Ermittlungen

Gruppenvergewaltigung in Freiburg: Polizei sucht weitere Mittäter

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Sa, 27. Oktober 2018 um 12:09 Uhr

Freiburg

Im Fall der Gruppenvergewaltigung nahe einer Freiburger Disko laufen die Ermittlungen der Kripo weiter mit Hochdruck. Die Polizei vermutet, dass es noch weitere Mittäter gibt.

Es ist ein schockierender Fall: Eine junge Frau soll bei einem Diskobesuch im Industriegebiet Nord in Freiburg mit Drogen wehrlos gemacht und dann von mindestens acht Männern vergewaltigt worden sein.

Der Tatort befindet sich in unmittelbarer Nähe zweier Clubs an der Hans-Bunte-Straße, in einem dicht bewachsenen kleinen Wäldchen. Der Ort ist nur wenige Meter vom Eingang zum Gelände des Clubs Hans-Bunte-Areal entfernt und wird offenbar von Partygästen regelmäßig zum Vorglühen benutzt; leere Flaschen liegen im Gebüsch herum. Im Hans-Bunte-Areal fand am Tatabend, dem 13. Oktober, die Technoparty "Umsonst & Drinnen" statt.

Die 13-köpfige Ermittlungsgruppe "Club" des Polizeipräsidiums Freiburg hat sieben Syrer im Alter zwischen 19 und 29 Jahren verhaftet und einen 25-Jährigen mit deutschem Pass. Sie sitzen wegen des Verdachts der Vergewaltigung in U-Haft. Fast alle Verdächtigen seien polizeibekannt gewesen, heißt es.

Gegen den mutmaßlichen Haupttäter soll vor der Tat ein Haftbefehl bestanden haben

Weder bestätigen noch dementieren will die Polizei zum jetzigen Zeitpunkt andere Einzelheiten, welche Bild berichtet hatte: So soll die Tat insgesamt rund vier Stunden gedauert haben. Als es sich unter den offenbar untereinander bekannten Männern herumgesprochen hatte, soll einer nach dem anderen den Club Hans-Bunte-Areal verlassen und sich an der wehrlosen und betäubten Frau vergangen haben. Ein Zeuge hat offenbar ausgesagt, dass bis zu 15 Männer sich an der Vergewaltigung beteiligt haben könnten. Die Polizei äußert sich dazu nicht mit dem Hinweis auf die noch laufenden Ermittlungen.

Der mutmaßliche Haupttäter soll syrischer Kurde sein und seit 2014 in Deutschland leben. Auch viele Familienangehörige des Mannes wohnen in Freiburg. Der 21-Jährige hat offenbar auch eine feste Freundin. Er wurde am vergangenen Sonntagvormittag vor der Wohnung seiner Eltern festgenommen. Er ist der Polizei wegen Körperverletzungs- und Eigentumsdelikten bekannt. Laut Bild soll er unter anderem einen Nachbarn zusammengeschlagen haben. Gegen den Tatverdächtigen bestand nach dem Zeitungsbericht schon vor dem Vorfall in der Disko ein Haftbefehl. Auch dazu will die Polizei nichts sagen.
Weiterhin sucht die Ermittlungsgruppe "Club" Zeugen, die sachdienliche Angaben zum Tatgeschehen vom 14. Oktober 2018 machen können. Insbesondere Besucher der dortigen Clubs in der Hans-Bunte-Straße, die in der Tatnacht Beobachtungen zum Tatablauf gemacht haben, werden gebeten, sich unter 0761-8825777 zu melden.

Ob auch K.-o.-Tropfen im Spiel waren, ist noch unklar

Der 21-Jährige soll dem Opfer in der Disko zunächst eine Ecstasy-Pille verkauft haben. Gemeinsam mit einem Bekannten spendierte er ihr einen Drink und führte dann nach Mitternacht die junge Frau aus dem Club. Dann soll er über sie hergefallen sein. Möglicherweise setzten die Männer auch K.-o.-Tropfen ein. Die Untersuchungen der Polizei dazu laufen noch.

Auf die Spur der Täter kamen die Ermittler durch sichergestellte DNA-Spuren, die nach einem Abgleich mit den Datenbanken schnell zu einem 19-jährigen Mittäter führten. Nach und nach konnte die Polizei nach weiteren Ermittlungen die weiteren mutmaßlichen Tatverdächtigen festnehmen. Fünf der sieben Syrer lebten in Freiburg, die meisten in Asylunterkünften.

Für Montag haben Politiker zwei Kundgebungen angekündigt

Der Fall hat eine politische Dimension. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte: "Wenn sich die Tatvorwürfe auch nur ansatzweise bestätigen, haben wir es mit einer abscheulichen Tat zu tun, die niemanden kalt lässt." Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn hatte bereits am Freitag die Tat scharf verurteilt und davor gewarnt, sie als Grundlage für Hetze gegen Flüchtlinge zu nutzen.
Indes haben der AfD-Landtagsabgeordnete Stefan Räpple und die Junge Alternative Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald für Montagabend, 18.30 Uhr, zu einer Demonstration vom Martinstor zum Siegesdenkmal mit anschließender Kundgebung auf dem Rathausplatz aufgerufen. Der frühere Freiburger Stadtrat Sebastian Müller hat ebenfalls für Montag, 18.30 Uhr, zu einer Kundgebung auf den Platz der Alten Synagoge eingeladen unter dem Motto: "Mein Entsetzen ist keine Rechtfertigung für euren Hass."

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