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14. Juli 2011
Unter einem Dach
Vier junge Menschen leben in der zweiten integrativen Wohngemeinschaft der Freiburger Caritas .
Da ihre erste integrative Wohngemeinschaft an der Schwarzwaldstraße seit 2008 gut funktioniert, betreibt die Caritas Freiburg seit vergangenem November eine zweite alternative Wohnform. In einem Reihenhaus am Seepark leben zwei Behinderte mit zwei Menschen ohne Behinderung zusammen.
Der Duft von frischen Pfannkuchen zieht durch die Wohnung. Lisa Lösch steht zusammen mit ihren Mitbewohnern in der Küche der integrativen WG, die Pfanne schwenkend. Die 22-Jährige studiert an der Pädagogischen Hochschule im zweiten Semester Heilpädagogik. Sie hatte im vergangenen Herbst nach einem Zimmer in Freiburg gesucht. Dabei ist ihr das Angebot des Caritasverbandes Freiburg ins Auge gesprungen. Sie bezahlt nur die Nebenkosten, ist dafür aber rund 30 Stunden im Monat für ihre zwei Mitbewohner mit Behinderung im Einsatz. "Wohnen für Hilfe" sozusagen. "Es ist kein Arbeiten, es ist ein Zusammenleben", erzählt Lisa Lösch. Es geht um Kleinigkeiten im Alltag, wie Einkäufe erledigen und einfach füreinander da sein. "Das passt perfekt zu meinem Studium", freut sie sich und fügt hinzu: "An der PH finden meine WG alle voll cool."Werbung
Auch Niclas Haidt fühlt sich hier sichtlich wohl. Der Elftklässler, der am Kolping-Kolleg sein Abitur nachmachen will, nutzt die Nähe zum Seepark, um dort in der Sonne zu lernen. "Mein zweites Klassenzimmer", lacht er. Eine günstige Miete und soziales Engagement waren auch seine Gründe für den WG-Einzug.
Die Studentin und der 21-jährige Schüler teilen sich die Wohnung mit Natascha Wohlrath und Sebastian Petermann. Die beiden Mitbewohner mit Behinderung wollten ein selbstständigeres Alltagsleben. Genau das bietet ihnen die integrative WG nun. Alle vier Bewohner haben ihr eigenes Zimmer, es gibt einen Putzplan, eine WG-Kasse und manchmal Kühlschrank-Stress. Genau wie in anderen WGs auch. Am Abend schaut Natascha Wohlrath gerne Fernsehen. Lisa Lösch setzt sich oft dazu. Es läuft "Verbotene Liebe" oder eine andere Soap. Ab und zu gehen die Mädels auch shoppen. Für die Jungs ist das eher nichts. Während Niclas Haidt im Garten öfters den Grillmeister gibt und schon im Januar die Grillsaison eröffnet hat, wozu immer Freunde vorbeikommen, kümmert sich Sebastian Petermann um seine Echsen. Für die Tiere hat der 22-Jährige, der in der Altenpflege tätig ist, selbst einen Käfig gebaut. Das Reptilien-Faible hat er von seinem Bruder übernommen.
Eigentlich sind Haustiere tabu, für die beiden Bewohner mit Behinderung hat der Caritasverband eine Ausnahme gemacht. Und so darf auch Natascha Wohlrath ihren Hasen hüten. Der heißt Paul und ist ihr Liebling. Auf dem Schreibtisch in ihrem Zimmer liegen ein Bund Karotten. Auch außerhalb der Wohnung ist sie täglich von Tieren umgeben. Nach einem Praktikum auf dem Mundenhof hat sie mittlerweile einen Arbeitsvertrag und kümmert sich von Montag bis Freitag immer vormittags um Esel, Pferde, Schafe und Hühner.
Begleitet wird die WG von zwei Mitarbeitern der Ambulanten Dienste für Menschen mit Behinderung. Dienstags gibt es eine WG-Besprechung und auch sonst treffen sich Veronika Steidl und Julian Hechinger regelmäßig mit den Behinderten.
Autor: Fabian Vögtle
