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22. Juli 2009

Thüga

Initiative "Energie in Bürgerhand" verwundert über Badenova-Chef

Die genossenschaftliche Initiative, die sich an der Thüga AG beteiligen will, ist verstimmt. Sie widerspricht dem Eindruck, den Badenova-Chef Thorsten Radensleben am Montag erweckt hatte, wonach die Genossenschaft mit ihrem Ansinnen kaum Chancen habe.

Die genossenschaftliche Initiative, die sich an der Thüga AG beteiligen will, ist verstimmt. Sie widerspricht dem Eindruck, den Badenova-Chef Thorsten Radensleben am Montag erweckt hatte, wonach die Genossenschaft mit ihrem Ansinnen kaum Chancen habe. Es gebe die Übereinkunft mit Badenova, dass die Initiative "Energie in Bürgerhand" zu einem späteren Zeitpunkt Thüga-Aktionär werden soll, sagte Genossenschaftsvorstand Burghard Flieger gestern gegenüber der BZ. Der Badenova-Vorstand habe sogar versichert, dass das Engagement willkommen sei.

Die Zahl jener, die in "Energie in Bürgerhand" investieren wollen, wächst täglich, berichtet Eckhard Tröger. Der Vorstand der gleichnamigen Genossenschaft zählte allein am Montag 250 Einverständniserklärungen, gestern waren es 200 und noch einmal so viele liegen im Briefkasten. Inzwischen hat die Initiative eine Hilfskraft angestellt. Rund vier Millionen Euro liegen laut Tröger auf dem eigens eingerichteten Treuhandkonto, weitere zehn Millionen seien rechtsverbindlich zugesagt. "Ich bin sicher, dass wir die erste Etappe mit 100 Millionen Euro schaffen." Ziel ist, mit weiteren Krediten Thüga-Anteile für etwa 350 Millionen Euro zu kaufen. Das wären um die acht Prozent.

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Zunächst wollte die Initiative bei der anstehenden Bieterrunde der regionalen Energieversorger dabei sein. Doch die Zeit war zu knapp. "Schon am 3. Juli haben wir uns mit Badenova verständigt, dass wir die Thüga-Anteile von den neuen kommunalen Gesellschaftern kaufen", sagt der zweite Genossenschaftsvorstand Burghard Flieger. Daran habe der Energieversorger großes Interesse signalisiert, da dies die Finanzierung des Milliardendeals auf ein breiteres Fundament stelle.

Davon war in der Bilanzpressekonferenz von Badenova am Montag nicht die Rede. Aufgrund fehlender Informationen könne die Initiative angesichts des aktuellen Verhandlungsstands nicht am angestrebten Thüga-Kauf beteiligt werden, hatte Vorstandssprecher Thorsten Radensleben mitgeteilt (die BZ berichtete gestern). Ein späterer Einstieg sei allerdings "nicht ausgeschlossen".

Das hat die Genossen verwundert. Denn beide Seiten seien sich einig gewesen, eine Absichtserklärung zu formulieren, wie die Initiative zu einem späteren Einstieg zum Zuge kommen könnte. Die lässt noch auf sich warten, räumt Genosse Eckhard Tröger ein. "Wir sind halt eine ehrenamtliche Truppe."

Badenova-Sprecher Roland Weis nahm gestern Dampf aus dem Kessel. Der regionale Versorger habe große Sympathien für die Genossenschaft. Sobald ein Vorschlag auf dem Tisch liege, werde er geprüft. Doch einem Thüga-Einstieg der Initiative müssten auch die anderen kommunalen Energieversorger zustimmen. "Wir wollen mithelfen, den Weg dahin zu ebnen", sagte Weis.

Thüga

Die Thüringische Gasgesellschaft mit Sitz in München ist ein Tochterunternehmen des Düsseldorfer Konzerns Eon. Sie ist an 110 kommunalen Energieversorgern beteiligt. An Badenova hält sie 47 Prozent. Eon will die Thüga AG wegen kartellrechtlicher Probleme verkaufen. Im Gespräch ist ein Preis von vier Milliarden Euro. Gemeinsam mitbieten wollen zwei Konsortien mit kommunalen Energieversorgern, darunter Badenova. Der Gemeinderat hat am 31. März grünes Licht gegeben, aber die Obergrenze bei 100 Millionen Euro gezogen. Mitte März formierte sich die Initiative "Energie in Bürgerhand", die nun eine Genossenschaft ist. Sie will möglichst viele Thüga-Anteile erwerben, um eine ökologisch und sozial ausgerichtete Energieversorgung stärken.


Autor: Uwe Mauch