LEUTE

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Do, 26. Januar 2017

Freiburg

UNABHÄNGIGE LISTEN

Oud, Tabla und Saxophon gegen Trump-Kummer

Mit Mut zur Lücke hatte Michel Moos von der Linken Liste die Gäste des Neujahrsempfangs der drei Unabhängigen Listen (UL) begrüßt. Traditionell im Gewölbekeller der Elisabeth-Schneider-Stiftung im Weinschlösschen kommt hier Jahr für Jahr etliches aus Stadtpolitik, aus Einrichtungen und Initiativen zusammen. Außer den Gemeinderatskolleginnen und -kollegen aus allen Fraktionen inklusive Oberbürgermeister Dieter Salomon nannte Moos nur einige wenige sozusagen stellvertretend für alle. Statt detailgenauer Auflistung versprach er dann aber "viel besseres", nämlich Musik von einem exquisiten Trio: Shaffan Soleiman an der Oud, Ranjith Gunatilleke an der Tabla und Werner Englert am Saxophon. Und doch musste auf die hochkarätigen Wohlklänge die Ernüchterung folgen: Etliches vom Silvesterauftakt 2015/2016 bis zum Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt habe vieles dazu beigetragen, dass offenbar sämtliche Dämme brechen, konstatierte rückblickend Michel Moos, "da haben wir’s als Linke schwer – wir werden uns auch in Freiburg noch umsehen, wie sich das politische Klima verändert." Auch hinterm großen Teich: Trump in der Pose eines Volkstribuns. Und hier dann ein Höcke. Höchste Zeit also, um die Ecke zu denken – so das Motto des Fests zum Jahresauftakt. Zum Beispiel, indem ein Haus des Engagements zeige, wie Teilhabe und Einsatz für das demokratische und solidarische Miteinander unterstützt werde und gewollt sei, ebenso wie solidarische Bau- und Wohnformen. Es sei bei der 50-Prozent-Auflage für öffentlich geförderten Wohnbau das Schlupfloch für Investoren geblieben: "Der Investor kann zehn Prozent der Geschossfläche oder den entsprechenden Geldbetrag an die Stadt geben – das ist wie ein Ablass und unterläuft den Gemeinderatsbeschluss völlig." Dieses Schlupfloch gelte es zu stopfen, so Moos.

Und auch Irene Vogel, stellvertretende Vorsitzende der UL, forderte das Aushandeln von innovativen, sozialen Ideen und lenkte den Blick auf all die vielen Vorhaben der Stadt – und im Angesicht der Haushaltsdebatten die Unterfinanzierung dieser Vorhaben: Staudinger Neubau, Kronenbrücke, Stadion. Auch ihre Mahnung: Um die Ecke denken für solidarische Lösungen für mehr bezahlbare Wohnungen und mehr Kitaplätze. Lob für alle, die für eine engagierte Stadtgesellschaft stehen, besonders für die Quartiersarbeit, die allenthalben die Bewohner der Stadtteile hervorragend vernetze: "Wer nicht gut mit den Stadtteilen vernetzt ist, ist die Verwaltung."

Ganz zum Schluss komme wie immer die Kultur, hub dann Atai Keller von der Kulturliste (Kult) an: "Und dann soll sie auch noch aufmuntern!"Das tat er denn auch mit seiner Aufforderung, für die soziale Stadt um die Ecke zu denken, humorvoll und subversiv könne da die Kunst von Nutzen sein. Er nannte Freiburg eine Kunststadt. Und eine Stadt des Engagements. Das brauche ein Haus. Eine Ablehnung im Gemeinderat, so Keller, wäre ein fatales Zeichen der Entfernung des Gemeinderates zur Stadt. Ende. Applaus.

Knapp zwei Stunden Neujahrsempfang waren da vorüber, zwei gut gefüllte Buffettische warteten. Und so spielte denn das hinreißende Trio gegen die Lust auf Deftiges und das Bedürfnis nach Vernetzung und Austausch an: Leise schöne Töne verhallten kaum noch hörbar im Geplauder, das nun endlich Raum greifen wollte bei den vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer engagierten Stadtgesellschaft.