Einbürgerungsfeier

OB Salomon gratuliert 439 eingebürgerten Migranten

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Mo, 14. Dezember 2015

Freiburg

OB Salomon gratuliert 439 eingebürgerten Migrantinnen und Migranten bei Einbürgerungsfeier / Integrationspreis verliehen.

439 Menschen aus 80 Nationen haben in diesem Jahr in Freiburg die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Viele von ihnen waren am Samstag bei der Einbürgerungsfeier im Historischen Kaufhaus dabei und konnten die Glückwünsche von Oberbürgermeister Dieter Salomon entgegennehmen. "Deutschland ist ein gutes Land, in dem Menschen gut zusammenleben können, egal, welche Hautfarbe, Ethnie und Religion sie haben." Zwei Flüchtlingsinitiativen wurden mit dem Freiburger Integrationspreis ausgezeichnet.

Es war eine fröhliche, energiegeladene Feier im ehrwürdigen Kaisersaal. Dafür gesorgt haben vor allem Ro Kuijpers und sein Heim- und Fluchtorchester, die vom ersten Takt an für Stimmung im Saal sorgten und am Ende nicht ohne Zugabe die Bühne verlassen durften. Die Migrantinnen und Migranten, die nun den deutschen Pass in der Tasche haben, kommen aus allen Winkeln der Erde. Die größte Gruppe mit 40 Einbürgerungen stammt wie in den Vorjahren aus der Türkei, gefolgt von der Ukraine (29), dann gleichauf Irak und Nigeria (jeweils 21), dann der Kosovo (20), Syrien (19), gefolgt von Libanon und Afghanistan (je 17), Polen (14) sowie Kroatien und Iran (jeweils 13).

"Jeder gehört zu einer Minderheit", meinte OB Salomon in seiner Ansprache. Es gebe in Deutschland genug Toleranz, dass alle diese Minderheiten gut miteinander leben könnten. Er verwies auf das Grundgesetz, nachdem alle Menschen gleich seien, auf Rechtsstaatlichkeit und Gleichberechtigung. Die Einbürgerung sei auch ein Zeichen einer gelungenen Integration. Salomon verwies auf die Bedeutung von Spracherwerb und Bildung. Und er resümierte: "Freiburg ist eine Stadt, in der wir alle gut leben können. Unsere wichtigste Aufgabe ist es, Wohnraum zu schaffen für alle Menschen, die zu uns kommen."

Meral Gründer, frühere Vorsitzende des Migrantenbeirats, ist in der Türkei geboren und lebt seit 1977 in Deutschland. Sie berichtete über ihre Anfangszeit in Deutschland und wie sie sich zwischen zwei Kulturen bewegte. Wie sie die Villinger Fasnacht mitfeierte, den Religionsunterricht besuchte und der Pfarrer sie einmal in einem katholischen Gottesdienst ministrieren ließ: "Wir haben, glaube ich, gegen viele Sakramente verstoßen", erzählte sie lachend. An ihre Grenzen gestoßen sei sie erst, als sie politische Teilhabe wollte. Vor allem deswegen hat sie sich für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden. Es ist fast wie Heiraten, beschrieb sie die Entscheidungsfindung.

Unter großem Beifall wurden vom Oberbürgermeister zwei Initiativen mit dem Freiburger Integrationspreis geehrt, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Den mit 3000 Euro dotierten ersten Preis erhielt die Internetplattform Flüchtlingshilfe Freiburg, zu der sich bei Facebook rund 1500 Menschen zusammengefunden haben. Diese leisten seit dem Sommer an der Erstaufnahmestelle an der Lörracher Straße in vielfältiger Weise konkrete Hilfe, auch mit unkonventionellen und spontanen Aktionen, die bei den Flüchtlingen gut ankommen. "Sie haben aus einer Not eine Tugend gemacht, zum Gewinn aller", lobte der OB. "Ich habe noch nie in so kurzer Zeit so viele tolle Menschen kennengelernt", sagte Anna Veeser über ihre Arbeit.

Den mit 1500 Euro dotierten zweiten Preis erhielt die Jugend-AG des Bürgervereins Weingarten für das Projekt "Jugend baut Brücken". Unter anderem wurden für Flüchtlinge Begrüßungsfeste veranstaltet und gemeinsam mehrsprachige Kulturabende organisiert. "Wir wollten bewusst Flüchtlinge, die ja oft zu einer Passivität gezwungen sind, in unsere Aktionen einzubeziehen. Sie sind an unseren Abenden selbst Gastgeber", erklärte die 17-jährige Selma Nabulsi.

Video-Stimmen von Eingebürgerten: http://mehr.bz/einbuergerung-frb