Gutachten

Rechts oder links von der Landebahn: Stadt Freiburg prüft Spiegelvariante für das neue SC-Stadion

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Fr, 25. Mai 2018 um 17:53 Uhr

Freiburg

Am 24. Juli will der Freiburger Gemeinderat die Baugenehmigung für das neue SC-Stadion verabschieden. Die Stadt prüft derzeit die Spiegelvariante. Die würde den Bau verzögern und Millionen kosten.

Der SC Freiburg hat sich mit dem Klassenerhalt in die Sommerpause verabschiedet. Doch auch da fallen wichtige Entscheidungen für den Bundesligisten. Das neue Stadion soll einen entscheidenden Schritt vorankommen. In der Sitzung am 24. Juli will der Gemeinderat den Bebauungsplan für das Stadion verabschieden. Bis dahin ist ein neuer Oberbürgermeister im Amt – und es gibt Diskussionen um die Spiegelvariante, die derzeit von der Verwaltung geprüft wird.
Die Spiegelvariante
Flugschulbetreiber Udo Harter hat Mitte 2017 eine Alternative für den Standort des neuen SC-Stadions vorgelegt: Er will die Arena weg vom Wolfswinkel 500 Meter nach Osten ans Möbelhaus XXXLutz verschieben. Dafür sollen die Flugplatzgebäude samt Tower auf die andere Seite verlegt werden. Damit stünde das Stadion doppelt so weit weg von den Häusern der Mooswaldsiedlung – und auch nicht mehr in der Hauptwindrichtung der Start- und Landebahn. Laut Harter unterstützen alle Flugplatznutzer seine Idee. Rathaus und SC lehnen den Vorschlag ab. Er sei nicht umsetzbar.

Der Bürgerentscheid gab das Go

Es wird kommunalpolitisch ein heißer Sommer. Zum 1. Juli übernimmt Martin Horn die Amtsgeschäfte von Dieter Salomon. Auf der Tagesordnung der Ratssitzung am 24. Juli finden sich, Stand heute, zwei Dickschiffe: das SC-Stadion und der neue Stadtteil Dietenbach.

Beim Stadion geht es darum, dass der Bebauungsplan für die neue SC-Heimstätte beschlossen wird. Danach könnte relativ schnell die Baugenehmigung ausgestellt werden. Die grundsätzliche Zustimmung gaben bekanntlich die Freiburgerinnen und Freiburger per Bürgerentscheid am 1. Februar 2015. Natürlich kann es noch zu Klagen kommen. Stadiongegner könnten sowohl gegen Bebauungsplan als auch Baugenehmigung vorgehen. Das Verwaltungsgericht müsste entscheiden, ob diese Klagen aufschiebende Wirkung für das Projekt haben.
"Wir sind dabei, die Spiegelvariante zu prüfen, auch mit aufwändigen externen Gutachten"Baubürgermeister Martin Haag
In der Stadtverwaltung laufen die Vorbereitung für den Bebauungsplan-Beschluss. Während der Offenlage hat die Bürgerinitiative Pro Flugplatz die Spiegelvariante eingebracht. Die sieht vor, dass das Stadion vom Wolfsbuck weg Richtung Möbelmeile verlegt wird – und mit der Flugplatzinfrastruktur die Seiten tauscht. "Das Stadion wäre damit doppelt so weit von der Wohnbebauung des Stadtteils Mooswald weg", sagt Flugschulbetreiber und CDU-Stadtrat Udo Harter. Und der Spiegel-Standort würde die von den Fliegern befürchteten Windverwirbelungen ausschließen.

"Wir sind dabei, die Spiegelvariante zu prüfen, auch mit aufwändigen externen Gutachten", sagt Baubürgermeister Martin Haag. Es gehe nicht um einen Pro-Forma-Check. Ein endgültiges Ergebnis liege noch nicht vor. Klar ist aber auch: Ein Umswitchen der Pläne auf die erst vor einem Jahr ins Spiel gebrachte Spiegelvariante würde den Stadionbau um Jahre verzögern und würde Millionen Euro kosten, heißt es im Rathaus.

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Bringt die Spiegelvariante Landeszuschüsse in Gefahr?

Auch die vom Land zugesagten Zuschüsse, die an Synergieeffekte mit der Universität gekoppelt sind, wären in Gefahr, verlautet aus Kreisen der Landesregierung.

Auch beim SC Freiburg hat man sich klar positioniert. "Das Stadionprojekt ist weit fortgeschritten und die Spiegelvariante scheidet aus unserer Sicht ganz offensichtlich als Alternative aus", erklärt Finanzvorstand Oliver Leki. Für die Einhaltung des Zeitplans sei die Entscheidung am 24. Juli von großer Wichtigkeit. Baubürgermeister Haag geht davon aus, dass der bestehende Zeitplan hält. Eine Frage bleibt: Was macht der neue OB? Martin Horn, der diese Woche Vater geworden ist, nimmt aktuell eine Familienauszeit.

"Die Spiegelvariante scheidet aus unserer Sicht ganz offensichtlich als Alternative aus"SC-Finanzvorstand Oliver Leki
Vor der Wahl hat er immer erklärt, dass er für das neue SC-Stadion ist und stets auch auf den Bürgerentscheid verwiesen. Dass die Spiegelvariante gründlich geprüft werden müsse, hat er auch stets erklärt. Genau das geschieht aktuell im Rathaus. Dort geht man nach jetzigem Stand davon aus, dass der neue Rathauschef die Zeit zwischen Amtsantritt und Ratssitzung nutzen wird, um den Betroffenen draußen am Flugplatz und im Mooswald das Ergebnis der Prüfung der Spiegelvariante vorstellen wird.



"Viel Hoffnung habe ich nicht, dass es eine wohlwollende Prüfung gibt", sagt Flugschulchef Harter. Immerhin: Durch die neue Grasbahn zwischen Asphaltpiste und Taxiway können die Segelflieger am Flugplatz bleiben. Und die neue Bahn, die mehr Abstand zum möglichen Stadionkörper hätte, kommt bei Südwestwind auch als Alternative für die Motorflieger in Betracht. Weil noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen sind, hat Udo Harter die neue Piste bislang noch nicht testen können.

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