Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
29. Juni 2010 17:36 Uhr
Lautes Wohnen
Leben im Lärm: Was Freiburger an der Hauptverkehrsstraße hält
Laster donnern vorbei, Autos hupen, es stinkt nach Ruß – wer hierher zieht, ist selber schuld. Und doch: An Freiburgs Hauptverkehrsstraßen wohnen viele Menschen, und zwar aus den unterschiedlichsten Motiven.
Wem es nicht ruhig genug ist, der muss halt wegziehen. Oder: Wer da hingezogen ist, wusste doch, dass es laut ist. Dreisamstraße, Schützenalleetunnel, Stadion – wenn sich Innenstadtbewohner über Lärm beschweren, dauert es nicht lange, bis ihnen ihre Entscheidung für die laute Wohnlage als Argument entgegen gehalten wird. Viele Anwohner sehen das anders und beharren darauf, auch an lauten Ecken ein Recht auf Ruhe zu haben. Warum kämpfen sie lieber gegen Lärm, als sich eine ruhigere Wohnung zu suchen?
Werbung
Es gehe ihm nicht darum, dass der Verkehr verschwinde, sagt Höllwarth. Wolle man aber, dass die Innenstadt bewohnbar bleibt, brauche es eine Entlastung der Anwohner – "sonst macht man sich die Stadt kaputt". Gemeinsam mit Nachbarn hat sich Höllwarth unter anderem für das nächtliche Tempolimit von 30 Stundenkilometern eingesetzt, das seit Mai zwischen Kronenbrücke und Schützenalleetunnel gilt.
Einer dieser Nachbarn ist Peter Gugelmeier, der 63-jährige Lehrer ist schon in dem Haus an der Dreisamstraße aufgewachsen. Auch er will dort nicht wegziehen, sondern sieht Stadt und Regierungspräsidium in der Pflicht, die Anwohner zu entlasten: "Den Transitverkehr mit 40-Tonnern brauchen wir nicht in der Stadt", sagt er. Viele Speditionen, vermutet Gugelmeier, wollten nur die Autobahnmaut sparen. Deshalb ist er für eine Maut auch auf Bundesstraßen, er möchte, dass das Tempolimit besser kontrolliert wird, und auch über intelligentere Steuerung der Ampeln könne Lärm vermieden werden.
Interaktive Audiokarte: So laut ist es in Freiburg
Bei Klaus Schwenninger ist es ruhig – meistens. Er wohnt in einer Seitenstraße neben dem Badenova-Stadion. "Wir müssen halt immer dran denken, wann ein Spiel ist, dann müssen wir vor zwölf Uhr wieder zuhause sein, sonst kommen wir nicht mehr durch." Ärgerlich seien der Verkehr und der Lärm rund um die Spiele schon; ein Umzug ist auch für ihn trotzdem kein Thema: "Wir haben immer gesagt: Das hier ist ein reines Wohngebiet. Und wir waren zuerst da."
Schwenninger hofft darauf, dass bei weiteren Planungen die Interessen der Anwohner berücksichtigt werden – und dass sich die Vuvuzelas in der Bundesliga nicht durchsetzen. Ansonsten müsse man sich halt arrangieren: "Die Situation ist nun mal, wie sie ist."
- Tempo 30: Freiburg bremst Autofahrer aus
- Freiburg: Die lautesten Stellen in der Stadt
Autor: Thomas Goebel
