Vereint im Verein

„Tritta – Verein für feministische Mädchenarbeit“ feiert mit einem Jahr Verspätung das 30-jährige Bestehen

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 28. Juni 2017

Freiburg

Eigentlich wäre im vergangenen Jahr das Feiern dran gewesen: Da wurde „Tritta“, der Verein für feministische Mädchenarbeit in der Basler Straße 8, nämlich 30 Jahre alt. Doch 2016 war zu viel anderes zu tun – unter anderem, weil spontan zwei neue Gruppen für geflüchtete Mädchen und junge Frauen ins Leben gerufen wurden. Darum findet das Jubiläumsfest ein Jahr später statt, am kommenden Samstag ist es soweit.

WIEHRE. Und das ganze Jahr über gibt’s ein sehr facettenreiches Programm mit Vorträgen, Workshops und anderen Aktionen rund um feministische Themen.

Von einem großen Fest geträumt haben sie lange – jetzt wird es Wirklichkeit im Jugendzentrum Juks in St. Georgen: Nachmittags können Jüngere zwischen 8 und 18 Jahren unter anderem Baumklettern und Stockkampf ausprobieren, ab 18 Uhr beginnen die Konzerte (siehe Textende). Bei allem sind nur Mädchen und Frauen willkommen, zudem im Sinne des Transgender-Gedankens ebenso alle, die sich so fühlen – nicht aber Jungs und Männer. Zwar bietet "Tritta" manchmal auch Wen-Do-Kurse für Jungs an, und die "Tritta"-Frauen arbeiten natürlich mit Männern zusammen. Und doch: Für die Mädchen und Frauen soll es beim Fest so sein wie immer, wenn sie mit "Tritta" zu tun haben, und das heißt, dass geschlechtergetrennt gearbeitet wird. Da waren sich die sechs Fest-Organisatorinnen einig.

Außer der Sozialpädagogin Martina Hocke, die seit 18 Jahren für "Tritta" arbeitet und sich eine volle Stelle mit einer Kollegin teilt, gehören zum Fest-Team überwiegend Honorarkräfte: Jenny Warneke, Kathrin Hälker und Lise Hellmold arbeiten auf Stundenbasis, Katja Wagner ist Studentin der Erziehungswissenschaften im Praxissemester und Lenja Haas eine "geringfügig Beschäftigte". Auch der Alltag ist stark von Honorarkräften geprägt: Rund 25 gibt es, sie sorgen mit ihren unterschiedlichen Spezialisierungen für das breite Spektrum der rund 30 bis 35"Tritta"-Angebote, die jährlich bis zu 650 Teilnehmerinnen erreichen. Zur klassischen Selbstverteidigung mit Wen-Do, die von Anfang an eine zentrale Bedeutung hatte, kamen unter anderem Mädchengruppen sowie Ferien- und Schulangebote mit vielen Elementen dazu.

Seit rund 17 Jahren konzentrieren sich die "Tritta"-Mitarbeiterinnen vor allem auf Werkreal- und Förderschulen, erzählt Martina Hocke – weil die Schülerinnen dort meist nicht so selbstverständlich mit den "Tritta"-Angeboten in Kontakt kämen wie die typischen Mittelschicht-Mädchen, die schon immer kamen. Die früher vorherrschende Orientierung aufs Geschlecht habe sich erweitert auf weitere Benachteiligungen. Seit ungefähr 2012 spiele außerdem die Geschlechtervielfalt eine wichtige Rolle, betont Martina Hocke: "Wir sind für alle da, die sich als Mädchen fühlen." Inzwischen gab’s mit Landesmitteln zwei speziell an Transgender-Jugendliche im gesamten Bundesland gerichtete Selbstverteidigungskurse. Von den 2016 neu eingerichteten Gruppen für geflüchtete Mädchen und Frauen hat sich eine für junge jesidische Frauen gehalten. Dazu kommen zwei Mädchengruppen an der Langemarckstraße und eine direkt in den "Tritta"-Räumen.

Weiter gestiegen sei das Interesse an Wen-Do-Kursen – nicht erst seit den Sicherheits-Diskussionen nach den Morden im vergangenen Herbst, sagt Martina Hocke. Auch die Bedeutung feministischer Themen habe sich in den vergangenen Jahren gewandelt – von der Marginalisierung hin zu neuen, starken Bewegungen vor allem jüngerer Frauen. Zu diskutieren gäbe es viel: Das zeigt die Bandbreite des ganzjährigen Jubiläumsprogramms mit Vorträgen zu Themen von "Dickenfeindlichkeit" bis zu "Geschlechterreflektierte Pädagogik gegen Rechts".

"Jubiläumsfest 30+1": Samstag, 1. Juli, im Juks St. Georgen, Bozener Straße 18. Ab 14 Uhr mit Angeboten für Mädchen von 8 bis 18 Jahren, ab 18 Uhr für alle Mädchen und Frauen, Konzerte mit No.me & Aino, Future Girls und Bernadette La Hengst. Der Eintritt ist frei.