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03. März 2017 09:30 Uhr

Neuer Stadtteil für Freiburg

In Dietenbach sollen mehr als 12.500 Menschen wohnen

Finanzloch gestopft, Hürden genommen: Anfang April soll der Freiburger Gemeinderat den Startschuss für den städtebaulichen Wettbewerb zum neuen Stadtteil Dietenbach geben.

  1. Das Finanzierungsloch von 56 Millionen Euro für den geplanten Stadtteil Dietenbach ist, zumindest rechnerisch, gestopft. Foto: Thomas Kunz

Auch eine weitere Hürde für das Baugebiet im Freiburger Westen ist genommen: Das Finanzierungsloch von 56 Millionen Euro ist, zumindest rechnerisch, gestopft. "Punktlandung", kommentierte Oberbürgermeister Dieter Salomon.

Während Freiburg unter der Wohnungsnot ächzt, laufen die Planungen für den neuen Stadtteil Dietenbach zwischen Rieselfeld, Besançonallee, B 31 und Mundenhof. 164 Hektar ist er groß, rund 107 Hektar werden bebaut – 55 Prozent mit Gebäuden, 45 Prozent mit Infrastruktur wie Kindergärten, Sportflächen oder Einkaufsmöglichkeiten.

Drei große Hürden hatten die Planer im Vorfeld zu nehmen: Dietenbach ist Überschwemmungsgebiet, die Flächen gehören zu großen Teilen 412 privaten Eigentümern und in einer ersten Kostenschätzung fehlten zur Finanzierung 56 Millionen Euro.

Alle drei Hürden genommen

So wie es aussieht, wurden alle drei Hürden genommen. Eine Flutmulde am Dietenbach beugt laut Planungen Überschwemmungen vor; die Sparkasse kauft mittels eines Kooperationsmodells das Land der privaten Eigentümer (die BZ berichtete). Und, verkündeten Oberbürgermeister Dieter Salomon und Baubürgermeister Martin Haag zusammen mit Annette Schubert, Leiterin der Projektgruppe Dietenbach, am Donnerstag: Auch das 56-Millionen-Euro-Loch bei der Finanzierung ist gestopft.

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614 Millionen Euro soll der neue Stadtteil kosten, 558 Millionen Euro Einnahmen hatte man errechnet – blieb ein Minus von 56 Millionen. "Nach einer langen Prüfungsphase", so Baubürgermeister Haag, habe man das Delta in der Kosten- und Finanzierungsrechnung schließen können. Sprich: Die Planer mussten an allen möglichen Stellschrauben drehen, um das hinzukriegen.

Wohnungen für mehr als 12 500 Menschen

So verlegen sie zum Beispiel Hochspannungsleitungen nach außerhalb des Baugebiets und gewinnen so zwei Hektar, die sie zusätzlich bebauen können – macht 7 bis 9 Millionen Euro zusätzlich. Sie haben die Gemeinschaftsschule in Dietenbach von sechs auf vier Züge reduziert und dafür zwei Züge auf den Rest der Stadt verteilt – spart 24 bis 27 Millionen Euro. Das Gewerbegebiet soll größer werden, das bringt 1,5 Millionen Euro zusätzlich. Am Ausbau der B 31a soll sich der Bund beteiligen, das spart bis zu 5 Millionen Euro. Dann wurde der finanzielle Puffer für Unvorhergesehenes verkleinert, das bringt bis zu 9 Millionen Euro, und die Sollzinsen für die Kredite werden günstiger – 8 Millionen Euro. "Schlussendlich kommen wir bei einer Spanne von minus 6,5 Millionen Euro bis plus 3 Millionen Euro raus", so Projektleiterin Annette Schubert – die Punktlandung.

Der Gemeinderat soll nun am 4. April all dies genehmigen – und auch den städtebaulichen Wettbewerb (siehe Infokasten). Wenn der Siegerentwurf aus diesem Wettbewerb Ende 2018 steht, wird man grob wissen, wo in Dietenbach was hinkommt.

Jetzt schon steht fest, dass die Bauten drei- bis sechsgeschossig werden – urban, kompakt und dicht wird die Bebauung sein, mit Quartierparks und Innenhöfen, möglichst autoarm und klimaneutral. "Wir können uns aber an passenden Stellen auch höhere Gebäude vorstellen, wenn sie gut gemacht sind", so Schubert. Baubürgermeister Haag ergänzt: "Wenn mehr als 12 500 Leute unterkommen, sind wir auch nicht böse."
Der Wettbewerb

Am 4. April 2017 beschließt der Gemeinderat den städtebaulichen Wettbewerb zu Dietenbach.

Mitte 2017 können sich 22 Teams aus Stadtplanern, Architekten und Landschaftsplanern dafür bewerben; acht weitere Teams werden wegen ihrer Erfahrung mit solchen großen Aufgaben von Verwaltung und Fachbeirat bestimmt.

Ende 2017 wählt eine Jury die besten drei bis sieben aus den 30 Entwürfen aus.

Anfang 2018 können Bürgerinnen und Bürger im Rahmen einer Infoveranstaltung ("Bürgerforum") den ausgewählten Büros ihre Wünsche mitgeben; auch der Runde Tisch kann Vorschläge machen. Anschließend überarbeiten die ausgewählten Büros ihre Entwürfe.

Ende 2018 wird der Siegerentwurf gekürt.

Danach beginnt für die Stadtverwaltung die rund vierjährige Bebauungsplanphase. Der konkrete Baubeginn für Dietenbach ist noch unklar, frühester Termin wäre 2022.

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Autor: Simone Lutz