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02. Juni 2009 17:15 Uhr

Ravensburg und Heidelberg ziehen nach

Made in Freiburg: Exportschlager Alkoholverbot

Wer hat’s erfunden? Die Freiburger! Immer mehr Städte im Land kupfern die Alkoholverbots-Regelung ab. Zuletzt bediente sich Ravensburg beim Freiburger Modell, Heidelberg steht kurz davor.

  1. Draußen nur Sprudel: Im Bermuda-Dreieck gilt an Wochenendabenden das Alkoholverbot, das zu einem Freiburger Exportschlager geworden ist. Foto: Michael Bamberger

Seit 1.Januar 2008 gilt in Freiburg im Bermuda-Dreieck wochenends das Alkoholverbot. Die Polizei und die Stadt erhoffen sich davon, dass die Sauf- und Raufgelage eingedämmt werden – und sehen sich mittlerweile bestätigt. Die Wirksamkeit des Verbots ist in Freiburg jedoch nach wie vor umstritten. Dennoch macht das Freiburger Modell Schule und ist längst zu einer Art Exportschlager geworden. Städte wie Magdeburg, Marburg und zuletzt Düsseldorf haben sich das Freiburger Modell zum Vorbild genommen. Hamburg überlegte ebenfalls dem Beispiel zu folgen und die Reeperbahn, sozusagen Deutschlands bekanntestes Bermuda-Dreieck, trockenzulegen. Aber auch in Baden-Württemberg finden sich nun neue Abnehmer der Breisgauer Erfindung.

Die Stadt Ravensburg in Oberschwaben nämlich hat ein im Vergleich zum Freiburger Original deutlich verschärftes Konzept beschlossen, wenigstens für eine Testphase bis zum Herbst. Seit dem 1.Juni gilt während der Nacht in Ravensburg ein Aufenthalts- und Alkoholverbot auf mehr als 100 Plätzen. Betroffen sind Schulhöfe, Spielplätze und Parks. Dort darf sich zwischen 23 und 6 Uhr niemand mehr aufhalten. Ein privater Sicherheitsdienst patrouilliert und kontrolliert das Verbot. Mit dem strikten Vorgehen will die Stadt Ravensburg Alkoholgelage und Ruhestörungen wieder in den Griff bekommen. Nahezu täglich, so heißt es, hätten sich Bürger beschwert – auch wegen Scherben, Müll und Sachbeschädigungen. Nun beschweren sich aber auch viele Jugendliche. Sie sehen sich durch das Verbot gebrandmarkt und in ihrer Freiheit beschränkt.

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Auch die Studentenstadt Heidelberg will noch in diesem Sommer die Zügel anziehen. Die Stadt will das nächtliche Verkaufsverbot von Alkohol vorziehen, das in Baden-Württemberg von 2010 an gelten soll.Ausgelöst hat die Debatten in Heidelberg eine Feier von rund 300 Realschülern, die Ende April eine Wiese am Neckar in ein Scherbenmeer verwandelt hatten – und das am helllichten Tag. Das Rote Kreuz musste mehrere völlig betrunkene Schüler ins Krankenhaus bringen. Eine 13-Jährige wurde gar bewusstlos. Neben Realschülern würden aber auch Abiturienten und Studierende durch übermäßigen Alkoholkonsum auffallen, klagte ein Polizeisprecher.

Auch in Heidelberg überlegt man, den Alkoholkonsum außerhalb von Kneipen in bestimmten Straßen der Altstadt ganz grundsätzlich zu untersagen, so der zuständige Dezernent Bürgermeister Wolfgang Erichson (Grüne). Allerdings will die Stadt erst einmal abwarten, wie der Verwaltungsgerichtshof Mannheim am 23. Juli über das Freiburger Alkoholverbot entscheidet. Der Arbeitskreis "Kritischer Juristinnen und Juristen" klagt dagegen. In erster Instanz hatte die Stadt Freiburg jedoch Recht bekommen.

Autor: rö