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08. Januar 2010 08:10 Uhr

Kinderbanden

Wie sich das Leben von Einbruchsopfern verändert

Die Serie von Kindereinbrüchen in Freiburg reißt nicht ab. Aber warum geht niemand das Problem an, das doch schon seit Jahren bekannt ist? Das fragt ein Zähringer Hausbesitzer, bei dem schon zweimal Diebe eingestiegen sind.

Warum legt niemand den Straßburger Einbruchsfamilienunternehmen das Handwerk? Das fragt – nennen wir ihn so – Herr Müller aus Zähringen, bei dem jetzt innerhalb von fünf Jahren zum zweiten Mal Kindereinbrecher eingestiegen sind.

Die Täter, die in Zweiergruppen losziehen, sind meist so jung, dass sie folgenlos zu Serientätern werden können, so wie jener Halbwüchsige, den Herr Müller 2004 in seinem Haus ertappte. Nun kamen schon wieder solche Kinder, an einem Vormittag. Den Familienhund, der zu Hause war, hatten sie vermutlich vorübergehend außer Gefecht gesetzt. Sie suchten nach Euro und Gold. Schweizer Franken und kroatische Kuna interessierten sie im Haus von Herrn Müller nicht, auch nicht eine Perlenkette. Zwei Digitalkameras, Unterhaltungselektronik, Hausschlüssel oder Bankcard blieben zurück, obwohl sie von den Tätern entdeckt worden waren.

Der Familienvater fragt sich, wie sich die Täter überhaupt in einer für sie fremden Stadt orientieren können. Die Polizei geht davon aus, dass Hinterleute auch vor Ort sind und die Beute sofort abnehmen. Bei verhafteten Kindern werde meist nur das Diebesgut von einem einzigen Einbruch sichergestellt, berichtet Ulrich Heffner vom Landeskriminalamt.

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Herr Müller hat Bekannten vom neuerlichen Einbruch berichtet. Verschiedene Gesprächspartner hätten ihm dabei offenbart, dass sie selbst auch schon Opfer von Einbrechern geworden seien. Sie hätten zuvor aber nie darüber gesprochen, weil es ihnen peinlich gewesen sei. Sie fühlten sich als Opfer, geschädigt, ihr Leben habe sich – zumindest zeitweilig – unangenehm verändert, sagen sie. Ein Frau gehe nach der Arbeit erst in ihre Wohnung, wenn der Lebenspartner ebenfalls nach Hause komme. Andere Leute gingen erst um das Haus herum, suchten von außen nach Einbruchsspuren, um nicht einen Einbrecher anzutreffen. "Auch ich schaue bei geparkten Autos mit französischem Kennzeichen eher drei Mal hin", sagt Herr Müller. "Und wenn ich auswärts, unterwegs oder im Urlaub bin, dann denke ich – tja, an was wohl?"

Der Zähringer Hausbesitzer hatte durch seine beiden Einbruchsfälle auch mit der Polizei zu tun. "Bei mir klang Resignation, Frustration und Wut durch", berichtet er. Die Polizei habe durch die Einbrüche viel Arbeit, kläre sie auf, verhafte die Täter – die wieder freikommen. Dann gehe es wieder von vorne los.

Die Einbrecher, die er damals festhielt, waren Analphabeten, sagt Herr Müller. Es waren Jugendliche voller Angst, denen Bildung, Beruf, Lebensperspektive auf Dauer vorenthalten würden: "Durch ihre eigenen Eltern, aber sicher auch irgendwo von einer französischen und auch einer deutschen Gesellschaft, die an diesem Problem bisher nichts wirklich ändern will."

SCHUTZ GEGEN EINBRECHER
Tipps zum Sichern der Wohnung gibt es bei der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle im Haus der Polizeidirektion an der Heinrich-von-Stephan-Straße 4. Diese Spezialisten kommen auch gerne ins Haus oder die Wohnung und helfen Schwachstellen aufzudecken

Dieser Service ist kostenfrei.
Notwendig ist jedoch eine Terminvereinbarung unter Tel. 0761/882-4191. Tipps zum sicheren Wohnen gibt es auch im Internet unter
http://www.polizei-beratung.de

Autor: Joachim Röderer