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24. August 2009 12:12 Uhr
Marktmeister contra CDU-Chefin
Kanzlerin Merkel in Freiburg am falschen Platz?
Angela Merkel kommt am 3. September nach Freiburg. Ihren Auftritt zur Mittagszeit muss sie auf dem kleinen Rathausplatz absolvieren, den Münsterplatz gab der Marktmeister nicht frei, sagt die CDU. Der Marktmeister widerspricht dieser Darstellung.
Die Gesetze der Freiburger Markt-Wirtschaft sind hart und sie gelten auch für eine Bundeskanzlerin: Weil ihr Auftritt mit dem Münstermarkt kollidiert wäre, muss Angela Merkel bei ihrem Wahlkampfauftritt am Mittag des 3. September auf den kleineren Rathausplatz ausweichen. Dessen Kapazität ist derzeit zudem noch eingeschränkt, weil dort wegen des Rathausumbaus ein Zelt für die Tourist Info steht. Nur für 1500 Zuhörer wird Platz sein, schätzt die Polizei. Wer an der falschen Platzwahl nun Schuld trägt, darüber wird gestritten.
Für die Bundeskanzlerin wird es also in Freiburg richtig eng. Nach den Wahlkampfauftritten der Kanzlerin in anderen Städten kann man davon ausgehen, dass es bei ihrem einzigen Auftritt in Südbaden ein echtes Platzproblem geben könnte: In Münster in Westfalen – mit Freiburg durchaus vergleichbar – kamen in der vergangenen Woche 3000 Zuhörer, in Plauen in Sachsen 5000, auf der Insel Norderney 1500. "Und zu einer Autogrammstunde auf Sylt strömten 2500 Leute", berichtet Daniel Sander, CDU-Wahlkreiskandidat. Auch er war nach eigener Aussage völlig überrascht, dass die Freiburg Wirtschaft Messe und Touristik (FWTM) den Münsterplatz für die Kanzlerin nicht hergeben wollte – mit Rücksicht auf den Münstermarkt: "Der Marktmeister hat gesagt, es geht nicht", erinnert sich Sander an den Ortstermin. Übrigens: Im Wahlkampf vor vier Jahren redete Merkel abends auf der Nordseite des Münsterplatzes. Damals war sie "nur" Kanzlerkandidatin, dennoch wollten sie 5000 Freiburgerinnen und Freiburger hören.Werbung
Die FWTM widersprach gestern energisch der Darstellung, der Auftritt der Kanzlerin sei am Münstermarkt und dem Veto der FWTM gescheitert: "Es war nie davon die Rede, dass die Kanzlerin nicht auf den Münsterplatz kann", berichtet Jürgen Maier, der bei der FWTM für die Märkte zuständig ist. Er habe, so sagt er, lediglich darauf hingewiesen, dass zum Beginn der Kundgebung um 13.30 Uhr der Abbau der Marktstände mit der Zu- und Abfahrt der Händler beginne. Maier: "Ich hatte den Satz noch nicht zu Ende gesprochen – da hatte sich der Wahlkampfmanager schon für den Rathausplatz entschieden." Ergo: Nicht die FWTM habe den Münsterplatz abgelehnt, sondern die CDU-Bundesgeschäftsstelle.
Der Augustinerplatz schied im Übrigen von vorneherein wegen seiner Abschüssigkeit aus, heißt es. Der Rathausplatz hat jedoch derzeit das Problem, dass dort das zehn Mal zehn Meter große Zelt der provisorischen Tourist Info steht. Zudem versperren Kastanienbäume die freie Sicht, genauso wie Bertold Schwarz samt Brunnen. Jedenfalls versuchte man im Rathaus am Tag nach dem Ortstermin noch einmal mit Nachdruck, den Münsterplatz ins Spiel zu bringen. Aber weder die CDU-Zentrale noch das Bundeskriminalamt wollten die getroffene Platzwahl ändern.
Daniel Sander erwartet 2000 bis 4000 Besucher bei der Wahlkundgebung. Doch die würden nie und nimmer auf den Rathausplatz passen. Der ist mit maximal 1500 Besucher randvoll, sagt Patrick Rieß, stellvertretender Leiter des Polizeireviers Nord. "Der Rathausplatz war nicht unsere Idee", erklärt er. "Wir haben unsere Bedenken vorgetragen und hätten mit dem Münsterplatz gut leben können." So sieht es auch Walter Rubsamen, der Chef des Amtes für öffentliche Ordnung. Die Polizei rechnet damit, dass die Zugangsstraßen zum Rathausplatz wie Rathausgasse, Merian- oder Universitätsstraße verstopft sein werden. Die Kanzlerin wird am Donnerstag, 3. September, auftreten, also noch in der Ferienzeit und zu einer Uhrzeit, zu der viele Freiburger ihre Mittagspause zum "Kanzlerin Gucken" nutzen könnten – so sie Platz auf dem Rathausplatz finden.
Autor: Joachim Röderer
