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20. Januar 2014 10:09 Uhr

SC Freiburg

Neues SC-Stadion: Keller und Leki rechnen 2018 mit erstem Spiel

Der SC Freiburg will sein neues Stadion weiterhin am Wolfswinkel bauen und es am liebsten zur Saison 2018/19 fertigstellen. Geschäftsführer Oliver Leki und Vorsitzender Fritz Keller sprechen im Interview über das weitere Vorgehen.

  1. Sehen die Zukunft des SC Freiburg im Wolfswinkel: Fritz Keller (links) und Oliver Leki. Foto: Ingo Schneider

Die Zeichen verdichten sich, dass der SC Freiburg im Wolfswinkel sein neues Stadion bauen wird. Doch nach wie vor sind zahlreiche Fragen offen – etwa die nach den Kosten und der Finanzierung einer Arena. Uwe Mauch und Joachim Röderer haben bei SC-Präsident Fritz Keller und SC-Geschäftsführer Oliver Leki in Sachen Finanzen nachgehakt und gefragt, wie der Sportclub mit dem anhaltenden Anwohnerprotest umgehen will.

BZ: Wir wollen ein Geheimnis lüften: Wie viel hat der SC auf der hohen Kante, um ein neues Stadion zu finanzieren?
Keller: Wir haben in den letzten Jahren eine Stadionrücklage angespart. Diese werden wir einbringen.
Leki: Ich wäre froh, wir wären im Prozess schon so weit, um über die finale Finanzierung sprechen zu können. Wir müssen jetzt einen Schritt nach dem anderen gehen.

BZ: Sie schauen nicht jeden Tag auf Ihr Festgeldkonto?
Leki: Wir schauen schon, und es ist ein stattlicher Betrag. Wir sind sicher einer der wenigen Bundesligisten, der in den letzten Jahren was auf die hohe Kante gelegt hat.

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BZ: Dürfte es nicht etwas mehr Transparenz sein? Schließlich wollen Sie auch den Steuerzahler fürs neue Stadion einspannen.
Keller: Nun, wir geben ja auch etwas zurück. Wir werden in diesem Jahr etwa 25 Millionen Euro an Steuern und Sozialabgaben zahlen. Ein neues Stadion ist ein Investment und kein Mäzenatentum – weder für Stadt, Land oder sonstige Beteiligte. Andere Standorte haben das vorgemacht.

BZ: Ein Gutachten von 2012 kam für das alte Stadion auf Umbaukosten von 50 bis 60 Millionen Euro. Dafür, hieß es, bekäme der SC auch ein neues. Wir behaupten: Ein Neubau mit allem drum kostet einen dreistelligen Millionenbetrag.
Keller: Woher kommt die Zahl?

BZ: Die Kostenschätzung für das geplante Stadion in Karlsruhe etwa liegt bei 100 Millionen Euro, inklusive Infrastruktur.
Leki: Relativ gut abzuschätzen sind die reinen Stadionkosten. Die Größenordnung, mit der wir planen, bewegt sich zwischen 55 und 70 Millionen Euro. Alles andere ist standortabhängig. Und was einen Umbau des Mage-Solar-Stadions angeht, so bleibt doch ein Problem bestehen: Die Zahl der Plätze wäre weiterhin auf maximal 25 000 begrenzt und bietet somit keine Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem würde der Umbau mehrere Jahre dauern. In der Zeit könnte immer nur ein Teil des Stadions genutzt werden, womit wir erhebliche Einnahmen verlieren würden. Am Ende waren sich alle einig, dass ein solcher Umbau wirtschaftlicher Unsinn wäre.

BZ: Ist es richtig, dass der SC das eigentliche Stadion und die öffentliche Hand die Infrastruktur finanzieren wird?
Leki: Ich verstehe ja, dass Sie das gerne genauer wissen möchten. Doch jetzt haben wir erst einmal die Gutachten vorliegen, die keine K.-o.-Kriterien aufweisen. Der nächste Schritt wird sein, dass der Gemeinderat die Weiterführung der Prüfungen und Planungen des Standorts beschließen muss. Wenn das alles abgearbeitet ist, werden wir die Gesamtkosten seriös ermitteln können. Neben der Standortprüfung werden wir die bereits begonnenen Gespräche mit Stadt und Land hinsichtlich eines Finanzierungs- und Organisationskonzepts vertiefen, um für alle Beteiligten eine tragfähige und intelligente Lösung zu finden.


"Wir hinken der Entwicklung im Profifußball hinterher."
Fritz Keller
BZ: Was halten Sie von der Idee, dass die Universität Räume im Stadion bezieht, damit sich das Land beteiligt?
Keller: Ich finde das genial. Da ist vieles denkbar. Ich bin ein Fan der Mantelnutzung. Dass man Strukturen nicht nur für eine Sache nutzt, ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Denken Sie nur an die Mensa: Wir brauchen die Küche ja nur am Wochenende. Ich habe in Stuttgart schon vorgesprochen und bin auch bei der Universität auf offene Ohren gestoßen. Aber die Überlegungen sind erst ganz am Anfang. Eine solche Kooperation wäre doch typisch Freiburg. Nutzungen wie beispielsweise Konzerte spielen hingegen in unseren Überlegungen keine große Rolle.

BZ: Ohne Finanzierungsbürgschaft der Stadt wird es nicht gehen. Doch wer garantiert, dass nach der Ära Keller und Leki nicht ein Geldverschwender ans Ruder kommt?
Keller: Schauen Sie doch mal, wie sich der SC in den letzten Jahren entwickelt hat.

BZ: Ist das eine Gewähr für die Zukunft?
Keller: Wir stehen heute auf mehreren Füßen, haben 270 Mitarbeiter. Dieses Schiff lässt sich nicht mehr mit einem Ruderschlag in eine andere Richtung drehen. Wir haben eine Philosophie, die in Deutschland ihresgleichen sucht. Selbstverständlich müssen wir uns überlegen, wie wir das für die Zukunft noch besser sichern können.

BZ: Vor einem Fall Aachen, wo die Stadt für den Verein bluten muss, haben Sie keine Angst?
Keller: Überhaupt nicht. Wir sind seit 20 Jahren gut im Geschäft und arbeiten mit schwarzen Zahlen. Aber das Wichtigste ist der Geist des Unternehmens – und der wird nicht verändert.

BZ: Die Badische Zeitung hat vor drei Jahren eine Umfrage zum Stadion gemacht. Damals glaubten 82 Prozent, dass es kein neues Stadion braucht. Warum sollten die ihre Meinung geändert haben?
Keller: Ganz einfach: Damals wusste keiner, dass wir überhaupt ein neues Stadion brauchen. Ich bin sicher, dass es den meisten heute bewusst ist, dass es um die Zukunftssicherung des SC Freiburg und den Erhalt des Profifußballs in der Region geht. Wir hinken der Entwicklung im deutschen Profifußball einfach hinterher. Und heute würden Sie doch auch nicht mehr in die alten Harmonie-Kinos mit der kleinen Leinwand und den alten Holzstühlen gehen.

BZ: Nicht alle Menschen sind Fußballfans. Wie rechtfertigen Sie, dass mit deren Steuern ein Stadion finanziert wird, in dem kickende Millionäre eine Unterhaltungsindustrie am Laufen halten?
Keller: Ich glaube, gerade der SC Freiburg steht nicht für kickende Millionäre. Im Übrigen bilden wir mehr Amateursportler aus als Profis. Viele von denen trainieren heute Jugendmannschaften in ganz Südbaden, halten Kids von der Verblödung vor den Bildschirmen ab, vermitteln Teamgeist, geben ihnen ein Zuhause. Darüber hinaus ist der Profifußball die Basis dafür, dass wir eine Vielzahl von sozialen Projekten durchführen können. Nicht zu vergessen ist, dass wir all jenen, die mit uns am Wochenende mitfiebern, eine Heimat geben. Diese Idee ist mir wichtiger als ein oder zwei Plätze in der Tabelle.
Leki: Der SC ist ein guter Steuerzahler, trägt mit rund 62 Millionen Euro jährlich zur Wertschöpfung bei, schafft Arbeitsplätze und die Stadt Freiburg profitiert von der Medienpräsenz im Wert von rund 30 Millionen Euro jährlich, was für eine Region, die auch vom Tourismus lebt, nicht unerheblich ist. In der Region gibt es 1,3 Millionen Fußballinteressierte, die Bundesliga sehen wollen. Wir haben jedes Jahr 400.000 Zuschauer. Studien belegen die Vorbildfunktion von Profifußballern für Kinder und Jugendliche. Dies wollen wir erhalten, dafür tragen wir Verantwortung.

BZ: Was bedeutet das für die Stadionfrage, dass der SC jetzt gegen den Abstieg kämpft?
Leki: Der Stadionneubau ist unabhängig von 1. und 2. Bundesliga zu sehen, denn die Probleme bleiben dieselben. Im Übrigen hat sich der Sportclub in den letzen Jahrzehnten auch dadurch ausgezeichnet, dass er sich nicht von kurzfristigen Schwankungen hat beeindrucken lassen. Dies sollte insbesondere auch für das Stadionprojekt gelten. Und: Wir werden nicht absteigen.

BZ: Ein wichtiger Grund für einen Neubau sind die lukrativen VIP-Logen. Freiburg hat im Vergleich zu anderen Bundesligastandorten kaum große Unternehmen und Sponsoren. Gibt es überhaupt den Bedarf?
Keller: Wir haben im Mager-Solar-Stadion keine wettbewerbsfähigen Vermarktungsmöglichkeiten. Für die Finanzierung eines Fußballclubs sind auch Business Seats und Logen nötig. Aber wir werden dies mit Bedacht und in Dimensionen tun, die zu Freiburg passen. Ich hole mir im Stadion eine Wurst und ein Bier und rede viel mit den Leuten. So etwas wird auch bei besser bezahlten Sitzen weiterhin möglich sein. Insgesamt ist es uns aber wichtig,dass wir die Stehplätze nicht verringern, und wir auch weiterhin Plätze anbieten können, die für jeden Geldbeutel erschwinglich sind.

BZ: Der SC spielt im Mage-Solar-Stadion mit einer Ausnahmeregelung der Deutschen Fußballliga. Was sind die heikelsten Punkte?
Leki: Wir bekommen eine Ausnahmegenehmigung für den zu kurzen Platz. Aber auch die Infrastruktur für die Medien entsprechen nicht den heutigen Standards. Dies gilt auch für den Spielerbereich. Was ebenfalls nicht unserem Selbstverständnis entspricht, ist die Qualität des Gästefanblocks und auch die Unterbringung unserer behinderten Gäste.. Dies im jetzigen Stadion umzubauen, würde Millionen kosten und wäre doch immer wieder "Stückwerk". Die Ausnahmegenehmigung erneuert die DFL auch deshalb jährlich, weil sie sieht, dass wir am Projekt Stadionneubau dran sind. Gerät das ins Stocken, sehe ich hier ein echtes Risiko..

BZ: Sind Sie unter Zeitdruck?
Keller: Wir sind der letzte Mohikaner in der Bundesliga. Wir haben doch seit Jahren bewiesen, dass wir wirtschaften können. Natürlich wollen wir auch die Niedrigzinsphase mitnehmen. Unter Zeitdruck stehen wir, weil wir die Geduld unseres Lizenzgebers nicht überstrapazieren wollen. Wir wollen ja nicht aus Jux und Dollerei ein neues Stadion. Wir haben eine Verantwortung und möchten den Anforderungen auch gerecht werden. Das geht nur bei einem Neubau. So gern wir an der Schwarzwaldstraße sind und so lieb wir die Anwohner gewonnen haben: Wir haben dort wirtschaftlich gesehen keine Zukunft.

BZ: Nach dem Höhenflug im vergangenen Jahr kämpft der SC dieses Saison gegen den Abstieg.Was bedeutet das für die Stadionfrage?
Leki: Der Stadionneubau ist unabhängig von 1. und 2. Bundesliga zu sehen, denn die Probleme bleiben die Selben. Im Übrigen hat sich der Sport-Club in den letzen Jahrzehnten auch dadurch ausgezeichnet, dass er sich nicht von kurzfristigen Schwankungen hat beeindrucken lassen. Dies sollte insbesondere auch für das Stadionprojekt gelten. Und: Wir werden nicht absteigen.

BZ: Waren Sie überrascht, dass die Grünen den Flugplatz als Standort vor einem Jahr gegen den Willen des OB wieder aus dem Hut zogen?
Keller: Es war uns wichtig, dass die 25 Standorte – ich sage noch einmal 25 Standorte! – geprüft wurden. Übrig blieb der Standort, der die meisten Chancen hat, verwirklicht zu werden. Natürlich muss jetzt alles auf Herz und Nieren geprüft werden. Ich bin zwar ein ungeduldiger Mensch, aber ich bin auch einsichtig. Dieser lange Prozess ist wichtig, damit auch wir sicher sein können, dass es der richtige Platz ist. In unmittelbarer Nähe lebt ja gar niemand, aber wir wollen den Menschen in weiterer Entfernung auch nach dem Bau noch in die Augen schauen und mit denen schwätzen können. Das ist mein badisches Prinzip. Natürlich werden am Ende auch einige übrig sein, die man nicht überzeugen kann. Aber wir werden – wie an der Schwarzwaldstraße auch – gute Nachbarn sein.

BZ: Woran könnte das Stadion am ehesten scheitern? An den Dohlen, dem Magerrasen oder einem Gericht?
Keller: Die Gutachten sehen keine unüberbrückbaren Hindernisse. Um so wichtiger ist, dass wir in die abschließende Prüfung kommen.

BZ: Die Nachbarn fürchten sich vor Fans, die vor und nach den Spielen lautstark durch ihr Viertel ziehen.
Keller: Sie sollen mal zu einem Spiel an die Schwarzwaldstraße kommen und durch die Straßen laufen. 99,9 Prozent der Fußballzuschauer sind doch Menschen, die einfach nur den Sport genießen, das sind Menschen aus dieser Stadt, aus dieser Region. Gibt es Probleme, sind wir die ersten, die sich darum kümmern. Es gab Zeiten, da lief das nicht so. Doch dann haben wir Anwohnerbeiräte installiert, damit alles zur Zufriedenheit läuft. Wir haben es geschafft, dass unsere Nachbarn gar nicht mehr wollen, dass wir wegziehen. Das sagt sehr viel.

"Ich kann grundsätzlich verstehen, dass die Menschen im Wolfswinkel verunsichert sind." Oliver Leki
BZ: Sie würden im Wolfswinkel auch wieder einen Anwohnerbeirat installieren?
Keller: Aber selbstverständlich. Das gehört dazu. Wir wollen die Leute mitnehmen und informieren.
Leki: Ich kann grundsätzlich verstehen, dass die Menschen im Wolfswinkel verunsichert sind. Aber wenn man sieht, wie es sich an der Schwarzwaldstraße entwickelt hat, warum sollte es am neuen Standort anders sein?

BZ: Laut Gutachten wird es durch den Stadionbau am Flugplatz allerlei Einschränkungen geben – ist das den Anwohnern, Möbelhäusern und geschützten Vögeln zuzumuten?
Leki: Ich denke ja. Insgesamt werden sich aus den Gutachten sicherlich etliche Anforderungen ergeben, die dann umzusetzen sind. Nach Expertenmeinung scheint dies möglich, kostet aber natürlich Geld. Was die Gewerbetreibenden angeht, kann ich ihre Sorgen ebenfalls verstehen. Ich glaube aber, dass wir durch gemeinsame Aktionen an Spieltagen, beispielsweise mit den Möbelhäusern, sogar einen Mehrwert schaffen können.

BZ: Bedauern Sie, dass es keinen unstrittigen Standort abseits gibt? Auf der grünen Wiese, ohne Anwohner, Dohlen und Magerrasen und außerhalb Freiburgs?
Keller: Wir sind hier 1904 gegründet worden, wir sind der SC Freiburg. Freiburg ist eine Heimat, der SC gehört in diese Stadt.

BZ: Wann wird das erste Spiel im neuen Stadion angepfiffen?
Leki: Realistischerweise in der Saison 2018/19 oder 2019/20.
Keller: Besser 2018/19.

BZ: Und wo steht das Stadion?
Keller: Nach heutigem Stand spricht alles für den Wolfswinkel.
Fritz Keller

Der Sohn des als "Kaiserstuhl-Rebellen" bekannt gewordenen Winzers Franz Keller sen. wurde am 2. April 1957 in Freiburg geboren. Keller wuchs in Oberbergen auf. Seit 1990 führt er in dritter Generation das Weingut, das Sternelokal "Schwarzer Adler" und das Winzerhaus Rebstock. Nach dem Tod Achim Stockers im November 2009 übernahm er den SC Freiburg kommissarisch, seit 2010 ist er Vorsitzender.
Oliver Leki

Der Diplom-Betriebswirt wurde am 21. Januar 1973 in Worms geboren. Oliver Leki war bis Januar 2013 knapp zehn Jahre lang in verschiedenen Funktionen beim 1. FC Köln tätig, zuletzt als Geschäftsführer. Seit Oktober 2013 ist er Geschäftsführer des SC Freiburg. Er übernahm den Posten von Detlef Romeiko, der aus gesundheitlichen Gründen nach fünf Jahren von seinem Amt zurückgetreten war.

Autor: Uwe Mauch, Joachim Röderer