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25. September 2010
50 Mal Freiburg
Im "Löwen" brennt noch Licht
Das Gasthaus in der Herrenstraße hat bis 3 Uhr auf. Die Schweinshaxe gilt als legendär.
Wer nachts in Freiburg einen Bärenhunger bekommt, landet oft im "Löwen" in der Herrenstraße. Das Hotel-Restaurant in der Altstadt versorgt die Hungrigen dieser Stadt mit durchgehend warmer Küche von 11 bis 3 Uhr, an sieben Tagen die Woche – und das seit mehr als vier Jahrzehnten. Legendär ist die Schweinshaxe im "Löwen" – diese Spezialität hat dem Haus sogar eine Erwähnung in einem japanischen Reiseführer eingebracht, schmunzelt Ingo Munkelt, der seit 1968 das Lokal führt und längst noch keine Ermüdungserscheinungen zeigt.
Ingo Munkelt weiß noch, wie ihn der damalige Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung verständnislos anblickte, als er die Dauer-Sperrzeitverkürzung bis 3 Uhr beantragte. "Wer soll denn um diese Zeit noch in ein Lokal kommen?" fragte der Mann vom Amt. Nun, Polizisten, Krankenschwestern, Gastronomen, Nachtschwärmer – eben alle, die nach ihrer Spätschicht noch Hunger haben, dachte sich Ingo Munkelt. Seine Rechnung ging auf: Das Angebot wird bis heute angenommen. Aber trotzdem ist der "Löwen" kein Nachtlokal, sagt Uschi Kauther, seit 25 Jahren die Frau an der Seite des Löwenchefs: "Unser Hauptgeschäft machen wir mittags und mit dem normalen Abendessen." Der Bezug zu den Gästen sei wichtig, meint sie. Lokale, die jahrzehntelang vom gleichen Wirt geführt werden, sind in Freiburg rar geworden. Uschi und Ingo, wie sie hier alle nennen, sind mit dem Herzen bei der Sache. Mittlerweile ist auch Sohn Christian – er hat auf der noblen "Bühlerhöhe"gelernt – in den Betrieb mit eingestiegen.
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Ingo Munkelt stammt aus dem Fränkischen, ist gelernter Hotelkaufmann, führte als jüngster Direktor ein Hilton-Hotel, dann das Berliner Kongresszentrum. Bis ihn 1968 der "Löwen" rief. Sechs Jahre später kaufte er das Haus. Nebenbei bewirtete er zeitweise noch das Möslestadion. Das war in jenen Jahren, als Freiburger FC und SC Freiburg gemeinsam in der Zweiten Liga und im Mösle spielten. Die Onkels mütterlicherseits von Ingo Munkelt sind die bekannten Jazzmusiker Rolf und Joachim Kühn. Joachim Kühn ist Pianist, sein Bruder Rolf Klarinettist. Der trat mit Benny Goodman auf und war lange mit der Schauspielerin Judy Winter verheiratet. Waren die Kühns in Freiburg, kamen sie natürlich in den "Löwen", der so zum Treffpunkt für viele Stars und Künstler wurde. Die ganze Gaststube ist getäfelt mit Bildern prominenter Löwen-Gäste: Udo Jürgens kommt immer noch regelmäßig und bestellt stets Forellenfilet. Chris de Burgh war erst neulich wieder da. Franz Beckenbauer lächelt von der Wand, ebenso Peter Alexander, Udo Lindenberg und viele mehr. Udo Lattek ist ein enger Freund von Ingo Munkelt. Wenn die Fußballtrainerlegende zu Gast ist, spendiert er anwesenden Studenten auch schon mal eine Schweinshaxe. Diese Löwen-Spezialität wird übrigens mit Sauce Béarnaise serviert. Munkelt entdeckte die Kombination einst im Lokal "Au Pied de Cochon", einer Institution in Les Halles in Paris. Und nahm die Idee nach Freiburg mit.
Autor: Joachim Röderer


