Lebenslang für Nasr-Eddine B.

Bernd Peters

Von Bernd Peters

So, 22. April 2018

Teningen

Der Sonntag Landgericht Freiburg verurteilt Krankenpfleger im Teninger Doppelmordprozess.

Das Landgericht Freiburg hat am Freitag den 53 Jahre alten Krankenpfleger Nasr-Eddine B. für den Mord an seiner ehemaligen Partnerin Anne M. (39) und das Totschlagdelikt am gemeinsamen Sohn Noah (4) zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Außerdem erkannte das Gericht auf versuchte Kindesentziehung und stellte die besondere Schwere der Schuld des Angeklagten fest, der somit nicht vorzeitig aus der Haft freikommen kann.

Staatsanwalt Thomas Orschitt, der von einem Doppelmord ausgegangen war, und Verteidiger Klaus Malek, der in beiden Fällen auf Totschlag plädiert hatte, ließen eine mögliche Revision gegen das Urteil zunächst offen. Richterin Eva Kleine-Cosack kam in ihrer Urteilsbegründung zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte zunächst nur die Tötung der Frau zumindest billigend in Kauf genommen habe. Seinem Sohn habe er eigentlich nichts tun wollen, da er mit ihm nach Algerien flüchten wollte. Er habe die Frau dann erstochen, um die Entführung Noahs zu ermöglichen, was dem Mordmerkmal der Tötung zur Ermöglichung einer weiteren Straftat entspreche. Zur Tötung des Buben sagte Kleine-Cosack, dass zumindest nicht auszuschließen sei, dass der ansonsten voll schuldfähige B. in einer krankhaft-narzisstischen Selbstüberschätzung das Kind umgebracht habe, weil er überzeugt war, dass niemand außer ihm wisse, was gut für den Vierjährigen sei.

Nasr-Eddine B. hatte die Taten am 28. Juli 2017 begangen: Er tötete seine Opfer mit einem Küchenmesser mit 20 Zentimeter langer Klinge. Man könne nur hoffen, so Kleine-Cosack, dass Noah nicht völlig bewusst war, was sich da vor seinen Augen abspielte. Hintergrund der Tat war, dass Anne M. mit Noah aus der Wohnung der Familie ausgezogen war und ein Annäherungsverbot für Nasr-Eddine B. erwirkt hatte, nachdem dieser sie bedroht hatte. Bernd Peters