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17. Februar 2010
Nüchterne Bilanz zum Schnapsverbot
An fast keiner Fasnachtsbude wurde Hochprozentiges verkauft / Unmut bei Standbetreibern / Narren sehen Korrekturbedarf.
Es ist der Aufreger Nummer eins bei der Straßenfasnet gewesen: das Schnapsverkaufsverbot. Fast alle Standbetreiber hielten sich an die neue Auflage, bilanzierte gestern Ordnungsamtschef Walter Rubsamen. Viele waren sauer, sagte die Breisgauer Narrenzunft, der Dachverband der Freiburger Zünfte.
Heute ist wieder alles vorbei, doch gleich zum Auftakt der Fasnet hing am Rathaus ein großes Transparent. Aufschrift: "Wer will uns in Ehre ä Schnäpsle verwehre?" Am Wochenende haben die Freiburger Hexen ihren traditionellen Schnapsstand zwar aufgestellt, aber demonstrativ zu gelassen. Die Riblinghieler hielten sich auch ans Verkaufsverbot – und verschenkten das Hochprozentige. Zwei Zünfte hatten auf einen Stand verzichtet. "Viele Betreiber waren sauer", sagte BNZ-Zunftmeister Klaus Ruh, zumal zur neuen Bedingung für eine Genehmigung auch höhere Standgebühren gekommen seien. Besucher hätten den Kopf geschüttelt, "die fühlten sich gegängelt". Und sie suchten nach der Logik, warum sie keinen puren Schnaps und Kaffee-Kirsch, aber Cocktails und Glühwein mit Schuss kaufen konnten. "Vom Schnaps ist die Fasnet nicht abhängig", sagte Ruh, "aber es muss Klarheit herrschen, was erlaubt ist und was nicht." Den Jugendschutz hielten die Zünfte ein. "Aber die Jugendlichen bringen das Zeugs halt selbst mit."Werbung
Nach der Auflage des Amtes für öffentliche Ordnung durften an den Buden in der Innenstadt keine Spirituosen verkauft werden. Kontrollen am Wochenende und Rosenmontag ergaben, dass sich nahezu alle der über 30 Stände daran gehalten haben, sagte Rubsamen. "Es gab ein oder zwei, die offensichtlich puren Schnaps im Angebot hatten." Abgemahnt wurde niemand. Vor einem Jahr, als der Verzicht noch freiwillig war, sah die Budenbilanz anders aus. "Dass es nicht allen Recht war, wissen wir", sagte Rubsamen. Er verweist darauf, dass beispielsweise die St. Georgener Zunft Schnaps von sich aus von der Straßenfasnet verbannt und der Gemeinderat 2008 ein Präventionskonzept beschlossen hat. Es gehe darum hinzuschauen und für Jugendliche Vorbild zu sein. Ein Schnapsverkaufsverbot galt schon bei anderen Straßenfesten wie der Downtown-Street-Party. "Wir haben nichts gegen die Zünfte", so der Amtsleiter. Man wolle gemeinsam mit der Koordinationsstelle Kommunale Alkoholpolitik im Sozial- und Jugendamt, die die Fasnachts-Initiative begrüßte, Rede und Antwort stehen. Vor der Nachbesprechung mit der BNZ, mit der Rubsamen auch über den Getränke-Index reden will, sieht er sich den Polizeibericht zur Fasnacht an.
Zunftmeister Ruh glaubt nicht, dass die Stadt von der Regelung abrückt. "Wär schön, aber es wird nächste Fasnet wieder so sein." Dann können die Narren auf Kirchenasyl hoffen: In St. Martin, der Kirche beim Rathaus, hatte Pater Thomas Brogl in seiner närrischen Predigt in der Hästrägermess’ am Sonntag jedenfalls angekündigt, dass die Dominikaner eine Schnapsstation einrichten: "Denn kirchlicher Boden unberührt bleibt, egal, was städtische Verordnungswut schreibt."
Autor: Simone Höhl
