Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. April 2010 18:06 Uhr

Ein-Euro-Fahrschein

Ratsmehrheit für Kurzstreckenticket scheint möglich

Drei Haltestellen für 1 Euro: Die CDU fordert einen Kurzstreckentarif für die Freiburger Straßenbahn. Sympathie für den Billigfahrschein bekunden auch SPD und Unabhängige Listen. Jetzt scheint eine Ratsmehrheit möglich.

  1. Zu Fuß gehen oder die Straßenbahn nehmen? Die CDU-Fraktion plädiert nun für ein 1-Euro-Kurzstreckenticket für die Stadtbahnen – die Front der Ablehnung bröckelt offenbar langsam. Foto: Ingo Schneider

Drei Stationen Straßenbahnfahren im Freiburger Stadtgebiet für 1 Euro – so soll ein neuer möglicher Kurzstreckentarif aussehen. Das hat am Freitag nun die CDU-Stadtratsfraktion gefordert. Für ein solches Kurzstreckenticket hat sich diese Woche auch schon der SPD-Kreisverband ausgesprochen, bei den Unabhängigen Listen gibt es ebenfalls deutliche Sympathie für den Billigfahrschein. Damit zeichnet sich ab, was bisher immer ausgeschlossen schien: eine Mehrheit im Freiburger Gemeinderat.

Das Kurstreckenticket ist ein altes Thema, dass die Parteijugend schon Kommunalwahlkampf 2009 zur Diskussion gestellt hat: Sowohl die Jusos als auch die Junge Union forderten diese Ticket-Variante, die es in anderen Städten wie etwa Karlsruhe oder Stuttgart schon gibt. Zunächst bissen die Jungpolitiker auch bei ihrer jeweiligen Mutterparteien auf Granit. Beim Zweckverband Regio-Verkehrsverbund Freiburg (ZRF) sowieso: Ein solcher Kurzfahrschein schwäche die Regio-Karte, die als Folge teurer für alle werde. Und: Bisher sei der Erfolg der ZRF-Tarifmodells auch seine Einfachheit, hieß es beim Verkehrsverbund, zum dem sich die Stadt und die beiden Nachbarlandkreise zusammen geschlossen haben.

Werbung


Schwächung der Regio-Karte

Doch Jusos und JU hielten den Ball im Spiel. Und dann enterte das Kurzstreckenticket auch noch den OB-Wahlkampf. WiR-Bewerber Günter Rausch erhob diese Forderung als erster der Kandidaten, Ulrich von Kirchbach (SPD) zog nach. OB Dieter Salomon (Grüne) ist nach wie vor dagegen – eben wegen der drohenden Schwächung der Regio-Karte.

Die CDU-Fraktion hat nun am Freitag den ersten ganz konkreten Vorschlag auf den Tisch gelegt: Ein Euro, Gültigkeit nur für Straßenbahn und damit nur im Stadtgebiet, maximal drei Stationen. Im Klartext: Wer am Hauptbahnhof in die Linie 1 steigt, könnte damit nun drei Stationen bis zum Augustinermuseum fahren. Wer bislang einen Einzelfahrschein löst, muss derzeit 2,10 Euro zahlen.

Wie werden Mindereinnahmen ausgeglichen?

Zu teuer – sagt nun CDU-Stadtrat Daniel Sander. Er glaubt: Viele, die ihr Auto für Kurzstreckenfahrten zum Einkaufen nehmen würden mit einem Billigfahrschein in die Straßenbahn umsteigen: "Somit ist ein Kurzstreckenticket auch ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz", so Sander. Sein Fraktionskollege Hansjörg Sandler sekundiert in Sachen Kurzstrecke: "Dies ist in erster Linie eine politische und keine betriebswirtschaftliche Frage", so der Verkehrsexperte. Die zu erwartenden Mindereinnahmen müssten der Freiburger Verkehrs-AG dann eben aus dem städtischen Haushalt ausgeglichen werden.

Der SPD-Kreisvorstand hat den Kurzfahrschein einstimmig befürwortet, in der Ratsfraktion werde das Thema "kontrovers diskutiert", so Stadtrat Stefan Schillinger. Er freut sich, dass Bewegung in die Sache kommt. So sieht es auch Michael Moos (Unabhängige Liste): "VAG und ZRF müssen ihre starre Haltung aufgeben", sagt er. Er sieht die Chance, dass über die Kurzstrecke neue Kunden gewonnen werden könnten: "Unser Ziel muss sein, den ÖPNV immer attraktiver zu machen".

Für dringender als ein Kurzstreckenfahrschein hält Moos jedoch die Einführung des Sozialtickets. Die Grünen bleiben bei der Drei-Stationen-Fahrkarte reserviert: "Mit einer wohlfeilen Forderung ist es nicht getan", sagt Stadtrat Helmut Thoma. Er hält die Argumente gegen eine Änderung des Tarifsystems für überzeugend:"Das würde dem ÖPNV nicht guttun".

Mehr zum Thema:

Autor: Joachim Röderer