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16. Januar 2011 15:56 Uhr

Ehrenamtspreis

Ökologistinnen punkten bei der Freiburger CDU

Die Freiburger CDU ehrt vier "Ökologistinnen": So nennen sich vier Schülerinn en des Ursulagymnasiums, die den Ehrenamtspreis für ein Solarprojekt abräumten. Das gefiel auch dem EU-Energiekommissar Günther Oettinger.

  1. Franziska Rauber und Louise Laubenberger holten stellvertretend für ihre Kolleginnen Saskia Löhnert und Sophia Tölle den Ehrenamtspreis ab. Foto: Michael Bamberger

  2. Der Kommissar geht um: Günther Oettinger (hier mit Lebensgefährtin Friederike Beyer) hielt die Rede beim CDU-Neujahrsempfang. Foto: Michael Bamberger

  3. Foto: Michael Bamberger

Vier Schülerinnen des St. Ursulagymnasiums haben gestern den mit 1600 Euro dotierten Ehrenamtspreis des CDU-Kreisverbandes erhalten. Die vier Schülerinnen sammelten Spenden von rund 40 000 Euro, um eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Schule zu finanzieren. "Die Ökologistinnen" – so nennt sich die Gruppe – bekamen auch Glückwünsche von EU-Kommissar Günther Oettinger, der beim Neujahrsempfang der Freiburger CDU eine bemerkenswerte Rede über die zukünftige Rolle Europas in der Welt hielt.

Louise Laubenberger, Saskia Löhnert, Franziska Rauber und Sophia Tölle erhielten aus der Hand von CDU-Kreisvorsitzender Klaus Schüle die Urkunde für den Ehrenamtspreis, der gestern im Saal des Kolpinghotels beim Neujahrsempfang mit mehreren hundert Gästen verliehen wurde. Das Preisgeld von 1600 Euro stiftete der frühere Einzelhandelspräsident Hermann Frese. Die Preisträgerinnen wollen das Geld weitergeben, "an jemanden, der es dringender braucht", sagte Franziska Rauber in ihrer Dankesrede.

40 000 Euro Spenden gesammelt

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Die Photovoltaikanlage auf dem Dach des St.Ursulagymnasiums ist installiert und liefert bereits sauberen Strom. Die Vergütung dafür fließt in pädagogische Projekte der Schule wie etwa Arbeitsgemeinschaften oder Studienfahrten.

Etwa ein halbes Jahr lang sammelten die vier "Ökologistinnen" viele kleine und auch ein paar große Spenden. Sie initiierten unter anderem einen Aktionstag zum "C02-neutralen" Schulweg, sorgten fürs Catering bei Schulveranstaltungen und initiierten einen runden Tisch mit Fachleuten aus der Elternschaft. In nur einem halben Jahr hatten sie das Geld für die Solaranlage zusammen – auch die Erzdiözese als Schulträger half mit, berichtete Franziska Rauber.

China gibt das Tempo vor

"Bleiben Sie weiter für die Umwelt aktiv", riet Günther Oettinger den vier Schülerinnen. Der EU-Kommissar für Energie war am Samstag noch in Turkmenistan, am Sonntag kam er als Stargast des Neujahrsempfang gemeinsam mit seiner Partnerin Friedrike Beyer nach Freiburg. Der neue Job macht dem sehr aufgeräumt wirkenden ehemaligen Ministerpräsidenten offensichtlich viel Spaß. Jedenfalls zog er die Zuhörer mit einer frei gehaltenen Rede in seinen Bann. Nach amerikanisch geprägten Jahrzehnten werde es Europa viel Kraft kosten, sich gegen die immer stärker werdende Konkurrenz aus China, aber auch aus Indien, Russland, Indonesien oder Brasilien zu behaupten. "Viel Zeit bleibt uns nicht – wir werden immer älter, wir werden immer weniger", mahnte Oettinger. Um mithalten zu können, müsse das Wasser in der Badewanne Europa künftig weniger behaglich warm sein. Zum Miteinander in der EU gebe es keine Alternative: "Europa ist die unterste Betriebsgröße, die in der Welt wahrgenommen wird", meinte der EU-Kommissar und verdeutlichte die Dimensionen: "Schanghai hat heute mehr Einwohner als Baden-Württemberg und die Schweiz zusammen". Es brauche Willen, Kraft, Fleiß und Gemeinsamkeit, um europäische Akzente zu setzen, damit die EU die Zeichen der Zukunft mitbestimmen könne.

Es werde sich zeigen, ob Europa ein Segelflugzeug sei, das von einer Seilwinde hochgezogen worden sei und nun ins Trudeln komme – oder ob es sich um ein Flugzeug mit Motor handle. Oettinger warnte vor Technikfeindlichkeit und Angst vor Neuem: "Wir müssen den politischen Streit hochhalten, aber wir müssen auch schauen, dass wir schneller vorankommen und Ergebnisse erzielen."

Autor: Joachim Röderer