Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
04. Oktober 2011 12:33 Uhr
Bahn-Panne
ICE rauscht an Freiburger Bahnhof vorbei
Ein ICE der Deutschen Bahn AG hat am Montagabend seinen Halt in Freiburg verpasst und ist erst außerhalb des Bahnhofs zum Stehen gekommen. Der Lokführer habe sich verbremst, sagt die Bahn.
Der ICE 875 vom Berliner Ostbahnhof nach Basel sollte 23.09 Uhr planmäßig in Freiburg halten – doch stattdessen fuhr der Zug durch den Hauptbahnhof durch, mit vollem Tempo wie sowohl Passagiere im Zug als auch Wartende am Gleis berichten. Erst ganz am Ende des Bahnhofsbereiches stoppte der ICE nach einer abrupten Bremsung. Der Lokführer wechselte danach schnell in den Triebwagen am Ende des Zuges und setzte in den Hauptbahnhof zurück. Ein Sprecher der Bahn in Stuttgart bestätigte gegenüber der Badischen Zeitung den Vorfall: "Der Lokführer hat die Bremsung zu spät eingeleitet". Durch die Panne sei für die Reisenden eine Verspätung von lediglich zehn Minuten entstanden.
Daniel Thomas, Mitarbeiter des Bahnreisebüros Gleisnost und Passagier im ICE 875, sagt: "Der ICE ist mit mindestens Tempo 120 durch den hell erleuchtenden Hauptbahnhof durchgerauscht". Thomas konnte erst nicht glauben und dachte sich: "Das da draußen ist doch nicht Emmendingen". Als er die "Novotel"-Reklame am Fenster vorbeihuschen sah, war ihm klar: Da läuft etwas schief.
Ein anderer Freiburger stand am Bahnsteig, um eine Passagierin abzuholen. Doch der Zug fuhr an den verdutzten Wartenden vorbei aus dem Bahnhof heraus. Dem Lokführer muss dann der Irrtum aufgefallen ist: "Es gab dann die schärfste Bremsung, die möglich ist", berichtet Zugpassagier Thomas, der einst bei der Bahn gearbeitet hat und sich auskennt. Über Durchsage kam dann eine Entschuldigung, die meisten Fahrgäste hatten bis dahin noch gar nicht realisiert, dass der ICE zu weit gefahren war.
Werbung
Der Stuttgarter Bahnsprecher vermutet, dass der Lokführer möglicherweise ein Kilometerschild, bei dem die Bremsung manuell eingeleitet werden muss, übersehen oder falsch gedeutet hat. Der Ärger bei den Passagieren hielt sich aber trotz des ungewöhnlichen Umweges in Grenzen. Die meisten amüsierten sich über den Fauxpas: "Aber natürlich ist das auch immer ein Imageschaden für die Bahn", so Daniel Thomas.
Zumal Ähnliches der Bahn immer wieder widerfährt: Erst am Samstag hatte ein ICE seinen Halt in Wolfsburg verpasst – zum dritten Mal war damit die Autostadt von einer solchen Nachlässigkeit der Bahn betroffen. Im Gegensatz zu Freiburg war der Lokführer in dem Fall allerdings nicht umgekehrt. Die Breisgaumetropole hält aber mit: Bereits 2002 und 2008 haben ICE-Züge den Stopp im Hauptbahnhof verpasst. Nach dem Verbremsen am Montagabend herrscht damit im Duell zwischen Freiburg und Wolfsburg wieder Gleichstand 3:3.
Autor: Joachim Röderer
