Schauinsland-Station

MÜNSTERECK: Als damals die Wolke kam

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Do, 12. April 2018

Freiburg

Es war am 26. April 1986. Eine fatale Mischung aus Bedienfehlern und Konstruktionsmängeln führten zum Super-Gau im Atomkraftwerk Tschernobyl. Vier Tage später schlugen gut 1660 Kilometer entfernt auf dem Freiburger Schauinsland die Messgeräte aus. "Pfad neun steigt", meldete damals der diensthabende Diplomphysiker vom Hausberg ins Basiszentrum, das Institut für Atmosphärische Radioaktivität in der Rosastraße. Pfad neun zeigte die Bestrahlung an, die über dem natürlichen Pegel liegt. Ein Commodore-Rechner zeichnete die Daten auf, die Filter wurden ausgebaut und kamen unters sogenannte Gammaspektrometer. Die Freiburger Wissenschaftler waren die Ersten, die die kritischen Daten in die damalige Bundeshauptstadt nach Bonn übermittelten. Das machte das Institut bundesweit bekannt. Die Telefonleitungen war bald dauerbelegt. Wegen Nachfragen besorgter Bürger oder Anrufen echter oder vermeintlicher Experte. Weil immer besetzt war, kam auch die Außenstelle mit ihren Anrufen vom Schauinsland nicht mehr durch. Dabei war Anfang der 1980er-Jahre die Schließung des Instituts diskutiert worden, weil sich damals kein Träger mehr für Radioaktivität interessiert hatte. Von so leichtfertigen Entscheidungen ist das modernisierte Institut heute zum Glück nicht mehr bedroht.