, politische Grenzen zu überwinden. "Jetzt sind wir bei diesem dämlichen Flaggenstreit." Reiner schlägt vor, den Konflikt zu bereinigen, indem die Fahne wieder aufgehängt wird – diesmal richtig rum.

Das Garten- und Tiefbauamt hatte unfreiwillig den Aufhänger für den Zwist geliefert, der auch auf überregionales Interesse stößt, die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete bereits. Als das Amt die Beflaggung an der Kaiserbrücke zum Papstbesuch im Herbst erneuerte, entschied es sich für die Partnerstädte, hisste der Einfachheit halber deren Nationalflaggen, eine versehentlich auf dem Kopf. Von Freiburg und Tel Aviv wehen die Stadtfahnen über der Dreisam.

Der Freundeskreis strebt an, dass Tel Aviv eine Partnerstadt wird, bisher hat sie nur Freundschaftsstatus. Dafür setzt sich auch CDU-Stadtrat Sander seit langem ein. Dass sich der Freundeskreis in die aktuelle Debatte einschaltet, wundert und enttäuscht ihn. "Ich werde die Arbeit des Vorstandes kritisch beobachten", kündigt das Vereinsmitglied an und widerspricht dem Vorsitzenden: "Diese Fahne steht für das Mullah-Regime." Sie wurde 1980 eingeführt. Seine Anfrage zum Abhängen war vom Fraktionschef abgesegnet. "Darüber kann man diskutieren", sagt Wendelin Graf von Kageneck. Auch er ist vom Vorstoß des Vereins überrascht.

Die Stadtverwaltung bearbeitet derweil die beiden Schreiben in der Angelegenheit. Das Referat für Internationale Kontakte und Protokoll ist befasst, OB Salomon wird antworten. "Eine Fahne kommt da auf jeden Fall wieder hin, die Frage ist welche", sagt Sprecherin Edith Lamersdorf. Das Rathaus hat keine zweite Iranflagge auf Lager, ist aber zuversichtlich schnell Ersatz beschaffen zu können.

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Autor: Simone Höhl