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30. November 2013

Spiegelzelt

Premiere: Dinnershow des Teatro Colombino im Colombipark

Im Spiegelzelt wurde das diesjährige „Teatro Colombino“ eröffnet – edles Essen und artistische Akrobatik vom Feinsten.

  1. Seine Stühle stapelt Maxim Popasov ganz atemberaubend. Foto: Michael Bamberger

  2. Allenthalben ist Verzückung Foto: Michael Bamberger

Runde Formen haben Trumpf beim großen Dinner-Event im Colombipark: Kreisrund nämlich sind hier alle wesentlichen Schauplätze von dem köstlich beladenen Tellern aus der Spitzenküche, über die kreisrunde Bühne mit ihren gerade mal 2,40 Metern Durchmesser und bis zu dem gesamten herrlichen Schmuckstück Spiegelzelt. In dem wurde am Donnerstagabend das diesjährige "Teatro Colombino" eröffnet – edles Essen und artistische Akrobatik vom Feinsten.

Der Meister selber gibt sich Ehre, Monsieur "Le Maître", flaniert befrackt und immer ein bisschen indigniert, Hände auf dem Rücken, seinem strengen Blick entgeht nichts, er moniert die witzig inszenierten Pannen des Personals, beschwert sich mürrisch über mangelnde Vergnügtheit vereinzelten Publikums, heißt mit großer Geste die Gäste willkommen in diesem exquisiten Etablissement. Und ist – charmantes Detail – niemand anderer als der Regisseur, Lutz Weber, Macher des höchst passend arrangierten Abendprogramms. Durch das leitet als Gastgeber Ully Loup hier als "Bohémien Wolf von Cantaloup", gefragter Illusionist mit dem Talent für magische Momente – und mit hinreißendem Humor.

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Vom ersten Lachen zum leichten, leckeren Lachstatar ist der Weg nicht weit: Hier ist das Miteinander von anspruchsvoller Küche und kunstvoller Akrobatik Programm. Der Preis dafür ist ansehnlich – das Erlebnis aufregend. Zum Beispiel als Maxim Popasov acht Stühle unter sich stapelnd bis in die Zeltkuppel hochklimmt – Handstände auf dem luftigen Stuhlturm inklusive. Dort oben geben am Ende auch die beiden "Meleshins" eine umwerfende Show auf dem Rollbrett: Ein schwungvoller Balanceakt, vorsichtiges höhertüfteln auf etlichen Rollbrettetagen. Die Premierengäste legen die Köpfe in den Nacken und bestaunen Athletik und Artistik. Die haben auch Les Soeur Pillères zu bieten, die beiden Schwestern, die als launisch-launige Kellnerinnen komisch, im Tutu balletttauglich und am Trapez hochkarätig sind.

Dass erst Sellerie-Cremesüppchen und Mousseline von schwarzem Trüffel gereicht werden, später Hirschrücken oder Carpaccio von der Roten Beete, lenkt den Fokus auf die Tischrunde – das köstliche Essen wird gelobt, die Darbietungen gepriesen. Schön rhythmisiert quer durch das ganze Programm ist die Abfolge von höchst unterhaltsamen Nummern und den Zeiten, die fürs Essen reserviert sind. Da stiehlt nicht eins dem anderen die Schau, jedes funktioniert für sich – und erst recht im Zusammenspiel mit dem anderen. Die Anerkennung gilt denn wahlweise Kellnerinnen und Kellnern, die perfekt getaktet zugleich die silbernen Halbkugeldeckel vom Essen heben – und dann wieder übernimmt das Staunen über die drei Queens of Africa aus Äthiopien, die die Physik ihrer biegsamen Körper schlichtweg zu ignorieren scheinen.

Eric Nondsen schlägt den Bogen vom Kellnern zum Jonglieren und begeistert mit Sektkübeljonglage, während Zoran Madzirov die dazugehörigen Flaschen als Flaschenklavier bespielt: mit atemberaubendem Tempo – und sogar auch mit verbundenen Augen. Sinnlich und selbstverständlich präsentiert Laura von Bongard ihre Performance mit Bällen: Leicht und flink jongliert sie mit Hand und Fuß, überkreuz und -quer, eine runde Sache, allenthalben ist Verzückung. Die macht sich den Gästen dann auch breit mit dem kulinarischen Abschluss: einer Mokkaschnitte samt hingetupften Quittenragout.

Die Dinnershow des Teatro Colombino findet bis 11. Januar 2014 im Colombipark statt, Dienstag bis Samstag um 19 Uhr, Sonn– und Feiertags um 18 Uhr. Der Sitzplatz kostet ab 51 Euro, dazu wählbar: ein Menü für 38/48 Euro. Reservierung: 0761/4968888 oder http://www.teatro.colombino.de

Autor: Julia Littmann