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29. Dezember 2008

Idylle mit dunklen Seiten

BZ-SERIE "Zahlen, bitte" (4): Freiburg ist ziemlich kriminell – nicht nur wegen der Fahrraddiebe

Bächle, Gässle, Achtele, Münster – Freiburg hat einen hohen Niedlichkeitsfaktor als Wohlfühlstadt und Öko-Kapitale. Eine Statistik spricht da aber eine ganz andere Sprache: Freiburg ist die kriminellste Stadt in Baden-Württemberg. Seit Jahren liegt Freiburg bei der Zahl der Straftaten im Verhältnis zur Einwohnerzahl an der Spitze. Warum dies so ist, auf diese Frage finden selbst Experten keine eindeutigen Antworten.

In Freiburg hört man oft, Freiburg liege deshalb im Kriminal-Ranking vorne, weil in Freiburg so viele Zweiräder gestohlen werden. Die Zahlen sind in der Tat beeindruckend: Rein statistisch wird in Freiburg alle vier Stunden ein Fahrrad gestohlen. Im Vorjahr sind die Raddiebstähle immerhin um knapp sechs Prozent auf 2192 gemeldete Fälle zurückgegangen. Das Allzeithoch wurde übrigens 1994 mit 4633 gestohlenen Zweirädern erreicht. Die Fahrraddiebstähle hielten zuletzt einen Anteil von 7,9 Prozent an allen Straftaten.

Ist das nun viel oder wenig? Nun, alles ist relativ. Blicken wir in die Fahrradhauptstadt Münster in Westfalen. In Münster (273 000 Einwohner) sind im vergangenen Jahr 5733 Fahrräder gestohlen worden, also fast 16 jeden Tag. Die Fahrraddiebstähle halten in Münster einen Anteil von 20 Prozent (!) an allen Straftaten. Dennoch: Nimmt man alle Straftaten im Verhältnis zur Einwohnerzahl zusammen, liegt Münster in der Gesamtstatistik deutlich hinter Freiburg.

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Oder schauen wir auf Stuttgart. In der Landeshauptstadt mit knapp 600 000 Einwohnern sind im Vorjahr nur 888 Fahrräder gestohlen worden – also nicht einmal drei am Tag. Die Zahl wird noch spannender, wenn man sie ins Verhältnis zur Stadtgröße setzt: In Stuttgart werden pro Jahr auf 100 000 Einwohner 149 Räder gestohlen, in Freiburg dagegen 1007.

Nehmen wir die Fahrraddiebstahl-Zahlen für einen Versuch: Nur mal angenommen, Freiburg hätte so niedrige Werte wie Stuttgart, wie würde das die Gesamtstatistik verändern? Nun, unterm Strich hätte Freiburg insgesamt immer noch die höchste Kriminalitätsrate in Baden-Württemberg, zwar nur noch knapp vor Mannheim, aber immer noch deutlich vor Stuttgart. Das wiederum bedeutet: Die Fahrrad-Diebstähle vergrößern den Freiburger Vorsprung, sind aber nicht ausschlaggebend für den ersten Platz.

Seit 1974 hat die Zahl der Straftaten in Freiburg um 69 Prozent zugenommen. Die Zahl der Körperverletzungen – ein weiteres Freiburger Problem – hat sich seit 1974 mehr als versechsfacht. Nirgendwo lebt es sich gefährlicher im Land als in Freiburg: Im vergangenen Jahr sind 1726 von 100 000 Einwohnern Opfer einer Straftat geworden. In Stuttgart liegt dieser so genannte Gefährdungsquotient bei 1674, in Mannheim bei 1362, in Karlsruhe bei 1121, im Landkreis Emmendingen bei 769 und im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald nur bei 763.
Morgen lesen Sie, welche Stadtteile in Freiburg wachsen – und welche immer mehr Einwohner verlieren.

Autor: Joachim Röderer