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29. Mai 2017

Event

So war's beim legendären Frauenabend "Frauenräume" im Theater

„Frauenräume“, sagt Lena Schulte, „das klingt oft streng oder seltsam. Aber hier ist das trotz dieser Vorgabe großartig offen!“ Hier, das ist im Kleinen Haus des Theaters Freiburg, in dem dieser Tage zum sechsten Mal das Musik-, Tanz- und Feier-Event „Nur für Frauen“ stattfand, „Kadinlar“ auf Türkisch, einladend für alle Frauen, egal, wie alt und egal, woher.

  1. Nur für Frauen: Disko im überdimensionierten orientalischen Wohnzimmer Foto: Carlotta Huber

  2. Trommel unterm Arm, Kind auf dem Rücken – Publikum entzückt Foto: Carlotta Huber

"Frauenräume", sagt Lena Schulte, "das klingt oft streng oder seltsam. Aber hier ist das trotz dieser Vorgabe großartig offen!" Hier, das ist im Kleinen Haus des Theaters Freiburg, in dem dieser Tage zum sechsten Mal das Musik-, Tanz- und Feier-Event "Nur für Frauen" stattfand, "Kadinlar" auf Türkisch, einladend für alle Frauen, egal, wie alt und egal, woher. Zu ihnen gehört auch Lena Schulte, 23 Jahre jung und Studentin in Freiburg. Mit ihr kamen am Kunst- und Diskoabend ihre drei WG-Mitbewohnerinnen und rund 300 Frauen ins Theater.

Klar ist die Ansage im Theaterprogramm: "An diesem Abend bleiben die Männer zu Hause." Derweil Frauen und Mädchen und die allerkleinsten Jungs in entspannter Wohnzimmeratmosphäre zusammenkommen und tanzen, singen, trommeln und performen – quer durch alle Länder und Altersstufen. Und obendrein in Eigeninitiative bestens verköstigt.

Für die erfahrenen Theaterfrauen Kathrin Feldhaus und Margarethe Mehring-Fuchs war der Frauenabend von Anfang an gedacht als grenzüberschreitendes Projekt, von Element 3 initiiert – in Kooperation mit dem Theater und etlichen Sponsoren: "Wir wollten ein Angebot machen, über dem nicht plakativ ’Integration’ steht, sondern eines, das auf ganz eigene Weise interkulturelle Verständigung möglich macht, indem es jeder, wie sie kommt, Raum gibt."

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Frauenraum. Zunächst ist der vor allem Bühne. Und schon um 18 Uhr sitzen fast 250 Frauen zum Teil mit kleinen Kindern auf den mit Teppichen, Kissen und Stehlampen zum orientalischen Wohnzimmer umfunktionierten Zuschauerrängen: Es kann losgehen. Losgehen mit rockigen Songs und ermutigenden Texten, exotischen Sounds und rhythmischem Klatschen, befeuert von Musikerin Bernadette La Hengst mit Gesang und Gitarre. "Women of the world, take over!" singen denn auch viele den Refrain mit, "Frauen der Welt, übernehmt das Ganze!" Hier bahnt sich die Übernahme allerdings wenig kämpferisch an, sondern kommt mit wogendem Schritt und heiterer Miene daher. Der Frauenabend im Theater erweist sich als gutlauniges Event mit ganz eigener Gestimmtheit. Der von Sylvia Herzog frisch erfundene Chor der afrikanischen Frauen lässt alle mitgrooven, Kumbaya, singt’s vielstimmig. Und mit Videoverstärkung scatten zwei junge Mädchen live: "Future I come!" Momentaufnahmen aus größeren Projekten, dieses hatte Tritta veranstaltet, der Verein für feministische Mädchenarbeit. Auch gefeiert an diesem Abend: ein Song aus der weiträumigen Produktion der Methusalems "Mehrheitsgesellschaft", in dem unter anderem die einstige Flucht aus Königsberg und die kürzliche Flucht aus Syrien Grenzen überschreiten lassen.

"Hier entsteht Nähe", findet Renate Gimmi. Die 86-Jährige tanzt und singt als Methusalem-Ensemblemitglied an diesem Frauenabend. "Mein Blick hat sich geweitet durch diese Art Theater", sagt sie, "das auf Teilhabe setzt." Renate Gimmi ist an diesem Frauenabend die Älteste auf dem Dancefloor, der bald nach den Darbietungen und feinem Catering von allen gestürmt wird. Der Jüngste auf der Tanzfläche ist der einjährige Kaleb. Im Tragetuch auf dem Rücken seiner togolesischen Mutter nimmt er unausweichlich Teil an dem bewegten Geschehen – mit sichtlichem Vergnügen.

"Weil die Atmosphäre

wohltuend ist,

wild und wohlig."

Sundari Arlt, Künstlerin
Auch die Bildhauerin Sundari Arlt und Sohn Wanja haben Spaß an dem munteren Abend und waren schon bei vorherigen Frauenabenden dabei, "weil die Atmosphäre wohltuend ist, wild und wohlig." Dazu trägt auch bei, dass DJ Brixx so wohldosiert Fremdvertrautes auflegt, dass sich alle zum Tanzen animiert fühlen. Gegen neun gibt’s einen Schichtwechsel, viele der Mütter verabschieden sich, und Tanzwütige jeden Alters strömen in Scharen – etliche kommen von weit her.

2016 hat die Stadt Freiburg Element 3 für den internationalen Frauenabend mit dem Integrationspreis der Stadt ausgezeichnet "in Anerkennung des herausragenden Engagements im Bereich interkulturelles Leben in unserer Stadt". Dieses Engagement, betonen die Macherinnen, wäre nichts ohne das Mittun anderer Frauen – wie zum Beispiel Parwin Khdir und der Dolmetscherinnen Sarghuna Nashir-Steck, Lejla Karovic-Kersting und Wafa Khalil. An diesem sechsten Frauenabend ist Teresa Golla samt Familie und Freundinnen so was wie der heimliche Star des Abends: Sie hat Unmengen Leckereien für alle gebacken.

Lena Schulte freut sich am unaufgeregten Miteinander: "Es berührt mich, dass so was im Theater geht!" Und sie freut sich auf den späten Abend, wenn der hohe DJ-Tisch von DJ Brixx umlagert wird von arabischen, türkischen, deutschen, iranischen und kurdischen jungen Frauen: Jetzt sind sie dran und können mit ihren Handys ihre Lieblingstitel abspielen lassen. Dass ein so vielfältiger und tanzbarer Abend für viele Frauen längst Kult ist, verwundert kaum.

Autor: Julia Littmann