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04. November 2014

Forschung

Neues naturwissenschaftliches Graduiertenkolleg an der Uni Freiburg

Biobatterien, Rußfilter, Krebsmittel: Das fächerübergreifende Graduiertenkolleg forscht an den Grundlagen für revolutionäre Produkte.

  1. Das Graduiertenkolleg der Pharmazie (von links): Michael Müller, Astrid Erber, Marcel Wilde, Heinz Floss und Andreas Bechthold. Foto: INGO SCHNEIDER

  2. Die Computersimulation zeigt Moleküle, die bei der Untersuchung von Zellprozessen heldfen und letztlich für die Entwicklung neuer Medikamente verwendet werden können. Foto: Privat

Chemiker ohne Doktortitel haben oft schlechte Karten auf dem Arbeitsmarkt. An der Uni Freiburg gibt es nun eine neue Doktor-Schmiede, die Nachwuchsforscher aus Chemie, Pharmazie und anderen Life-Science-Fächern fit macht für die Wissenschaft und künftige Karriereschritte: das Graduiertenkolleg "Funktionelle Diversität kofaktor-abhängiger Enzyme". Die Deutsche Forschungsgemeinschaft stellt dafür 7,5 Millionen Euro über viereinhalb Jahre bereit. Auch inhaltlich bewegt sich das Kolleg an der Nahtstelle zur Wirtschaft. Es geht um Grundlagen für ganz neuartige Anwendungen.

Warum alleine forschen, wenn es auch gemeinsam geht? Das Graduiertenkolleg – kurz Grako – ist ein Angebot für Doktoranden, bei der Arbeit an ihrer Promotion neben der fachlichen Qualifikation in weiteren Bereichen dazuzugewinnen, die im Berufsleben immer wichtiger werden: Vernetzung, Kommunikation, Kontakte. Es ist ein Gesamtpaket für die Doktorandenausbildung mit dem Ziel, umfassend geschulte Nachwuchsforscher für Wissenschaft und Wirtschaft auszubilden.

Fast alle Chemiker machen den Doktor, 95 Prozent. Ohne den Titel, sagt Michael Müller, schwinden die Chancen auf einen guten Arbeitsplatz in Industrie oder Forschung. Müller leitet das Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie und hat das Graduiertenkolleg auf den Weg gebracht. Dort treffen sich Doktoranden aus der Pharmazie, Biologie, Chemie und Medizin: "Wir arbeiten hier an der Schnittstelle aus verschiedenen Naturwissenschaften", sagt Müller. Promovieren nach Plan könnte man sagen. Das Kolleg bietet den Teilnehmern eine Struktur, die jene, welche den herkömmlichen Weg gehen, manchmal etwas vermissen.

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Im neuen Kolleg erforschen die Teilnehmer Kofaktoren. Um deutlich zu machen, was diese sind, greift Michael Müller zu einem Vergleich: Es seien Begleiter von Enzymen, Beiboote mit starker Funktion. Ohne sie kann der Dampfer, in diesem Fall das Enzym, nicht fahren. Enzyme wiederum sind Stoffe, die chemische Prozesse in Gang setzen. Neue Erkenntnisse auf diesem Gebiet könnten Lösungen für globale Fragen bringen, etwa in der Biotechnologie. Das wäre etwa bei der Nutzung erneuerbarer Quellen für die Energieproduktion von Bedeutung. Die Ergebnisse könnten also medizinischen und ökologischen Nutzen haben. Die Forscher sprechen von der Biobatterie – "das geht, aber die lebt noch nicht lang", sagt Müller –, von Rußfiltern und von Medikamenten gegen Krebs. Überall dort sind Kofaktoren am Energietransport beteiligt, und die Grundlagenforschung liefert hier einen wichtigen Beitrag.

Initiator Michael Müller entschied sich für die Forschung, nachdem er die Arbeit in der Industrie für sich ausgeschlossen hatte: "Ich bin zur Pharmazie gekommen, weil ich die Grenzen der Chemie kennengelernt habe", sagt er. "Am Forschen schätze ich die Selbstständigkeit und Freiheit, die ich habe. Es ist ein Traumjob." Auch Heinz Floss, emeritierter Chemieprofessor und Schirmherr des Grakos, bestätigt: "Forscher sein, das ist ein wunderbar befriedigendes Leben."

Astrid Erber und Marcel Wilde testen dies gerade. Sie gehören zu den 26 Nachwuchsforschern, die die DFG im Freiburger Kolleg fördert. Zwar arbeitet Astrid Erber im Bereich pharmazeutische Biologie, "aber hier kann man komplett über den Tellerrand hinausschauen", sagt sie. Das Forschen auf anderen Feldern lasse die Doktorarbeit zu etwas Dynamischem werden. "Was am Ende rauskommt, das entwickelt sich erst mit der Zeit".

Doktoranden erforschen auch sich

Marcel Wilde ist Pharmazeut und forscht an einem Naturstoff, den bestimmte Bakterien produzieren. In Zukunft könnte es um die tumorhemmende Wirkung eines Stoffs gehen. "Aber es ist schwierig, an diesem Punkt praktisch Anwendbares zu finden", sagt Marcel Wilde, "wir betreiben Grundlagenforschung: Probieren und schauen, was herauskommt." Er schätzt den regen Austausch am Graduiertenkolleg. Reden, austauschen, über den Tellerrand schauen – für die beiden Doktoranden ist dies neben der Forschung selbst das Wichtigste, sie kommen immer wieder darauf zurück. Und so nutzen beide das Angebot des Grakos, die Methoden, Möglichkeiten und Impulse. Marcel Wilde erforscht sich dabei auch selbst. Er will wissen, ob ihn in ein paar Jahren Wissenschaft beruflich noch immer glücklich machen könnte.

GRADUIERTENKOLLEG

Ein Graduiertenkolleg ist quasi ein Komplettpaket für die Doktorandenausbildung bis hin zum Doktortitel. In Deutschland finanziert in vielen Fällen die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) solche Kollegs. Dort forschen Uniabsolventen für ihre Dissertationsprojekte. Auch andere Angebote gibt es im Kolleg: Berufstraining, Tagungen, Gelegenheit für Kontakte und zur Vernetzung. Ein Graduiertenkolleg trägt zur Außenwirkung und Sichtbarkeit der Uni bei. Die DFG fördert allein an der Universität Freiburg derzeit zwölf Kollegs, davon drei internationale.  

Autor: nsw

Autor: Nicola Schwannauer