Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. Juli 2011

Wo Punks einen Antrag auf ein Dixie-Klo stellen

Stadt Karlsruhe hat einen Ordnungsdienst / Amtschef berichtet.

Lärm, Schmutz und pöbelndes Partyvolk in der Innenstadt – Freiburg? Karlsruhe! Das hat mit dem gleichen Problem in Grün zu tun, über das Bewohner der Green City klagen. Die Nordbadener aber haben einen kommunalen Ordnungsdienst eingerichtet, wie ihn einige für Freiburg fordern, vorneweg Daniel Sander. Wie das funktioniert, hat auf Einladung des CDU-Stadtrats der Leiter des Karlsruher Ordnungsamts Björn Weiße berichtet. Der trinkt selbst ab und an abends ein Bier, schwört aber: "Ich gehöre nicht zu ihrem Problemklientel."

Stadtsheriffs würden eine halbe Million kosten

Seit April geht sein kommunaler Ordnungsdienst Streife. Dabei ist Karlsruhe ist kein besonders gefährliches Pflaster, in der Kriminalstatistik des Landes liegt es im Mittelfeld. Doch im Vergleich zu den 90ern gebe es doppelt so viele Körperverletzungen (2000); das sei vergleichbar mit Freiburg (knapp 2900), das insgesamt die Statistik anführt. Weiße registrierte zuletzt viel mehr Sachbeschädigung und Partydrogenkonsum. "Viel passiert in der Innenstadt." Die Polizei kann sich nicht um jede Ordnungswidrigkeit kümmern. Weiße beobachtet einen Wertewandel, Kinder mit Alkoholvergiftung, Wodka-Tampons für üblen Vollrausch; dass junge Leute später ausgehen, und Müdigkeit mit Alkohol eine aggressive Mischung gibt. "Die Waffen sitzen locker."

Werbung


Die Aufgaben des kommunalen Ordnungsdiensts sind Prävention und Kontrolle. Die Zweierteams sind täglich im Einsatz, überprüfen Jugendschutz und Sperrzeiten. Sie versuchen Disco-Gänger zu überzeugen, nicht angeschickert zu fahren, klären Alte über Trickbetrug auf und können Leute festnehmen. "Wir versuchen viel abzubiegen, bevor wir repressiv tätig werden", so Weiße. Angesprochen wird, wer wild grillt oder pinkelt. Nach den ersten Erfahrungen funktioniert das: "Punker haben Anträge bei uns gestellt, eine Dixie-Toilette aufzustellen." Die elf Mitarbeiter kommen aus verwandten Berufen. Ein halbes Jahr Ausbildung und die Ausstattung haben je 5900 Euro gekostet. Überzeugt hatte Weiße die Kommunalpolitiker, nachdem er mit ihnen abends ausgegangen ist. Die zehn Stellen hat Karlsruhe aus anderen Ämtern rausgeschwitzt.

Daniel Sander rechnet nicht damit, dass das in Freiburg ginge, sondern mit Kosten von 500 000 Euro für zehn Stellen im Jahr. Der Stadtrat, der in der Altstadt wohnt, würde mehr Polizei begrüßen. "Aber es sieht nicht nach einer nennenswerten Aufstockung aus." Deshalb fordert er von der Stadt, Aufgaben zu übernehmen. Befürworter gebe es in jeder Fraktion. Es geht nicht um eine partyfreie Zone, sagte Sander. "Aber die Innenstadt lebt auch davon, dass man hier lebt."

"Hoffentlich kommt bald ein Ordnungsdienst", sagte ein Mann im Publikum. 25 meist grauhaarige Zuhörer waren zum Vortrag gekommen. In der anschließenden Debatte ging es um Ärger in anderen Stadtteilen, um die Politik der Stadt, um Bierbikes, Partytouristen und Junggesellenabschiede. "Das isch El Arenal auf Badisch", meinte eine Frau.

Autor: Simone Höhl